Am Erfolg von Spitzensportlern teilhaben

Traumberuf Sportphysiotherapeut: Spitzensportler zu begleiten ist aufregend und herausfordernd. Weiterbildungen vermitteln Allgemeinphysiotherapeuten das entsprechende Know-how.

Um Herausforderungen wie die Hahnenkammabfahrt zu meistern, brauchen Spitzensportler auch die Unterstützung von Sportphysiologen.
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Um Herausforderungen wie die Hahnenkammabfahrt zu meistern, brauchen Spitzensportler auch die Unterstützung von Sportphysiologen.
Um Herausforderungen wie die Hahnenkammabfahrt zu meistern, brauchen Spitzensportler auch die Unterstützung von Sportphysiologen. – APA/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Nach dem Sieg von Christine Scheyer im Abfahrtsrennen von Zauchensee am vergangenen Sonntag darf auch dem betreuenden Physiotherapeuten gratuliert werden. Stefan Simon, im Damennationalteam des ÖSV für „Physio“ und Kondition zuständig, freut sich über den Erfolg und hofft für den WM-Winter sonst auf „viel Daumenhalten und wenig Verletzungen“. Das gilt wohl insbesondere auch, wenn sich dieses Wochenende Österreichs Herren in Kitzbühel hinunterstürzen. Wenn dennoch etwas passiert, sind nicht nur die Notärzte sofort an der Seite der Athleten, sondern auch deren Physiotherapeuten. „Ich organisiere in einem solchen Fall den Abtransport mit und bin bei der Erstuntersuchung dabei. Sobald die Diagnose feststeht, wird die weitere Vorgangsweise besprochen“, sagt Simon.

Seit eineinhalb Jahren absolviert er den berufsbegleitenden Masterlehrgang MSc. Sports Physiotherapy an der Universität Salzburg. Wenngleich er diese Weiterbildung wegen seines Engagements im ÖSV unterbrochen habe, helfe ihm das bisher Gelernte bereits in seiner praktischen Tätigkeit, sagt Simon. „Man bekommt tiefere Einblicke in trainingswissenschaftliche Fragen oder zum Interpretieren von Messdaten, und man lernt, Studien zu hinterfragen.“ Seine Basisphysiotherapieausbildung legte der Tiroler in Innsbruck ab. Danach arbeitete er in einer Praxis in Igls, wo sich erste Kontakte zu ÖSV-Spitzensportlern ergaben. Spezialkenntnisse in Sportphysiotherapie erwarb er in einer zweijährigen Zusatzausbildung in München.

Akademische Zusatzausbildung

Warum jetzt noch ein Masterlehrgang? „Ich sehe meine Zukunft in der Sportphysiotherapie. Da ist eine Zusatzausbildung auf Hochschulebene auf jeden Fall von Vorteil.“ Zudem würde ihm ein Teil der Münchner Ausbildung im Salzburger-Masterlehrgang angerechnet.

Im österreichischen Berufsverband Physio Austria wird derzeit laut Präsidentin Silvia Mériaux-Kratochvila ein Kompetenzprofil für Sportphysiotherapeuten ausgearbeitet, das wohl auch im Salzburger Universitätslehrgang seinen Niederschlag finden wird.

Mit dem Masterlehrgang kooperiert auch die FH Salzburg, die den Bachelorstudiengang Physiotherapie betreibt. Denn ihre Grundausbildung erwerben Physiotherapeuten heute meist in einem FH-Studium. Dabei handle es sich nicht um ein Sportphysiotherapiestudium, sondern um einen regulären Studiengang, der zur Berufsberechtigung führt“, sagt Studiengangsleiter Martin Dürl. Eine Kooperation gebe es auch mit den sportwissenschaftlichen Studiengängen der Universität Salzburg, und zwar in Form einer gemeinsamen Lehrveranstaltung mit den gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen der FH-Salzburg. „In dieser Lehrveranstaltung werden Patientenbeispiele von allen beteiligten Gruppen gemeinsam bearbeitet, um die Interdisziplinarität zu fördern“, sagt Dürl.

Physiotherapeut Andreas Daxberger, der sein Bachelorstudium an der FH Joanneum absolviert hat, kann ebenfalls auf ein Zusatzdiplom in Sportphysiotherapie verweisen, außerdem auf mehrere Ausbildungen, darunter für „Screening und Assessmentverfahren hinsichtlich Verletzungsprophylaxe im Sport“. „Derzeit studiere ich nebenbei Osteopathie. Das dient vor allem dazu, globale Strukturzusammenhänge auf anatomischer Ebene in unsere Arbeit einfließen zu lassen“, sagt Daxberger. So wie Simon ist der Steirer als Freiberufler tätig, allerdings nicht für einen nationalen Verband oder Olympia-Stützpunkt, sondern innerhalb eines neuartigen Zusammenschlusses von Fachleuten der Sportwissenschaft, Sportmedizin, Sportphysiotherapie, Leistungsdiagnostik, Sportpsychologie und Sportdiätologie. Sie alle arbeiten auf selbstständiger Basis, jedoch buchstäblich unter einem Dach unter dem Namen Spowimed (Sport – Wissenschaft – Medizin).

Teamfähigkeit entscheidend

Die in Graz angesiedelte und von der steirischen Sportunion finanzierte Einrichtung bietet Betreuungskonzepte für den Spitzen- wie den Breitensport. „Gerade im Leistungssport muss multidisziplinär gearbeitet werden. Da sind weniger die Wunderwuzzis gefragt, sondern Leute, die gut im Team zusammenarbeiten.“ Daneben lege man verstärktes Augenmerk auf Prävention. So wurde zum Beispiel für die derzeit sehr erfolgreiche Snowboardnationalmannschaft ein Screeningkonzept ausgearbeitet, um die Verletzungswahrscheinlichkeit jedes einzelnen Sportlers zu minimieren.

INFORMATION

Weiterbildungsangebote für Sportphysiotherapeuten:

► Universität Salzburg:Postgraduales Studium Sportphysiotherapie: MSc Sports Physiotherapy
www.uni-salzburg.at/spo/sportsphysiotherapy

► ESP-Sportphysiotherapie
http://www.physio-zentrum.at/

► Impuls
www.impuls-fs.at

► Sportthema
www.sportthema.at

Veranstaltung: 5. Sportphysio-Symposium in Salzburg
Thema: „Muskel und Sehne/ Wissenschaftliche Erkenntnisse in der Sportphysiotherapie“
Zeit: 21. und 22. April 2017
Ort: Universität Salzburg
www.ssps-org.com

 


[N8VSA]

(Print-Ausgabe, 21.01.2017)

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