Vorab prüfen, ob das Studium passt

Nur wenige Hochschulen testen die Eignung der Studierenden in spe. Dabei wäre diese Form der Beratung auch vom finanziellen Standpunkt aus gesehen sinnvoll und kann die Drop-out-Quote senken.

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(c) Die Presse - Clemens Fabry

Mit den Studienwahltests konnten wir die Abbruchquote um 30 Prozent reduzieren“, sagt Eduard Brandstätter, Leiter des Instituts für Sozial- und Wirtschaftspsychologie an der Johannes-Kepler-Universität Linz (JKU). Dort gibt es dieses Angebot seit 1991. „Die Bewältigung der Studienanforderungen fällt leichter, die Studierenden absolvieren mehr Prüfungen erfolgreich, und sie schließen das Studium ein Semester früher ab“, erläutert Brandstätter. Im österreichischen Durchschnitt brechen 40 Prozent aller Studierenden ihre hochschulischen Aktivitäten ab oder wechseln das Fach. Das führe nicht nur zu Frustration, sondern auch zu unnötigen Kosten für Hochschulen und Studierende.

Wenn die Testbewerber Mitte Februar zum Präsenztest antreten werden, haben sie drei Schritte absolviert. Jeder hat sich zuerst registriert, dann erfolgte eine Online-Anmeldung. Anschließend erhielt der Studierende in spe eine Bestätigung, die er zum Präsenztest mitnimmt. Dieser dauert circa vier Stunden. „Danach geben wir eine schriftliche Rückmeldung und bieten weiterführende, persönliche Gespräche an.“ Der Unterschied zu anderen Hochschulen ist laut Brandstätter, dass die JKU-Tests auf das spezifische Studium zugeschnitten sind: „Wir testen genau jene Fähigkeiten, die in dem beabsichtigten Studium benötigt werden.“

 

Nur informativer Charakter

Diese Studienwahltests – nicht zu verwechseln mit den Eingangstests, wie sie etwa im Medizinstudium vorgesehen und auch bei vielen FH-Studien üblich sind – haben rein informativen Charakter. Welche Konsequenzen Bewerber aus eventuell negativen Ergebnissen ziehen, bleibt ihnen überlassen.

Dass es noch nicht gang und gäbe an Hochschulen ist, ihre künftigen Studenten auf deren Neigung zu testen, verwundert dennoch. Laut einer Studie des Instituts Wirtschaftsstandort Oberösterreich aus dem Jahr 2015 sind dem österreichischen BIP durch Studienabbrüche und die verminderte Kaufkraft seit der Jahrtausendwende 2,6 Milliarden Euro entgangen.

Lydia Krömer von der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt verweist in diesem Zusammenhang auf universitätsübergreifende Online-Angebote wie studienchecker.at. Die Alpen-Adria-Universität selbst führt im Rahmen der psychologischen Studierendenberatung Interessenstests durch. Auch Alfred Pritz, Rektor der Sigmund-Freud-Privatuniversität, plädiert für Studienwahltests, damit Studierende das für sie richtige Studium finden. „Dabei steht der Bewerber im Mittelpunkt, nicht die aufnehmende Einrichtung“, so Pritz. Der positive Effekt: Nur vier Prozent der Studierenden wechseln oder hören auf.

Zwar nicht die FH an sich, doch einzelne Studiengänge bieten auch an der FH Kufstein Tirol Studienwahltests an. „Für unsere Studiengänge Digital Marketing und Web Communication & Information Systems, die inhaltlich Überschneidungen haben, bieten wir unter eignungstest.fh-kufstein.ac.at einen anonymen Studienwahltest an, der es den Interessierten ermöglicht, sich besser zu entscheiden“, erläutert FH-Geschäftsführer Thomas Madritsch. Zusätzlich besucht man Schulen, um über das eigene Angebot zu informieren, Fragen zu beantworten und Unsicherheiten abzuklären.

 

Eigene Vorstellungen prüfen

Es ist unbedingt empfehlenswert, dass sich die Interessenten vor der Anmeldung zu einem Studiengang eingehend mit den Inhalten beschäftigen und diese mit den eigenen Vorstellungen abgleichen“, rät Madritsch. Vor allem deshalb, weil es immer wieder Bewerber gebe, die noch keine Vorstellung davon haben, was sie konkret studieren wollen.

Web:www.studieren-studium.com

 

www.was-studiere-ich.de

 

www.studieren.org/studienwahltest

 

http://unsereuni.at/studieren/was-soll-ich-studieren-test-oesterreich

 

www.studienwahl.at, www.18plus.at

 

www.fh-kufstein.ac.at; www.jku.at; www.aau.at; www.sfu.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2017)

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