Know-how an die eigene Hochschule holen

Internationale Partnerschaften erhöhen die Reputation der beteiligten Bildungsstätten, geben den Studenten mehr Möglichkeiten und fördern vor allem den Wissenstransfer.

Iran-Kooperation: Die österreichische Delegation mit den Gastgebern in Teheran.
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Iran-Kooperation: Die österreichische Delegation mit den Gastgebern in Teheran.
Iran-Kooperation: Die österreichische Delegation mit den Gastgebern in Teheran. – (c) OEAD

„Wer nie über seine Grenzen geht, bleibt immer unter seinen Möglichkeiten“, sagt Erwin Rauscher, Rektor der Pädagogischen Hochschule Niederösterreich. In einer globalen Welt brauche es nicht nur Dolmetscher der Sprache, sondern auch der Geschichte und Kultur − „nicht zuletzt in Fragen von Erziehung und Bildung“. Deshalb hat die PH NÖ Anfang Februar einen Kooperationsvertrag mit der iranischen Kharazmi University unterzeichnet („Die Presse“ berichtete). Im Rahmen des FörderprogrammsImpulse Iran Austria sollen im Frühjahr 2017 mindestens 13 weitere strategische Partnerschaften ausgeschrieben werden.

Kontakte auf Konferenzen

Zustande gekommen ist die Kooperation im Rahmen einer Studienvisite, die vom Österreichischen Auslandsdienst OEAD organisiert wurde. „Unsere study visits sind nur eine Möglichkeit, wie Hochschulen eine internationale Zusammenarbeit starten können. Meist kommen sie durch die Initiative von einzelnen Akteuren zustande, die sich beispielsweise im Rahmen einer Konferenz kennengelernt haben. Aber auch Hochschulmessen bieten eine entsprechende Plattform“, sagt Stefan Zotti, Geschäftsführer des OEAD. Auf der Website des Auslandsdienstes finden Hochschulen zudem Kooperationspartner und entsprechende Förderprogramme.

Eines der dort gelisteten Projekte wird unter der Leitung der FH Burgenland umgesetzt. „Wir haben derzeit mehr als 80 Partnerhochschulen in der Lehre, Schwerpunkt ist durch unsere Lage am Übergang von West nach Ost der Bereich Osteuropa“, sagt Michael Roither, Vizerektor für Internationales. Aktuell trete man gerade dem Eurasia Pacific Uninet bei. Dieses wurde im Jahr 2000 mit dem Ziel gegründet, ein Netzwerk für österreichische Bildungseinrichtungen in Asien und im pazifischen Raum aufzubauen. „Wissen und Kompetenzen am Puls der Zeit sichern Österreich den Wettbewerbs- und Standortvorteil. Dieses Know-how ist heute global, ständig in Bewegung, von internationalen Innovationen und Best Practices getrieben. Es an die eigene Hochschule zu holen, ist somit längst keine Kür mehr, sondern Pflicht“, ist Roither überzeugt.

Länderspezifische Stärken

Grundsätzlich gebe es mehrere Gründe, warum Hochschulen „auf Partnersuche“ gehen, sagt Zotti: „Österreichische Unis und Fachhochschulen können ihre Forschungsaktivitäten erhöhen, von den internationalen Partnern lernen – sowohl in der Lehre als auch bei der Ausbildung junger Wissenschaftler.“ Man könne von den unterschiedlichen Stärkefeldern profitieren, die in den jeweiligen Ländern traditionell ausgeprägt seien. So könne Österreich beispielsweise von US-Universitäten lernen, wie man Forschungsergebnisse marktreif macht.

Mit weltweit über 70 Partneruniversitäten und rund 370 Erasmus-Kooperationen ist auch die Uni Wien international vernetzt. Die jüngste Kooperation: eine strategische Partnerschaft mit der University of Chicago. Wissenschaftler der Kulturwissenschaftlichen, Mathematischen und Sozialwissenschaftlichen Fakultät werden sich gemeinsam mit ihren US-amerikanischen Forschungskollegen für Förderungen bewerben. Die Kooperation wirkt aber auch in der Lehre: „Ein bilateraler Kooperationsvertrag aus dem Jahr 2007 schuf den institutionellen Rahmen für das Dr. Ferdinand Stern Western Civilization Program, das jährlich an der Universität Wien abgehalten und von mehr als 25 Bachelorstudierenden besucht wird. Neben Lehrveranstaltungen zur Geschichte Zentraleuropas belegen die Studierenden auch Deutschkurse am Sprachenzentrum der Universität Wien, so Cornelia Blum, Sprecherin des Rektorats. Im Jahr 2014 wurde das Angebot um das Human Rights Study Abroad Program erweitert. Im Gegenzug haben zehn Studierende der Universität Wien die Möglichkeit, im Rahmen des Non-EU-Student Exchange Program ein Semester an der University of Chicago zu studieren.


[NAI6L]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2017)

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