Experten für den guten Ton

Der Beruf des Tonmeisters ist in Österreich vor allem aus dem Radioalltag bekannt. Mehr Bedeutung haben alle Tontechnikberufe jedoch inzwischen in anderen Branchen.

Mit Tonmeistern verbindet man Rundfunkstudios, das Berufsfeld ist heute aber vielfältiger geworden. Im Bild: Barbara Geisselbrecht-Harrer bei Radio Wien.
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Mit Tonmeistern verbindet man Rundfunkstudios, das Berufsfeld ist heute aber vielfältiger geworden. Im Bild: Barbara Geisselbrecht-Harrer bei Radio Wien.
Mit Tonmeistern verbindet man Rundfunkstudios, das Berufsfeld ist heute aber vielfältiger geworden. Im – Barbara Geisselbrecht-Harrer bei Radio Wien. / Bild: (c) Clemens Fabry

Nicht zuletzt anlässlich des bevorstehenden World Radio Day (alljährlich am 13. Februar) sind alle Fachleute der immer komplexer werdenden Tontechnikbranche zu würdigen. Dennoch verlieren sie gerade in diesem traditionellen Tätigkeitsfeld an Bedeutung. „Feste Stellen bei Institutionen wie Radio- und Fernsehstationen sind unter anderem durch Entwicklungen auf dem Ton- und Bildträgermarkt sowie durch die Verbreitung von künstlerischen Aktivitäten über das Internet rückläufig“, sagt Ulrich Vette, Leiter des Tonmeisterstudiums an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW). Einen relativ konstanten Arbeitsmarkt stelle hingegen das Veranstaltungswesen dar, außerdem Konzerthäuser, Theater sowie das Genre Musical. Ein größerer Teil der Absolventen finde zudem im Bereich Filmtongestaltung sein Auskommen. „Vor allem die österreichische Filmproduktion profitiert laut eigener Aussage einiger Filmschaffenden von den künstlerisch orientierten Absolventen der MDW“, berichtet Vette.

Die Tonmeisterausbildung der MDW verbindet ein künstlerisch-musikalisches mit einem technischen Studium sowie einer intensiven Beschäftigung mit ästhetischer Akustik. Inhaltlich umfasst sie sowohl klassische Musik, Jazz- und Popularmusik als auch die Bereiche Filmton, Sounddesign und Radioproduktion. Die Zulassungsvoraussetzungen zu dem Studium sind eher hoch angesetzt – von Gehörbildung über Musikgeschichte und Klavierspiel bis zu technischen und naturwissenschaftlichen Fragestellungen.

Wesentlich techniklastiger ist das Studium zum Elektrotechnik-Toningenieur (ET-TI), das die Kunstuniversität Graz und die TU Graz gemeinsam anbieten. „Zwei Drittel Technik, ein Drittel Musik“ lautet die Kurzformel dieser Ausbildung, die (im Masterstudium) mit dem Diplomingenieurgrad abschließt. Das Ziel sei, etwas vereinfacht gesprochen, Entwicklungsingenieure in der Audioindustrie heranzubilden, sagt Gerhard Graber, Studiendekan und Professor für Audiotechnik an der TU Graz. „Die Absolventen sind also in der Lage, technische Geräte im Studiobereich, Audiobereich und in der Akustik nicht nur zu verstehen und anzuwenden, sondern sie auch weiterzuentwickeln und zu wissen, was sinnvolle Qualitätsparameter dafür sind.“ Wichtige Arbeitgeber seien, neben der Audioindustrie und anderen Industriesparten, die Forschung sowie zunehmend die Entwicklungsabteilungen von Start-ups.

Kunst oder Technik als Oase

Wesentlich ist laut Graber ein echtes Doppelinteresse an Technik und Musik. Da die gesamte Studienzeit an beiden Universitäten verbracht werde, entstehe bei den Studierenden automatisch ein interdisziplinäres Gefühl, eine Offenheit über Fachgrenzen hinweg. Dennoch werde von den meisten entweder der künstlerische Teil oder der technische Teil der Ausbildung als eine Art Oase empfunden, die helfe, auch den jeweils anderen Teil durchzustehen.„So gesehen bringt es die interdisziplinäre Ausbildung mit sich, dass man neben der Vertiefung der eigenen Vorlieben und Stärken – sozusagen der Kür – um die weniger geliebte Pflicht nicht herum kommen kann“, sagt Graber.

Praxis im Vordergrund

Kompakter als ein Studium und primär praxisorientiert werden Lehrgänge zum Tontechniker gestaltet. Die ein halbes Jahr dauernde Ausbildung zum Ton-/Studiotechniker am Wifi Wien wird in Kooperation mit einer Tontechnikschule angeboten. An vier Tagen pro Woche erlernen Interessenten hier die für Tontechniker nötigen Grundlagen der Physik, Elektronik, Informatik sowie Musiktheorie und werden auf die Nutzung neuester technischer Möglichkeiten vorbereitet. Der Kurs erfordert keinerlei Vorkenntnisse. Wichtig sei, dass Neueinsteiger gemeinsam mit bereits erfahreneren Teilnehmern gemeinsam als Gruppe Themenbereiche erarbeiten könnten, sagt Lex Machat, Fachbereichsleiter Audio am Wifi Wien.

Neu ist am Wifi Wien auch der Lehrgang Creative Audio Designer, in dem die Teilnehmenden dabei unterstützt werden, selbst in Audioprogrammen unterschiedliche Produktionen zu erarbeiten. „Es werden beispielsweise Hörfunkspots, Sounddesigns für Videos oder Musikproduktionen erstellt“, sagt Machat. „Hierbei geht es gezielt um das Tonstudio im Computer und wie Aufgabenstellungen potenzieller Kunden aus dem Alltag optimal bewältigt werden können.“

Der Kursleiter ist selbst Musikproduzent, Audio-Kreativ-Designer eines Wiener Radiosenders sowie Inhaber einer Kreativagentur und damit ein Beispiel für Personen, die sich in der immer mehr verschmelzenden Berufswelt der Kreativwirtschaft bewegen. „Gab es früher die getrennten Bereiche der Komposition, Produktion und Gestaltung oder Tontechnik, die auch von unterschiedlichen Personen betreut wurden, so ist die Anforderung heute an Freelancer, all dieses Know-how zu besitzen“, sagt Machat. Dieses werde auch in der Ausbildung vermittelt.

AUF EINEN BLICK

Tonmeister sind im Rundfunk nicht mehr so gefragt wie früher, dafür in neuen Betätigungsfeldern, etwa beim Film. Die universitären Ausbildungen vereinen Technik mit künstlerischen Ansprüchen, die einschlägigen Kurse sind eher praktisch orientiert. Gefragt sind Allrounder für die gesamte Produktionskette.

www.mdw.ac.at/79
www.tugraz.at
www.kug.ac.at

www.wifiwien.at/audio

 


[NB32P]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2017)

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