Babysitter müssen länger lernen

Wer Babysitter von der Steuer absetzen will, muss solche beschäftigen, die einen einschlägigen Kurs besucht haben. Die Regeln dafür wurden deutlich verschärft.

Der Umgang mit Kindern will gelernt sein – für das Finanzministerium mindestens 35 Stunden lang.
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Der Umgang mit Kindern will gelernt sein – für das Finanzministerium mindestens 35 Stunden lang.
Der Umgang mit Kindern will gelernt sein – für das Finanzministerium mindestens 35 Stunden lang. – (c) imago stock&people

Babysitten, an sich schon eine verantwortungsvolle und mitunter nervenaufreibende Tätigkeit, ist seit heuer schwieriger geworden. Zumindest in organisatorischer Hinsicht, und zwar dann, wenn die Eltern die Kosten steuerlich absetzen wollen. Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit der Kinderbetreuung durch Private ist deren pädagogische Qualifikation. Bislang galt für Babysitter, sofern sie nicht etwa aufgrund einer abgeschlossenen Kindergartenpädagogik- oder Horterzieherausbildung ohnehin qualifiziert sind, ein Kurs im Ausmaß von acht Stunden (für Erwachsene) als ausreichend. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs („Die Presse“ berichtete) werden nun allerdings mindestens 35 Stunden gefordert. Die Logik dahinter ist eine Vergleichbarkeit mit der einschlägigen Ausbildung einer Tagesmutter. Weiters kann die steuerliche Absetzbarkeit nur noch für Dienste von Erwachsenen ab 18 Jahren in Anspruch genommen werden. Jüngere oder Personen ohne den Kurs dürfen weiter Babysitten, allerdings gibt es dann vom Staat kein Geld zurück.

Die gute Nachricht: Wenn der Babysitter über 18 Jahre alt ist und bereits den achtstündigen Kurs absolviert hat, können innerhalb einer Übergangsfrist bis Jahresende die fehlenden 27 Stunden nachgeholt werden, und alle heuer geleisteten Stunden sind (bis zum Höchstbetrag von 2300 Euro pro Kind) absetzbar. Ähnliches gilt für Au-pair-Kräfte, nur haben diese auch nach 2017 jeweils zwei Monate, nachdem sie ins Land gekommen sind, Zeit, den Kurs zu absolvieren.

Für die Aufstockungs- und 35-Stunden-Kurse wendet man sich im Prinzip an die gleichen Stellen, die zuvor die achtstündige Ausbildung angeboten haben. Neben privaten Instituten – die oft selbst Babysitter vermitteln – sind das oft karitative Einrichtungen. Eine Liste findet sich auf der Website des Familienministeriums (siehe unten).

 

Kurse vielfach noch in Arbeit

Allerdings ist die deutliche Ausweitung der Anforderungen auch für die dort gelisteten Anbieter offensichtlich recht überraschend gekommen. Nicht wenige – vom Roten Kreuz über Arbeiter-Samariter-Bund bis zum Hilfswerk – sind gerade erst dabei, neue Kursprogramme zu entwickeln. Die Suche nach tatsächlich schon existierenden Kursen kann also etwas frustrierend sein.

Grundsätzlich befürwortet aber etwa die zuständige Abteilungsleiterin beim Wiener Hilfswerk, Brigitte Popprath, die Ausweitung: „Junge Personen, die im Haushalt allein sind, sollten gut darauf vorbereitet sein“, meint die Expertin. Die Inhalte der Hilfswerk-Kurse sind zwar erst in Arbeit, die Themen werden sich aber mit jenen der früheren Ausbildung decken. Neben pädagogischen Inhalten steht Erste Hilfe ganz oben auf der Agenda. „Grundsätzlich orientieren sich die Inhalte an der Praxis“, sagt die Abteilungsleiterin. Wichtiger Punkt sei etwa das Elterngespräch. „Jedes Kind hat seine eigenen Gewohnheiten“, weiß Popprath.

Eines der Institute, das bereits im Sommersemester Babysitterkurse nach den neuen Richtlinien anbietet, ist das in Wien ansässige Bildungsforum – Institut Dr. Rampitsch, das via Franchise Niederlassungen in einigen größeren Städten in Österreich betreibt. Die Inhalte der neuen Kurse folgen den bereits für die Vorgängerausbildung vom Ministerium vorgegebenen Punkten: Entwicklungspsychologie und Pädagogik, Kommunikation und Konfliktlösung und Erste Hilfe. „Nun wird auf diese Themen umfassender eingegangen, und es können auch Beispiele aus der Praxis erörtert werden“, erklärt der Bildungsforum-Leiter, Bernhard Hochreiner. Allerdings vermisst der Experte in den Vorgaben Punkte wie rechtliche Grundlagen oder Ernährung.

Typischerweise werden die Babysitterkurse innerhalb von ein paar Tagen geblockt abgehalten. Zudem gibt es Fernkurse. Die Preise variieren, für die volle 35-Stunden-Ausbildung finden sich Angebote zwischen 225 und 600 Euro, Fernkurse sind günstiger. Eine abschließende Prüfung ist eher unüblich – beim Bildungsforum wie beim Hilfswerk reicht die vollständige Teilnahme für ein Zertifikat. Wobei beim Wiener Hilfswerk in einem Vorgespräch die persönliche Eignung geprüft wird. Beim Fernkurs der Agentur Nanny Service ist als Leistungsnachweis ein Multiple-Choice-Test zu bestehen.

Web: www.bmfj.gv.at/familie/kinderbetreuung/steuerliche-absetzba rkeit.html

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2017)

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