Fit für das Leben im Bürodschungel

Training für Führungskräfte. Die Natur oder das Tier in uns ist Basis so mancher Seminare.

Hochseilklettergärten wie hier im Gänsehäufelbad schaffen für Seminare und Firmenevents einen außergewöhnlichen Rahmen.
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Hochseilklettergärten wie hier im Gänsehäufelbad schaffen für Seminare und Firmenevents einen außergewöhnlichen Rahmen.
Hochseilklettergärten wie hier im Gänsehäufelbad schaffen für Seminare und Firmenevents einen außergewöhnlichen Rahmen. – (c) HSKG

Das Angebot an Coachings und Trainings für Führungskräfte ist fast unüberschaubar. Um sich aus der Masse hervorzuheben, setzen einige auf ungewöhnliche Methoden und Zugänge.

Ivana Zwickl, zuständig für Executive Coaching & Training bei Eblinger & Partner Personalberatung, findet beispielsweise Trainings und Coachings in Natursettings wie zum Beispiel im Hochseilklettergarten oder mit Wölfen durchaus interessant. Das Setting sei jedoch kein Selbstzweck, sondern müsse der Situation und dem Ziel des Unternehmens angepasst werden, meint sie. „Befindet sich ein Unternehmen in einer Krisensituation, und geht es etwa um Einsparungen, so befinden sich die Betroffenen in der ,Panikzone‘.“ Um sich erfolgreich zu entwickeln, brauche so ein System zuerst eine Beruhigung.

Zwickl arbeitet mit den Trainerinnen Charlotte Eblinger und Stella Hiesmayr mit dem CIS Leadership Qualities Program, einem Führungskräfteentwicklungsprogramm, das grob als Methodenmix aus interaktivem Vortrag, Übungen, Rollenspielen, Hausübungen und Einzelcoachings umschrieben werden kann. „Bevor wir einen Auftrag annehmen, empfehlen wir unseren Kunden, eine Organisations- und Strukturaufstellung zu machen, um die Ist-Situation zu erfassen und zu verstehen“, erklärt Zwickl. Auf Basis dessen würden dann konkrete Entwicklungsmaßnahmen abgeleitet. Nach der Vermittlung der theoretischen Basis werde nach den Prinzipien des Improvisationstheaters das Erlernte in spielerischer Form auf einer Bühne erprobt. Konkret werden verschiedene Szenen und Rollen durchgespielt.

Konflikte auf der Bühne

„Sind etwa Konflikte das Thema, so können die Teilnehmer in verschiedene Rollen schlüpfen, um die Lösungen oder die unterschiedlichen Rollen zu erleben“, sagt Zwickl. Die Angst vor der Bühne sei dabei anfangs oft groß. „Ist diese einmal besiegt, so wollen viele gar nicht mehr runter“, so Zwickl.

Einen nicht alltäglichen Zugang verfolgt der Kommunikationstrainer, systemische Businesscoach und Keynote-Speaker Gregor Fauma. Der studierte Verhaltensbiologe arbeitet mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und hat in seiner 15-jährigen Tätigkeit Führungskräfte, Funktionäre und Politiker auf TV-Auftritte, Vorträge und Präsentationen vorbereitet. Er schreibt sich dabei gern die Rolle des „evolutionären Kopiloten“ zu. „Viele Abläufe und Mechanismen können evolutionsbiologisch hergeleitet und erklärt werden“, sagt er. Zentrale Themen in Faumas Trainings sind daher Körpersprache, Verhalten in Hierarchien, Führungsanspruch, Unterordnung sowie Kooperationsbereitschaft. Besonderen Wert legt er darauf, mit seinen Kunden auf Augenhöhe zu kommunizieren und „Erkenntnisse zu schaffen, statt bloß Aufmerksamkeit zu gewinnen“. Dies sei auch die Basis dafür, um seine Verhaltensweisen zu ändern. „Aus der Erkenntnis heraus kann man unheimlich viel lernen“, so Fauma. Diesen Ansatz verfolgt er auch in seinem kürzlich erschienenen Buch, „Unter Affen – warum das Büro ein Dschungel ist“, in dem die Auswirkungen der Evolution im Büroalltag beleuchtet werden.

Um Rangordnungen geht es unter anderem auch bei den Workshops, die die Profilerin Patricia Staniek, CEO Int. Consulting & Profiling, anbietet. Diese finden im Wolfsgehege des Wolf Science Center Ernstbrunn statt. Die Idee: Wölfe haben ein klar strukturiertes Sozialverhalten und reagieren sensibel auf verbale und nonverbale Kommunikation.

Umgang mit Rangdynamik

Die Teilnehmer der „Wolf Experience“, die Staniek gemeinsam mit dem Leiter des Wolf Science Center, Kurt Kotrschal, umgesetzt hat, können daher von den Tieren ein klares Feedback zu ihrer Außenwirkung bekommen – die dann gegebenenfalls korrigiert werden kann. Zudem sollen Manager durch das Seminar lernen, mit Gruppen- und Rangdynamiken sowie mit verschiedenen sozialen Strukturen besser umzugehen.


[ND721]

(Print-Ausgabe, 11.03.2017)

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