Auslandsstudium: „Wenig nationales Interesse“

Wer statt eines Semesters gleich das gesamte Studium im Ausland absolvieren will, findet auf der Suche nach Stipendien vor allem internationale Förderungen.

Immer mehr Österreicher absolvieren das gesamte Studium im Ausland.
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Immer mehr Österreicher absolvieren das gesamte Studium im Ausland.
Immer mehr Österreicher absolvieren das gesamte Studium im Ausland. – (c) imago/Rainer Unkel (imago stock&people)

Immer mehr österreichische Studierende haben die Absicht, nicht nur ein Austauschsemester, sondern ein ganzes Studium im Ausland zu absolvieren. Das will finanziert werden. Bezüglich Stipendien ist nicht unwesentlich, ob man sich für eine Hochschule innerhalb oder außerhalb Europas entscheidet. Im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und der Schweiz gibt es das staatlich finanzierte Mobilitätsstipendium (MOS). Im Studienjahr 2010/11 wurden 1320 MOS-Anträge gestellt, im vergangenen Studienjahr waren es bereits 1792. Spitzenreiter der Zielländer waren Deutschland (641) vor Großbritannien (131) und der Schweiz (88). „Die meisten Bezieher streben einen Bachelorabschluss an“, weiß Irene Bachofner, Leiterin der Stipendienstelle Wien. Bei den belegten Fächern dominieren sozialwissenschaftliche Studien. „Das Mobilitätsstipendium darf nicht mit der Beihilfe für ein Auslandsstudium verwechselt werden“, betont Bachofner. Letztere gibt es für Studienbeihilfebezieher bei einem Auslandsaufenthalt im Rahmen eines Studiums in Österreich. Wer nicht an einer, sondern gleich an zwei ausländischen Unis studiert, hat es eventuell sogar leichter.

Doppelabschluss bevorzugt

Der Österreichische Austauschdienst (OeAD) beurteilt die EU-Förderungen im Rahmen der Erasmus Mundus Joint Master Degrees als vorbildlich. Es gilt für Masterstudien jedes Fachs. Die Teilnehmer müssen in zwei oder mehr europäischen Ländern studieren und haben danach einen Doppel- oder gemeinsamen Abschluss.

Insgesamt ist Stefan Zotti, Geschäftsführer des OeAD, dennoch kritisch. „Versuche der EU, für Masterstudien gestützte Studentenkredite anzubieten, sind bisher kaum auf fruchtbaren Boden gefallen.“ Zotti meint, dass nationale Regierungen wenig Interesse an einem gesamten Studium in Ausland haben und daher Förderprogramme im Regelfall auf Mobilität im Rahmen eines Studiums an einer heimischen Hochschule abzielen.

Der OeAD selbst administriert einige Outgoing-Stipendienprogramme wie das Monbukagakusho-Stipendium für Postgraduates und Masterstudien an japanischen Unis. Fördergeber ist das japanische Bildungsministerium. Das Andrássy-Stipendium des BMWFW fördert Jus-Studenten, die ein Masterstudium an der deutschsprachigen Andrássy-Universität in Budapest absolvieren.

Immer mehr Studierende zieht es über den großen Teich. Im Studienjahr 2015/16 haben mehr als 1100 Österreicher an US-Unis studiert. Aus Mitteln des BMWFW wird das Fulbright Austrian Student Program für Masterabschlüsse finanziert. Viele Interessenten haben aber nur einen Bruchteil der 1600 infrage kommenden Hochschulen auf dem Radar.

USA: Optionen oft übersehen

„Eine Aufgabe von Fulbright Austria ist, Studierende mit der US-Universitätslandschaft, die sehr pluralistisch ausgelegt ist, vertraut zu machen“, sagt Martina Laffer, Fulbright-Programmkoordinatorin. Fulbright Austria und seine Partnerinstitution in den USA arbeiten intensiv mit den Kandidaten bei Uni-Auswahl und Bewerbung zusammen. Molly Roza, Education USA Advisor bei Fulbright, bedauert, dass es in Österreich kaum Stipendien für Bachelorstudien in den USA gibt. „Die amerikanischen Unis bieten eine Vielzahl solcher Stipendien.“ Auf der Fulbright-Website finde sich ein Überblick über die Studien- und Fördermöglichkeiten. Viele US-Universitäten haben zusätzliche Unterstützung für Fulbright-Studenten oder erlassen die Studiengebühren.

Web: www.stipendium.at, www.fulbright.at, https://eu.daad.de, www.oead.at


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(Print-Ausgabe, 25.03.2017)

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