Kampf den Schachtelsätzen

Nicht jedem fällt es leicht, sich schriftlich klar und verständlich auszudrücken. Spezielle Kurse vermitteln Grundregeln und geben so Sicherheit.

Viele plagen sich im Beruf beim Verfassen von Texten. Schreibkurse versprechen Abhilfe.
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Viele plagen sich im Beruf beim Verfassen von Texten. Schreibkurse versprechen Abhilfe.
Viele plagen sich im Beruf beim Verfassen von Texten. Schreibkurse versprechen Abhilfe. – (c) imago/imagebroker (imageBROKER/Nathalie Lieckfeld)

Der Webauftritt des Unternehmens, eine Pressemeldung über ein neues Produkt oder schlicht ein E-Mail an Kunden oder Geschäftspartner – Texte zu verfassen gehört für viele zum beruflichen Alltag. Dennoch haben die wenigsten diese Kunst eigens gelernt. Und nicht alle sind Naturtalente. „Viele denken nur daran, was sie sagen wollen, und nicht an die Leser“, nennt Huberta Weigl, die in Rahmen ihrer Schreibwerkstatt diverse Kurse anbietet, einen der Kardinalfehler. Dafür brauche es eine gewisse Empathie, sich in das Visavis hineinzuversetzen. „Die Texte müssten auf den Empfänger abgestimmt werden. Dazu muss man etwa dessen Vorwissen im Auge haben und welchen Nutzen der Texte für ihn haben soll“, erklärt die Expertin. Um dies zu lernen, bietet Weigl eintägige Kurse sowohl für Einzelpersonen als auch für Unternehmen an. Dort werden Textproben – entweder die des Kunden oder spezielle Mustertexte – gemeinsam analysiert, etwa auf sehr lange oder verschachtelte Sätze oder unnötige Passivkonstruktionen. „Man darf nicht erwarten, nach einem kurzen Kurs schon perfekte Texte schreiben zu können“, räumt Weigl ein. Was aber erreicht werde, sei eine gewisse Sensibilisierung, die es den Teilnehmern ermöglicht, ihre eigenen Texte kritisch zu betrachten und entsprechend zu überarbeiten.

Auch Judith Wolfsberger vom Writer's Studio betont, dass die erste Fassung nicht perfekt sein muss. Das Schreiben sei ein Handwerk, zu dem Übung gehört. Ziel sei es vielmehr, dass man mit dem Endprodukt zufrieden sei und es seinen Zweck erfüllt. Ihr Institut bietet einen einjährigen Kurs mit zwei Halbtagen pro Woche an, dessen Module auch einzeln belegt werden können. (Open House am 20. September)

 

Nicht mit Texten quälen

Für Wolfsberger ist wichtig, dass nicht nur der Text gut, sondern auch der Schreibprozess angenehm und effizient ist. „Es soll sich niemand beim Schreiben quälen.“ Nicht gut schreiben zu können sei immer noch ein Tabuthema. Neben handwerklichen Kriterien liegt der Fokus des Kurses daher weniger auf dem Produkt, sondern auf dem Prozess. Eine Herangehensweise, die im anglo-amerikanischen Raum, wo Schreibtrainings schon länger etabliert sind, üblich sei.

Ein breites Angebot an Schreibkursen findet sich auch beim Wifi. Die Titel der einzelnen Kurse variieren je nach Landesorganisation. An jeweils zwei Halbtagen wird etwa in „Effizienter Schreiben (Wien) oder „Punktgenau schreiben – zielsicher formulieren“ (Steiermark) gelehrt, wie man Texte im beruflichen Umfeld verfasst, wobei der Fokus auf inhaltlicher Verständlichkeit und zeitgemäßem Stil liegt. Daneben bieten die Landesorganisationen auch diverse Spezialkurse mit Schwerpunkten für Blogger, Marketing, Social Media etc. an. Auch „Achtsames Schreiben“ wird vom Wifi Wien gelehrt.

Zielgruppe sind abgesehen von den Spezialkursen alle, die beruflich schreiben. Das gilt auch für die Angebote des Writer's Studio und der Schreibwerkstatt (hier gibt es ein gleichnamiges Institut, das literarisches Schreiben lehrt).

Wie Wolfsberger erklärt, ist der Bedarf an einschlägigen Kursen stark gestiegen, da heute immer mehr Menschen im Beruf damit konfrontiert sind, Texte zu schreiben. Selbstständige, die sich nun selbst vermarkten müssen, zählen ebenso zu ihrer typischen Klientel wie Angestellte in kleinen Unternehmen, die als „Mädchen für alles“ entsprechende Agenden übernehmen müssen. Neben der Gruppe, die „muss“, also durch ihre aktuellen Aufgaben dazu gebracht wird, einen einschlägigen Kurs zu belegen, gebe es auch jene, die mit Schreibkompetenz ihr berufliches Profil abrunden und ihre Jobaussichten verbessern wollen, berichtet Wolfsberger.

Was das Berufsleben angeht, so sei auch die Rechtschreibung ein wichtiger Punkt, ergänzt Weigl. Oft werde von der Rechtschreib- auf die fachliche Kompetenz geschlossen. Rechtsreibtraining sei aber wieder eine ganz andere Schiene, die von klassischen Schreibtrainings in der Regel nicht abdeckt wird.

Wofür sich die Schreibkurse sehr wohl eignen, ist das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten. „Auch Wissenschaft muss nicht sprachlich kompliziert sein“, sagt Weigl. Ihrer Erfahrung nach tendieren Wissenschaftler und Juristen dazu, besonders komplexe Texte zu verfassen. „Wissenschaftler reflektieren ihren Schreibstil nicht“, sagt Weigl. Zudem würden Anfänger den Stil der Fachlektüre imitieren. Weigl bietet auf Facebook ab Herbst Trainings für Studenten an.

Web: www.schreibwerkstatt.co.at

www.writersstudio.at

www.wifi.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2017)

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