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Technische Kommunikation: Auf „Play“ drücken!

14.05.2010 | 18:26 |  von Erika Pichler (Die Presse)

Professionelle Verfasser von gut lesbaren Gebrauchsanleitungen, Handbüchern oder Online-Instruktionen werden als technische Redakteure bezeichnet – und sind zusehends gefragt.

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Wer beim Durchlesen der deutschen Gebrauchsanweisung für einen neuen DVD-Player nur Spanisch versteht, ist selten dumm – sondern Opfer eines falschen Sparkurses, der auf die technische Redaktion verzichtet. Und damit auf die Kunst der korrekten Übersetzung technischer Details und Prozesse in eine allgemein verständliche Sprache samt Sinnzusammenhang. Schließlich soll in keinem Handbuch nach seitenlanger Feature-Programmierung die entscheidende Info fehlen: jetzt auf „Play“ drücken.

 

Aha-Erlebnis

Das erwarten nicht nur Konsumenten, sondern dies geben auch vermehrt Sicherheitsrichtlinien und Normen vor, die einzuhalten für den Betrieb rechtlich wichtig sind. Speziell in großen Unternehmen gibt es zusehends Abteilungen für technische Dokumentation oder freiberufliche technische Redakteure, die als Schaltstelle mit vielen Unternehmensbereichen zusammenarbeiten.

„Technische Redakteure müssen natürlich kommunikativ sein“, sagt Curt Schmidt, Unternehmensberater mit Schwerpunkt „Technische Dokumentation“ und Lehrgangsleiter eines gleichnamigen zweisemestrigen Wifi-Kurses. Daneben müssen sie auch über normative Anforderungen wie etwa die CE-Kennzeichnung Bescheid wissen. Und: schreiben können. Für Betriebe, in denen das Erstellen von Dokumentationen oder Handbüchern traditionell Marketingmitarbeitern oder Konstrukteuren zugeschanzt wird, sei es oft „ein Aha-Erlebnis, wenn ein technischer Redakteur wirklich zielgruppengerecht und richtig, aber auch gut strukturiert schreibt“. Und sie sollten ihre Qualifikation auch durch Titel oder Zertifikat nachweisen können. Das auch in Österreich branchenübliche Zertifikat wird von der deutschen tekom e. V. nach ISO-Norm-Anforderungen vergeben, heimische Weiterbildungsanbieter wie Wifi fungieren dabei als Vermittler. Tekom ist eine Art Berufsvereinigung der technischen Redakteure in Deutschland mit angeschlossener Weiterbildungsakademie und Zertifizierungsstelle – und wird auch als Jobbörse geschätzt.

 

Notwendige Zertifkate

„In Österreich sind Ausschreibungen noch nicht so gängig. Hier ist das Berufsbild des technischen Redakteurs noch weniger verankert“, so Nikolai Neumayer, Leiter des Universitätslehrganges „Technische Kommunikation MSc“ der Donau-Universität Krems. „Aber die tekom bittet uns immer wieder, deutsche Stelleninserate weiterzuleiten. Denn bei uns erwerben die Teilnehmer schließlich einen akademischen Grad.“ Das viersemestrige berufsbegleitende Studium besteht zu einem großen Teil aus ortsunabhängigen, online betreuten Telekursen. Da er in Kooperation mit einer deutschen Ausbildungsinstitution (tecteam – Bildungsinstitut für Technische Kommunikation GmbH) durchgeführt wird, findet allerdings ein Großteil der 30 Präsenzseminartage in Dortmund statt.

In Deutschland existieren zahlreiche FH-Studien für technische Kommunikation, die vor allem jüngere Leute auf den Berufseinstieg vorbereiten. Das Masterstudium an der Donau-Universität stellt daher eine Ergänzung für jene dar, die bereits über Berufserfahrung verfügen oder eine Leitungsfunktion in technischer Dokumentation innehaben (technische Redakteure, Technikautoren, Ingenieure, Informatiker, aber auch Fachübersetzer, Programmierer, Lehrer, Grafiker, Illustratoren) und ihre Position durch eine akademische Ausbildung festigen möchten. „Sie bringen ihre berufliche Praxis ein und bekommen dazu die nötige Theorie. Durch die Master These, die auf den eigenen Betrieb angewendet werden kann, erfolgt wieder der Transfer von der Theorie zur Praxis“, so Neumayer.

 

Nische für Wiedereinstieg

In Österreich gibt es bisher nur ein FH-Studium für angehende technische Redakteure, nämlich den Studiengang „Produktdesign und Technische Kommunikation“ der FH Oberösterreich in Wels. In dem sechssemestrigen Studium, das mit dem Bachelorgrad abschließt, werden Wiedereinsteigerinnen prioritär aufgenommen. Der Unterricht findet, obwohl es sich um einen berufsbegleitenden Studiengang handelt, überwiegend vormittags statt. „Es handelt sich um eine besondere Form der Berufsbegleitung, wobei wir bei ‘Beruf‘ an Kinderbetreuung gedacht haben, die vormittags am besten zu delegieren ist“, sagt Studiengangsleiterin Christiane Takacs. Man arbeitet seit 2008 eng mit dem AMS Oberösterreich zusammen, das die Studentinnen im Rahmen des Ausbildungsschwerpunktes „Frauen in die Technik“ unterstützt. Derzeit ist gerade das Aufnahmeverfahren im Gange – ein sechswöchiges Assessment, bei dem es neben Fragen der Orientierung auch um die Vorbereitung auf die technischen Fächer geht.

Männer seien vom Studium natürlich nicht ausgeschlossen, sagt Takacs. Doch hoffe man, gerade mit der Ausbildung zu einem Berufsbild mit Kommunikationsfähigkeit, in dem noch dazu Experten gesucht werden, vermehrt Frauen anzusprechen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2010)

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