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Studie: Jeder soll selbst für seine Bildung sorgen

08.06.2010 | 10:25 |  (DiePresse.com)

Über drei Viertel der Österreicher glauben, dass jeder selbst für Weiterbildung verantwortlich ist. Für 73 Prozent ist Bildung sogar ein wichtigen Faktor für die Lebensqualität.

Bildung hat offenbar für Österreicher einen besonderen Wert. Dies mag alle überraschen, die Diskussionen um Schulen und Universitäten verfolgt, denn Studenten und Lehrer ziehen immer wieder den Volkszorn auf sich. Doch Österreicher halten Bildung für eine unverzichtbare Voraussetzung für Wachstum und Wohlstandsentwicklung und legen hier vor allem Wert auf die informelle Bildung - also eigenaktives Lernen abseits von Institutionen wie der Schule. 73 Prozent der Bürger nennen Bildung sogar als wichtigen Faktor für Lebensqualität.

34 Prozent der Österreicher glauben, in Zukunft wird wenigstens eine Weiterbildung pro Jahr selbstverständlich sein, wie die Studie belegt. Jeder fünfte Österreicher ist überzeugt davon, dass in Zukunft informelle Bildung wichtiger sein wird als formale Bildung. Ungewohnt liberal geben sich 66 Prozent: Sie sind der Meinung, dass jeder selber für seine Qualifikation sorgen müsse, weshalb man in Zukunft neben der Arbeit selber Kurse besuchen sollte, um sich fortzubilden. Über drei Viertel (77 Prozent) sind der Meinung, dass jeder selbst für die eigene Weiterbildung verantwortlich sei, erläuterte Ulrich Reinhardt von der deutschen Stiftung für Zukunftsfragen. Interessant ist auch, dass 31 Prozent der Meinung sind, Weiterbildung müsse in Zukunft vor allem in der Freizeit stattfinden.

Neue Bildungseinrichtungen gefordert

Außerdem haben laut Studie über die Hälfte der Österreicher (52 Prozent) schon einmal für eine Weiterbildung selbst Geld aufgewendet. 85 Prozent der Bürger sind der Meinung, dass lebenslanges Lernen nicht nur etwas mit Beruf und Betrieb zu tun habe, sagte er deutsche Bildungsexperte. 63 Prozent der Österreicher sagen: "Wir brauchen ganz neue Bildungseinrichtungen, die unabhängig von der Arbeit sind und uns ein Leben lang begleiten und bei der Weiterqualifikation beraten." Die Studie wurde durchgeführt von der gemeinnützigen Stiftung für Zukunftsfragen - einer Initiative von British American Tobacco, die seit über 30 Jahren die zukünftigen gesellschaftlichen Herausforderungen untersucht.

Nach Meinung von Reinhardt zahlten sich Investitionen in verschiedenste Formen der Bildung doppelt aus: Sie machen die Bürger und die Gesellschaft zukunftsfähig. In der Bildungspolitik brauche Österreich einen positiven Paradigmenwechsel von der traditionellen (Berufsaus-)Bildung, die fast nur den Qualifikationsbedarf für den Arbeitsmarkt im Blick hatte, "zu einer weiterführenden lebensbegleitenden Bildung, die Menschen befähigt, ein Leben lang den sozialen Wandel der Gesellschaft aktiv zu gestalten und nicht nur passiv auszuhalten", so der deutsche Experte.

Bildung sei in Zukunft immer mehr auf Freiwilligkeit angewiesen und könne nicht mehr nur verordnet oder gar erzwungen werden. Neben der formellen Bildung in Institutionen "erhält die informelle Bildung - eine jahrzehntelang in der Bildungswissenschaft vernachlässigte Grundform menschlichen Lernens - immer mehr Bedeutung", meinte der Bildungsexperte.


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