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Flugstudium: Hauptberuflich abheben

03.09.2010 | 17:35 |  von Gabriele Rabl (Die Presse)

Was treibt Quereinsteiger, die neben oder nach dem Erstjob den Pilotenschein anstreben? Drei Beispiele, wie es funktionieren kann und worauf es dabei ankommt.

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Ready for take off - auf ins Abenteuer Fliegerei! Auch wenn Fluggesellschaften immer wieder wirtschaftlich in arge Turbulenzen geraten, so tut dies dem Traumjob Pilot scheinbar keinen Abbruch.

Markus Zarzer jedenfalls sieht optimistisch in seine fliegerische Zukunft. Nach seinem Studium an der FH Joanneum Graz in „Luftfahrt“ mit Vertiefung für Wirtschaftsingenieure, und fünf Berufsjahren am Boden zog es ihn dann unwiderstehlich ins Cockpit. „Ich wollte schon immer den Linienpilotenschein machen. Anfang 2009 war für mich der richtige Zeitpunkt gekommen“, erzählt der 25-Jährige. Im Frühjahr kommenden Jahres wird Zarzer die berufsbegleitende Ausbildung abschließen, derweil kümmert er sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Firma Jetalliance FlightTraining in Kottingbrunn.

Hohe Kosten

Schließlich ist der Erwerb des Pilotenscheines nicht nur mit zeitlichem, sondern auch finanziellem Ressourcenaufwand verbunden. Zwischen 60.000 und 70.000 Euro muss man jedenfalls für die Lizenz zum Verkehrspiloten (ATPL) kalkulieren. Dass nur ein paar Gehaltszettel notwendig seien, um die hohen Ausbildungskosten sozusagen im Flug wieder hereinzubekommen, davon träumt heute niemand mehr. Co-Piloten starten etwa mit einem Jahresgehalt von 50.000 brutto durch. Kapitäne verdienen in etwa das Doppelte.

Vor zwanzig Jahren etwa begann die Karriere von Jungpiloten mit einem Ausbildungsplatz bei einer Fluggesellschaft. Diese übernahm die Kosten der Ausbildung und hielt danach ein fixes Jobangebot parat. Das ist heutzutage eher die Ausnahme als die Regel. Lediglich das Bundesheer bietet diese Variante gegen eine zeitliche Verpflichtung an: Nach der dreijährigen Ausbildung müssen die Militärpiloten dem Bundesheer weitere acht Jahre treu bleiben. Wer vorzeitig aussteigt, muss etwa 200.000 Euro der Ausbildungskosten rückerstatten.

Trotz der Wirtschaftskrise habe das Ausbildungszentrum JetAlliance in den vergangen zwei Jahren alle ihre 30 bis 40 Absolventen, die pro Jahr den Linienpilotenschein absolvierten, unterbringen können. Ohne Flexibilität in Sachen Zeitmanagement und Wohnort seitens der Jungpiloten sei ein prompter Jobeinstieg allerdings kaum möglich. Dessen ist sich auch Isabella Herl, Kundenbetreuerin beim Anbieter Sky Flight Academy in Krems, sicher. Die 35-Jährige wird ebenso im nächsten Jahr ihre Ausbildung zur Linienflugpilotin beenden. Vor drei Jahren hängte sie ihren kaufmännischen Beruf an den Nagel und erfüllte sich ihren Kindheitstraum, denn „Prinzessin wollte ich ohnehin nie werden.“ Um die notwendige Erfahrung als Berufspilotin zu sammeln, würde sie auch für einige Zeit im Ausland tätig sein.

 

Harte Ausbildung

Die Ausbildung jedenfalls nimmt momentan ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch: „Im Vergleich zur Matura ist diese Ausbildung sicher dreimal so schwer“, stellt Herl fest. Technisches Wissen und Verständnis besonders in Mathematik und Physik sowie gute Englischkenntnisse setzt man voraus, damit die Flugschüler der Theorie folgen können. Manche Flugschulen machen daher Aufnahmetests. Bei Sky Flight sieht man davon ab. Wer allerdings in der Ausbildung offensichtlich hinterherhinkt, dem lege man nahe, doch nur den Privatpilotenschein zu machen und nicht beruflich ins Cockpit zu steigen.

Neben den theoretischen Stunden bedeuten die praktischen Flugstunden einen hohen Zeitaufwand: „Für einen eineinhalbstündigen Flug benötige ich mindestens zwei Stunden Vorbereitungszeit“, berichtet Herl.

Wer den Linienpilotenschein dann nach 18 bis 24 Monaten in Händen hält, hat gelernt zu navigieren, kennt sich mit der Funksprache aus, schafft Instrumenten- wie Sichtflüge. Der nächste Schritt ist meist, eine Bewerbung als Co-Pilot bei einer Airline, wo man dann auf einen bestimmten Flugzeugtyp geschult wird, „denn mit der Berufs- beziehungsweise Linienpilotenlizenz erlernt man die Grundtechniken der beruflichen Fliegerei. Man erwirbt keinen Führerschein, der befähigt, mit allen Flugzeugen zu fliegen“, erläutert Herl das System.

Wolf Dietrich Tesar bevorzugte ohnedies Rotorblätter an Fluggeräten, musste aber ebenso zu Beginn seiner Laufbahn beim Bundesheer mit einem Leichtflächenflugzeug vorliebnehmen, um das Fliegen zu erlernen. „Diese Flugzeuge sind einfacher zu fliegen, da man nur einen Hebel zum Manövrieren benötigt. Beim Helikopter stehen drei Steuergabeln zur Verfügung, dabei kommen Hände wie Füße zum Einsatz“, erklärt Tesar, Helikopter-Referent im Österreichischen Aeroclub. Jet-Piloten müssten aufgrund der hohen Geschwindigkeit über ein gutes Reaktionsvermögen verfügen. Hubschrauberpiloten sollten hingegen das Schweben bei starkem Seitenwind beherrschen und ein besonderes Verständnis für Wetterbedingungen aufbringen.

 

Hohe Ziele

Wer eine Zusatzausbildung zum Hubschrauberpiloten macht, hat allerdings erst den halben Weg zum Traumjob absolviert: Um in das Team einer Hubschrauberfirma zu kommen, müsste man in Österreich bis zu 2000 Flugstunden vorweisen können. Um diese zu erwerben, ziehe es viele ins Ausland, wo sie etwa bei Foto-Flügen die notwendigen Stunden sammeln.

Tesar, der selbst 33 Jahre beim Bundesheer Hubschrauber flog, rät aber zur besonnenen Verwirklichung dieses Berufstraums: „Der Bedarf an Hubschrauberpiloten ist in Österreich relativ gesättigt. Nur wenn es finanziell machbar ist, würde ich einen geplanten Einstieg in die Berufsfliegerei empfehlen.“ Wer allerdings einmal der Passion Fliegerei erlegen sei, der könne ohnehin nicht mehr aufhören.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.09.2010)

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