Die einen haben die Jahrhundertidee und sehen sich im Dagobert Duck'schen Geldbad schwimmen. Die anderen erfüllen sich mit dem Schritt in die Selbstständigkeit einen lang gehegten Traum. Wie auch immer: Der zündende Funke und die fachliche Kompetenz allein entscheiden nicht, ob man auch ökonomisch erfolgreich sein wird - eine Unternehmensgründung will gut geplant sein. Erste Orientierung bieten beispielsweise die Wirtschaftskammer Wien mit einem mehrstündigen Workshop oder das Berufsförderungsinstitut (bfi) mit dem Abendvortrag „Erste Schritte in die Selbstständigkeit".
Von Buchhaltung bis Zeitmanagement
An den Themenbereichen Steuern, Sozialversicherung, Gewerbeordnung führt für angehende Kleinstunternehmer kein Weg vorbei. „Umsatz ist nicht gleich Gewinn: Das muss man wissen", wird im Gründerservice der Wirtschaftskammer betont. „Der BFI-Kurs Betriebswirtschaftiches Grundmodul und, vertiefender, der Erwerb der European Business Competence License, helfen, Betriebsvorgänge zu verstehen", sagt Gerald Fitzinger, Geschäftsführer der Edutop OG und Vortragender am BFI Wien.
„Ein Grundverständnis für das Rechnungswesen ist wichtig. Es erleichtert die Kommunikation mit dem Steuerberater und hilft, dessen Honorare im Rahmen zu halten", so der Steuer- und Unternehmensberater Dieter Schneider, Lehrbeauftragter an der Wirtschaftsuniverstität Wien (WU). Er ist auch Vortragender an der Akademie für Recht, Steuern und Wirtschaft (ARS). In drei Tagen kann man dort eine „Einführung in die Buchhaltung" erhalten, bei der mit Echtbelegen aus der Praxis gebucht wird.
Die Akademie für Kleinstunternehmer des Wifi Wien richtet sich speziell an Frauen. „Teilnehmerinnen lernen alle Aspekte ihrer zukünftigen Rolle kennen. Neben Businessplan, Marketing, Kooperationen, Kundengewinnung und -bindung sowie Networking stehen Zeit- und Selbstmanagement auf dem Programm", beschreibt Gabriele Kolibal, Leuterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung am Wifi Wien.
Der richtige Auftritt im Netz und vor Ort
Das Medium Internet bietet kleinen Start-ups heute einen sofortigen Zutritt zum Markt. Onlinemarketing, auch über Social Media, kann zu rascher Bekanntheit verhelfen. Doch die neuen Medien erfordern Wissen um deren Regeln und Funktionsweisen. „Da speziell in der Start-up-Phase die vorhandenen Ressourcen möglichst effizient genutzt werden müssen, sollte der Webauftritt von einer erfahrenen Medienagentur gestaltet werden", rät BFI-Trainer Roman-Alexander Fochler von Online Marketing Communications. Und: „Die Inhalte müssen stets aktuell sein." Das BFI bietet hier unter anderem berufsbegleitende Fortbildungen zu Onlineredaktion, Onlinemarketing und Social-Media-Marketing im Web 2.0.
Wer auch Waren direkt über das Internet verkaufen möchte, sollte sich mit dem Thema E-Commerce gründlich auseinandersetzen. „Denn viele haben bei der Umsetzung der rechtlichen Informationspflichten zu kämpfen", berichtet Alois Frank, Leiter der Wifi Wien Unternehmensberatung. Betriebe können am Wifi daher einen Webshop-Check in Anspruch nehmen - die Kosten dafür übernimmt zur Gänze die Wirtschaftskammer Wien. In Sachen IT-Sicherheit bietet das Wifi ebenfalls Beratungen an.
Wer ein Geschäft betreibt, das nur von Laufkundschaft lebt, muss nicht unbedingt mit eigener Homepage im Netz vertreten sein. Wichtig sei nur, über das Internet gefunden zu werden, so ein Tipp vom Gründerservice. Man sollte also darauf achten, auf den Gelben Seiten des Herold oder über einen Einkaufsstraßenverein gelistet zu sein.
Geldhahn und Startschuss
Die Basis jeden Unternehmens bildet allerdings die ausreichende Finanzierung. Die Erste Bank beispielsweise hat dazu vor zehn Jahren das GründerCenter ins Leben gerufen. Hier geht es nicht nur darum, einen Kredit zu bekommen. „Unser Angebot ist, mit den Gründern die Konzepte durchzubesprechen, Tipps zu geben und die Nutzung unseres Netzwerks anzubieten", erklärt Roland Gehbauer, Leiter des GründerCenters für Wien und das Burgenland. Hier wird auch über Fördermöglichkeiten informiert - und Gründer werden in einem mehrtägigen Seminar auf die Selbstständigkeit vorbereitet.
Wie lange die jeweilige Vorbereitung dauert, hängt von der Art des Unternehmens ab. „Wer nur einen Laptop braucht und von zu Hause arbeiten kann, ist vielleicht schon in einer Woche startklar. Wer einen Gastronomiebetrieb eröffnet, wird eine längere Vorlaufzeit haben", heißt es im Gründerservice der Wirtschaftskammer.
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