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Fremdsprachen: Hello teacher, do you speak „Bili“?

04.11.2011 | 18:38 |  von Silvia Schlereth (Die Presse)

Mehrsprachigkeit wird in Österreich zunehmend gefördert. Wie sieht das Angebot in den diversen Sparten aus?

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Von ersten Französischvokabeln beim Memory-Spiel im Kindergarten und später die Möglichkeit zur Geschichtematura in Englisch bis zum bilingualen Studium: „In Österreich wird Spracherwerb und -training auf nahezu allen Ausbildungsebenen gefördert“, erzählt Gunther Abuja, Vorsitzender des Österreichischen Sprachen-Kompetenz-Zentrums. Der Trend zu bilingualen Ausbildungswegen steigt.

 

Fit für „Bili“-Unterricht

„Was die sprachliche Ausbildung an Schulen betrifft“, so Abuja, „kann man in Österreich mit Stolz sagen, dass es praktisch in jeder Schule auf Initiative von Lehrern möglich ist, einen bilingualen Unterricht – und sei es auch nur phasenweise – anzubieten.“ Von dieser Möglichkeit machen bereits viele Gebrauch. Denn die Nachfrage seitens der Eltern und Schüler nach zweisprachigem Unterricht ist hoch. Bei der Ausbildung des bilingualen Lehrerpersonals gibt es bislang allerdings kein einheitliches Programm oder gesetzliche Vorgaben. Abuja ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass die Lehrer, die in zwei Fächern unterrichten dürfen, sowohl die sprachliche Fachdidaktik als auch die Sachfachdidaktik beherrschen. Wenn beides zusammenspielt, kann man guten bilingualen Unterricht halten.“

Ausgewählte Pädagogische Hochschulen und Universitäten bieten dennoch spezifische Zertifikate und Fortbildungen an, um Lehrer auf den sogenannten „Bili-Unterricht“ vorzubereiten. Am Institut für Geographie der Universität Innsbruck zum Beispiel kann seit dem Wintersemester 2009/ 2010 die Ausbildung zum Zertifikat „Bilinguale Geografie und Wirtschaftskunde“ absolviert werden. Die Universität möchte damit Studierende und bereits im Beruf stehenden Lehrer beim Erwerb spezieller Qualifikationen unterstützen. „Die Ausbildung legt den Fokus auf Spracherwerb und sachrelevante Kompetenzen in der Fremdsprache“, erklärt Lars Keller, Professor für Geografie an der Uni Innsbruck und Mitinitiator des „Bilingualen Zertifikates“. „Es geht darum, sich wirtschaftskundliche Themen herauszunehmen und so aufzuarbeiten, dass auch aus sprachlicher Sicht ein sinnvoller Unterricht für unterschiedliche Altersgruppen gestaltet wird.“ Für die Weiterbildung und den Erfahrungsaustausch von Pädagogen in Sachen Sprachunterricht hat das Österreichische Sprachen-Kompetenz-Zentrum das Spracheninnovationsnetzwerk Spin eingerichtet. Hier finden Lehrer konkrete Impulse und Unterstützung bei der Umsetzung innovativer Sprachprojekte. Spin wurde 2010 mit dem Europäischen Sprachinnovationssiegel ausgezeichnet.

 

Spitzenreiter: Englisch

Bis heute bleibt die sprachliche Ausbildung von Akademikern an der Universität stark den philologischen Fachbereichen überlassen. An allen größeren Universitäten in Österreich wurden daher zum Ausgleich Sprachzentren eingerichtet, die zertifizierte und teils kostenpflichtige Sprachkurse nicht nur für Studenten anbieten. Bilingual aufgebaute Studiengänge finden sich, wenn überhaupt, in den sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern der großen Universitäten Wien, Graz, Linz, Klagenfurt und Innsbruck.

Überwiegend handelt es sich dabei um zweisprachige Masterprogramme, deren Kurse abwechselnd in englischer und deutscher Sprache geführt werden. Andere Fremdsprachen werden in diesen Programmen kaum geführt. Die Uni Wien bietet mit dem Master-Studiengang „Creole“ im Fach Social and Cultural Anthropology ein bilinguales und interkulturelles Projekt an, das mit sechs Universitäten in Europa durch Austauschprogramme kooperiert. An den österreichischen Fachhochschulen gehört eine lebende Fremdsprache in allen Fächern zum Pflichtprogramm.

Dabei dominiert Englisch, vor Spanisch oder Französisch. Die FHS Burgenland bietet die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Wirtschaftsstudiums fachlich und sprachlich auf den Raum Mittel-Ost-Europa zu spezifizieren. Zusammenfassend zeigt sich, dass es vor allem die privaten Hochschuleinrichtungen in Kufstein und Krems oder das Management Center Innsbruck sind, die sich in Sachen bilingualem Studienangebot hierzulande besonders hervorheben.

 

Sprachkompetenzen und Beruf

Auch im nichtakademischen, betrieblichen Umfeld sind Sprachqualifikationen immer mehr gefragt. Mitarbeiter, die Fremdsprachen beherrschen, sind für international tätige Unternehmen so wichtig wie noch nie: Die EU-weite ELAN-Studie aus dem Jahr 2007 hat gezeigt, dass mangelnde Fremdsprachenkenntnisse europäische Unternehmen jährlich Millionen kosten, da ein Großteil der europäischen Wirtschaft auf dem Export basiert.

Sprachliche Weiterbildung im Beruf findet laut einer Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (IBW), zu 80Prozent in externen Einrichtungen statt. Die gängigsten Anbieter von Sprachkursen in der Erwachsenenbildung Österreichs sind die Volkshochschulen (VHS), das Wirtschaftsförderungsinstitut der Wirtschaftskammer (Wifi) und das Berufsförderungsintitut (BFI). Allein an den VHS in Wien werden über 60 Fremdsprachenkurse angeboten.

Ein praxisorientiertes Programm in Sachen Sprachförderung bei Nichtakademikern bietet auch der Verein für Internationalen Fachkräfteaustausch (IFA). Pressesprecherin Sabine Hofstätter: „Wir ermöglichen jährlich rund 500 Fachrkäften, Lehrlingen und Schülern aus berufsbildenden Schulen ein Praktikum im Ausland. Weiters fördert IFA den Erfahrungsaustausch von Ausbildern im Ausland.“ Die Praktikumsplätze werden österreichweit für alle Berufssparten ausgeschrieben. „IFA organisiert die Reise und die Unterkunft, sucht einen geeigneten Praktikumsplatz, bietet einen begleitenden Sprachkurs an und stellt die notwendigen Fördermittel zur Verfügung“, so Hofstätter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.11.2011)

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1 Kommentare
Gast: Buusch
05.11.2011 20:38
2 1

Kinder von 4 und 6 erlernen eine zweite Sprache automatisch

. . . so könnte eine Armee von jungen Frauen, Pädagogen aus den verschiedensten Ländern Europa echt zweisprachig machen, während die Jungmänner die Friedenstruppe stellen.

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