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Nachhaltigkeit: Wandlungsfähigkeit braucht Wissen

02.12.2011 | 18:54 |  CHRISTIAN LENOBLE (Die Presse)

Von Umwelt bis Ethik: Weiterbildung, die sich intensiv mit einer "besseren" Welt auseinandersetzt.

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Man spricht wieder darüber: Vom 28.November bis 9.Dezember 2011 dreht sich in Durban, Südafrika, bei der Weltklimakonferenz alles um die Zukunft der Erde – und darum, mit welchen Maßnahmen eine negative Entwicklung verhindert oder vermindert werden kann. Fernab der Politik werden auch an den heimischen Hochschulen jene Experten ausgebildet, von denen man sich einen Beitrag für eine nachhaltige Zukunft erwarten darf. Das Angebot definiert Nachhaltigkeit dabei sowohl über den Faktor Umwelt als auch über den wirtschaftlichen Aspekt der Ethik, der die Frage nach der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen aufwirft.

 

Vom Konsumieren zum Produzieren

„Unser aktueller Lebensstandard basiert auf der Konsumation von Energie“, so Reinhard Haas, akademischer Direktor des Masterprogramms „Renewable Energy in Central and Eastern Europe“. Für ihn sind erneuerbare Energiequellen und eine effiziente Energienutzung der Grundstein, um die Wirtschaft in ein nachhaltiges System umzuwandeln. „Ziel unseres postgradualen Lehrgangs ist es daher, diesen Wandlungsprozess zu fördern“, so Haas. Der erste grenzüberschreitend geführte Masterlehrgang Österreichs ist eine Kooperation der Technischen Universität (TU) Wien mit dem Energiepark Bruck an der Leitha, der Westungarischen Universität in Mosonmagyaróvár und dem Energy Centre Bratislava. Er setzt sich mit dem Zukunftsthema der alternativen Energieproduktion auseinander und bearbeitet die Themengebiete „Technische Innovationen“, „Management nachhaltiger Energiesysteme“ sowie „EU-Erweiterung und rechtliche Grundlagen“. Vermittelt werden unter anderem ein technisches Basiswissen im Bereich der alternativen Energieproduktion, Kenntnisse aus dem Bereich der Unternehmensführung inklusive einer detaillierten Marktübersicht in Mittel- und Osteuropa und der europäische Rechts- und Richtlinienrahmen. „Mit diesem Studiengang erwerben die Teilnehmer das Wissen und die Fähigkeiten, um den Einsatz erneuerbarer Energien kompetent zu planen. Sie erfahren, wie Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energie wirtschaftlich und technisch sinnvoll zu betreiben und Nutzungsmöglichkeiten erneuerbarer Energie zu beurteilen sind“, so Haas.

Ebenfalls an der TU Wien sowie an der Diplomatischen Akademie Wien angesiedelt ist der Masterlehrgang „Environmental Technology & International Affairs“. Dessen Leiter Hans Puxbaum sieht den Schutz und nachhaltigen Gebrauch von Umweltressourcen als existenzielle Aufgabe in unserer Gesellschaft: „Damit ist die Nachfrage nach Verantwortlichen gestiegen, die über ein breites Wissen und Verständnis der politischen, juridischen, wirtschaftlichen und technischen Zusammenhänge verfügen.“ Der Ansatz des Masterlehrgangs ist daher interdisziplinär; Umweltfragen werden den Studierenden fächer- und themenübergreifend nähergebracht. Die technischen Schwerpunkte liegen bei Management von Luft- und Wasserreinhaltung, Ressourcenmanagement, Energie und Klima sowie nachhaltiger Entwicklung. Die internationalen Themen umfassen umweltrechtliche, umweltpolitische und ökonomische Fragestellungen.

 

Mit der Kraft von Sonne und Fassade

Wie Energie in Anlagen und Gebäuden umweltfreundlich verwendet und verteilt werden kann, ist der Fokus bei dem Masterstudiengang „Öko-Energietechnik“ an der Fachhochschule Oberösterreich auf dem Campus Wels. Inhaltlich dreht es sich vor allem um Solartechnik und Gebäudeoptimierung. Als Besonderheit im Vergleich zu thematisch ähnlichen Programmen ist laut Studiengangsleiter Peter Zeller die innovative Lehrform mit besonderer Betonung der Produkt- und Projektorientierung hervorzuheben: „Ein Drittel der Lehre, sprich 250 Stunden pro Semester, erfolgt auf Projektbasis. Unsere Studierenden arbeiten konkret an der Entwicklung von Produkten. Und zwar vom ersten bis zum vierten Semester. Also in einem Zeitraum, der adäquat zu den Entwicklungszeiten in der Industrie steht.“ Vom energieeffizienten Fenster bis hin zu energieoptimalen Raumordnungskonzepten ist ein breites Themenspektrum möglich.

„Andere Lehrgänge setzen oftmals in einem theoretischen und damit hypothetischen Raum an. Wir hingegen entwickeln während des Studiums all das, was von der Industrie konkret gebraucht wird“, so Zeller in Anspielung auf jene Leistungen, die von den Studierenden nicht nur für die lokale und heimische Wirtschaft erbracht werden. So wurden Programmteilnehmer kürzlich ausgewählt, um etwa in Savannah im US-Bundesstaat Georgia, eine Energieeffizienzstudie der örtlichen Regierungsgebäude zu erstellen.

 

Eine neue Art zu wirtschaften

Dass sich Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Umwelt sowie der Begriff Nachhaltigkeit nicht auf ökologische Aspekte beschränken, ist spätestens seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise der letzten Jahre ins Bewusstsein gerückt. Neue Modelle des Wirtschaftens sind auf breiter Ebene gefragt. Sie eröffnen neue Herausforderungen und Chancen für Führungskräfte, die neben qualifiziertem Wissen verstärkt soziale Kompetenz und Sensibilität miteinbringen – Kompetenzen, die der Masterlehrgang „Corporate Social Responsibility (CSR) und ethisches Management“ der Fachhochschule des bfi Wien zu vermitteln sucht. „Der Schwerpunkt liegt zunächst darauf, den Studierenden klarzumachen, dass CSR nichts mit Charity, Sponsorship oder ähnlichen Aktivitäten zu tun hat, sondern mit Managementstrategien für das Kerngeschäft“, sagt der wissenschaftliche Lehrgangsleiter Martin Neureiter.

Es gehe nicht um die Frage, was ein Unternehmen mit seinen Profiten anstellt, sondern darum, wie ein Unternehmen sein Geschäft macht. „CSR ist ein strategisches Managementinstrument, um ein Unternehmen für die Herausforderungen der Zukunft besser vorzubereiten. Wer es nicht tut, wird von den Entwicklungen der Gesellschaft, von den Erwartungen der Stakeholder und von den Zwängen der natürlichen Ressourcen überrollt werden“, so Neureiter zum Thema „Neues Wirtschaften“.

Die Berufsfelder der Absolventen seien weit gestreut, vom Nachhaltigkeitsmanager in einem Unternehmen zum CSR-Experten einer NGO bis hin zu einem Verantwortlichen im öffentlichen Bereich für gesellschaftliche Verantwortung.

Links zu den Masterlehrgängen

• „Renewable Energy in Central and Eastern Europe“: http://newenergy.tuwien.ac.at
• „Evironmental Technology & International Affairs“: www.etia.at
• „Öko-Energietechnik“: www.fh-ooe.at/campus-wels
• „CSR & ethisches Management“: www.fh-vie.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2011)

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