EU lobt Österreichs duale Lehrlingsausbildung

08.02.2012 | 12:34 |   (DiePresse.com)

Die EU-Bildungsminister beraten am Freitag in Brüssel über europäische Zusammenarbeit bei allgemeiner und beruflicher Bildung.

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Österreich wird von der EU für seine duale Lehrlingsausbildung - also Praxisorientierung und Schule - gelobt. Die EU-Bildungsminister beraten am Freitag in Brüssel vor allem über Möglichkeiten, wie man mit einer besseren europäischen Zusammenarbeit bei beruflicher und allgemeiner Bildung auch die Chancen für die Jugendlichen am Arbeitsmarkt verbessern kann. Evaluiert wird dabei ein Zwischenbericht, in dem die Fortschritte in einigen Bereichen einerseits als auch die Prioritätensetzung andererseits überprüft werden.

Die dänische EU-Ratspräsidentschaft geht in ihrem Bericht vor allem darauf ein, dass sich bestimmte Strukturen im Bildungssystem positiv auf eine verringerte Jugendarbeitslosigkeit auswirken. Dabei wird auch das duale System der Berufsausbildung angeführt. Gemeinsam mit Deutschland und dem Nicht-Euro-Land Schweiz wird Österreich hier lobend erwähnt.

Lob für NMS, Klassengröße, FH-Ausbau

Die europäische Zusammenarbeit im Bildungsbereich beschränkt sich allerdings auf Unterstützung seitens der EU. Der Bereich ist weiterhin nationale Angelegenheit der einzelnen Staaten, die EU bietet aber Foren an, um mit der offenen Methode der Koordinierung zu besseren Ergebnissen kommen zu können. Bei der "Europäischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung" ("ET 2020") kommt Österreich auch hinsichtlich seiner Initiativen für die Neue Mittelschule, kleinere Klassen, den Ausbau der Ganztagsschulen und Ausbildungsgarantien gut weg.

Im Hochschulbereich wird auch der Ausbau der Fachhochschul-Richtungen gewürdigt. Derzeit gibt es in Österreich 21 FHS mit rund 360 Studienrichtungen. Die Zahl der FHS-Studierenden hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Waren es im Wintersemester 2006 noch 28.400, wurden für das Wintersemester 2010 bereits 37.500 FHS-Studenten ausgewiesen. Derzeit dürfte die Zahl bei rund 40.000 liegen. Auch die Zahl der Studieren den an Österreichs Universitäten steigt zwar, aber mit rund zwei Prozent nicht so rasant.

Zahl früher Schulabbrecher senken

Ein weiteres Ziel der EU ist die Absenkung der Zahl der frühen Schulabbrecher. Das EU-Ziel für 2020 ist 10 Prozent. Das nationale österreichische Ziel liegt bei 9,5 Prozent, allerdings wurde dieser Wert mit zuletzt 8,3 Prozent bereits unterschritten. Im Vergleich der 27 EU-Länder liegen Tschechien und die Slowakei mit rund 5 Prozent Schulabbrecher am besten, Schlusslicht ist Malta mit geschätzten 30 Prozent. Österreich ist wegen der laufenden Sparpaket-Verhandlungen der Bundesregierung beim Rat nicht durch Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ), sondern auf Botschafterebene vertreten.

(APA)

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7 Kommentare

bei uns haben fertige gesellen in technischen berufen

eine weit bessere ausbildung als so mancher ostblock-ingenieur. vor allem eine bessere arbeitsmoral und bessere fachkenntnisse

Gast: yyy
08.02.2012 20:31
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Jugendarbeitslosigkeit

in DE in Wirklichkeit bei 17 % --- mehr Ungelernte als anderswo, nicht viel besser als andere

nur 23% der Firmen bilden aus -- 11% gewerbliche...

alles Statistiktricks -- ich lüg mir die Welt, wie sie mir gefällt. Und hausieren gehen sie immer mit ner niedrigen Quote von 9%

ich weiß das vom Verband deutscher Berufsschullehrer -- im Internet einfach mal googlen. Steht auch in dem Buch von Rothe -- Lissabon 2000 und die duale Ausbildung

wieviel haben sie schon wieder nach brüssel überwiesen

dass die nms gut weg kommt.

"Duales Ausbildungssystem schafft Arbeitslosigkeit im Alter"

so ähnlich lauten Schlagzeilen in einigen deutschen Medien.

Warum sollte das so sein?

Es wird angenommen, dass mit diesem Ausbildungssystem Spezialistentum gefördert wird.

Unflexible Spezialisten können sich in einer rasch ändernden Welt schnell in einer Sackgasse wiederfinden.

Antworten Gast: xxx
09.02.2012 06:55
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Re: "Duales Ausbildungssystem schafft Arbeitslosigkeit im Alter"

das Problem ist der zu frühe Einstieg - in dem Alter wissen viele noch gar nicht genau, was sie wirklich werden wollen. die berufliche Bildung hat man als zweitklassige separierte Bildung konstruiert. Anderswo ist das alles einheitlich und das ist fest mit im Bildungswesen drin - das heißt, das man danach immer in alle Richtungen studieren kann. Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass die Grundbildung Allgemeinbildung abgeschlossen ist -- anderswo ist sie das, da es eben Gesamtschulsysteme oder Highschool sind, wo mehr Bürger lange Schulbildung gleich erhalten ohne Unterbrechungen oder Sackgassenschulen - das wird denen da ganz einfach gemacht.

Streng genommen und nach internationalen Standards ist dadurch das Bildungsniveau dort höher als in Ländern wie DE --- die duale Ausbildung ist Sekundarstufe 2 -- die lernt man anderswo nur schulisch und der Beruf kommt erst danach.

das fällt denen gar nicht auf - wenn die Entwicklung so weiter geht wie bisher, dann sind in den anderen Ländern nachher über 90% mit langer Schulbildung, Studienquoten von 80% (siehe Finnland bei den Frauen) und kaum noch welche, die nur eine Ausbildung haben.

in spätestens 20 Jahren werden Ausbildungsabsolventen in anderen Ländern ggf. nicht mehr arbeiten können - selbst handwerkliche Berufe werden anderswo schon studiert -- das ist der Ingenieursmangel gewesen! Angefangen bei Zahntechnik bis hinauf zum Orthopädiemechaniker -- technischer Fortschritt steigert die Ansprüche. Umwelttechnik, IT ....


Antworten Gast: xxx
09.02.2012 06:44
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Re: "Duales Ausbildungssystem schafft Arbeitslosigkeit im Alter"

in DE ist die Ausbildung generationenlang eine Sackgasse -- genau wie das Schulsystem - das mit voller Absicht so. In DE sollen nicht so viele Allgemeinbildung bekommen. Ich hab da 2 Ausbildungen gemacht - Pflege und eine andere. Das Risiko wenn man nur in der Praxis lernt ist Qualitätsverlust - man ist dann immer abhängig von den Kenntnissen der fertigen Leute - die können aber auch mal Fehler weitergeben, außerdem ist man oft nur Arbeitskraft - arbeitet ab und lernt weniger dabei. In der anderen Ausbildung saß man nur blöd rum und lernte gar nichts! Da war nichts zu lernen und nichts zu tun oft - anderswo lernt man in derselben Zeit interessante Fächer und Theorie. Mittlerweile wurde in vielen Ausbildungen das Niveau noch weiter abgesenkt durch neue Lehrpraktiken - noch weniger Theorie! Man verdummt sich selbst damit - im Ausland ist selber Beruf weltweit ein Studium! Ich kann mit meinen bisherigen Berufen nirgends arbeiten - deshalb studier ich grade. Die Ausbildung machen damit oft immobil!
und die Schulen sind Sackgassen in DE, weil es nicht mal genug Plätze für alle gibt. Abendgymnasien müssen Leute ablehnen, Tagesschulen mit NC, gucken sie sich mal die Schulreformen an in DE:http://www.blv-bw.de/65.0.html
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manche lernen in der Schule nicht mal mehr Chemie! nur noch Berufsorientiert - wie sollen die evtl. nachher ein Abitur bestehen? Die sind ca. 15 Jahre alt.

Antworten Gast: xxx
09.02.2012 06:37
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Re: "Duales Ausbildungssystem schafft Arbeitslosigkeit im Alter"

da haben sie Recht. Ich komm aus DE und im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bekommt man hier in der Ausbildung keine Allgemeinbildung und keinen weiteren Abschluss, man verbessert den Bildungsstatus nicht. Resultat davon ist, dass es einen aufwendigen 2. Bildungsweg gibt und deren Absolventen sind dann oft schon Ende 20, wenn sie anfangen dürfen zu studieren. Anderswo hätten die eine Matura mitbekommen! In DE sollen die nur beruflich lernen, Allgemeinbildung soll was Exklusives sein.

das Hauptproblem ist aber folgendes: in den anderen Ländern machen mittlerweile 80--90% lange Schulbildung/Abitur und danach tertiäre/postsekundäre Bildung - viele Berufe werden dort studiert, die hier ne Ausbildung sind. Das heißt eben, dass in 20 Jahren viele Ausbildungsabsolventen von hier und DE nirgends mehr arbeiten können und immobiler sind. Zahntechnik ist weltweit ein Studium. Die haben nachher überall Nachteile! In der Schweiz gibts zu wenig Akademiker, die Auslandsfirmen nehmen dann Ausländer, keine Schweizer. Weil das andere immer höherwertig ist - mehr Theorie. Das sind nunmal andere Kulturen. In 20 Jahren spätestens können die nirgends mehr arbeiten in anderen Ländern. Da dort 80-90% ein Abi haben, wollen die alle studieren und eben diese Fächer werden oft studiert. Krankenschwester global Studium, Zahntechnik, Koch..... etc... die haben dort alle vorher Abitur. Ausbildung ist Sekundarstufe 2.

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