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Rechtsanwälte: „Wer aufhört zu lernen, steht auf verlorenem Posten“

18.05.2012 | 18:34 |  PATRICK BALDIA (Die Presse)

Spezialthemen oder Social Skills: Wirtschaftskanzleien schulen ihre Mitarbeiter mit aufwendigen Inhouse-Programmen.

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Bei den großen heimischen Wirtschaftskanzleien wird viel Wert auf Weiterbildung gelegt – und zwar in sämtlichen Phasen des Berufslebens. So werden unter anderem Nachwuchskräfte in selbst entwickelten Programmen mit komplexen Spezialthemen vertraut gemacht, die auf der Universität nicht behandelt werden. Oder fertige Rechtsanwälte werden in Sachen Social Skills sensibilisiert. Aber auch Partner bilden sich weiter – etwa in speziellen Seminaren oder durch das Abhalten von Vorträgen. „Grundsätzlich kann man sagen, dass in den letzten Jahren der Spezialisierungsbedarf zugenommen hat. Wir müssen junge Mitarbeiter viel schneller ausbilden und investieren dementsprechend sehr viel in Weiterbildung“, so Konrad Gröller, Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Die internationale Wirtschaftskanzlei beschäftigt weltweit um die 2500 Rechtsanwälte. Für sie wurde das „Career-Milestones“-Konzept entwickelt, das jene Skills definiert, die je nach Seniorität aufgebaut werden sollten. „In jährlichen ,Review-Gesprächen‘ wird der Entwicklungsstand überprüft und zusätzlicher Ausbildungsbedarf identifiziert“, so Gröller.

 

Auch betriebswirtschaftliche Themen

Die heimische Wirtschaftskanzlei Wolf Theiss hat im vergangenen Herbst mit der „School of Excellence“ ihr bestehendes Ausbildungsprogramm harmonisiert und neu ausgerichtet. Sie steht ihren Juristen offen und ist in verschiedene Stufen – konkret von „basic“ über „advanced“ bis „master“ – gegliedert, wie Chief Human Resources Officer Barbara Stimpfl-Abele erklärt. „Auf dem Lehrplan stehen nicht nur juristisches Fachwissen und Soft Skills, die Juristen in ihrem Alltag benötigen, sondern auch betriebswirtschaftliche Themen, vor allem im Bereich Kanzleimanagement und Mandantenbetreuung“, sagt sie. Die Einheiten, die mehrtätig geblockt sind, finden regelmäßig statt und beziehen auch Mitarbeiter aus anderen Wolf-Theiss-Büros mit ein. „Das sind gute Gelegenheiten, um einander kennenzulernen“, so Stimpfl- Abele.

Bei Dorda Brugger Jordis werden Konzipienten in der hauseigenen Akademie ausgebildet. „Hier halten Partner, Anwälte und in Einzelfällen auch fortgeschrittene Konzipienten in regelmäßigen Abständen Vorträge zu Rechtsgebieten, bei denen Informationen über die praktische Umsetzung sehr wichtig sind, die aber auf der Universität manchmal zu kurz kommen“, so Recruitment-Partner Christoph Brogyányi. Dazu würden etwa komplexe Rechtsgebiete wie das Vergaberecht gehören. „In diesen Vorträgen wird man nicht schnell zum Experten gemacht, es geht vielmehr darum, Awareness zu schaffen darüber, was wirklich relevant ist“, erklärt er.

 

Eigenverantwortung gefragt

Vor allem bei „älteren Semestern“ sieht Brogyányi ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Schließlich sei Recht – auch wenn das für Außenstehende nicht immer ersichtlich sei – eine sehr „lebendige Materie“. „Hört man auf, die Judikatur und Literatur zu lesen, sowie Änderungen der Rechtslage – auch bloß geplante – zu verfolgen, so steht man als Rechtsanwalt auf verlorenem Posten. Früher oder später werden einem die Fleißigeren den Rang ablaufen“, so Brogyányi.

Gemeinsam haben die großen Wirtschaftskanzleien, dass der Großteil der Weiterbildungsmaßnahmen hausintern erfolgt und dementsprechend in den Zuständigkeitsbereich von Partnern und Rechtsanwälten fällt. Für Spezialthemen oder Soft Skills werden dagegen externe Experten herangezogen.

Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeiter auch bei der Absolvierung von LL.M.-Programmen (Master of Laws) – etwa über Stipendien. Sie stellen vor allem für angehende Anwälte eine Gelegenheit dar, Auslandserfahrungen zu sammeln. LL.M.-Abschlüsse dienen letztlich auch dazu, in Bewerbungsprozessen zu punkten. Denn man belegt damit, eine Fremdsprache so gut zu beherrschen, dass man in ihr arbeiten kann.

Weiterbildungsbedarf sehen führende Rechtsanwälte vor allem in sehr regulierten Bereichen, in denen es viele Änderungen in der Gesetzgebung gibt. Zu den stark von Novellierungen betroffenen Rechtsgebieten etwa zählt das Arbeitsrecht ebenso wie das Banken- und Kapitalmarktrecht. „Vor allem im Banken- und Kapitalmarktrecht hat man in den vergangenen Jahren eine erhebliche Gesetzesflut gesehen“, spricht Brogyányi eine wichtige Entwicklung an. „Aber auch in Bereichen, in denen es tendenziell nicht viele Änderungen gibt, kommt es zu Anpassungen in der Judikatur, über die man Bescheid wissen muss“, merkt Gröller an.

 

„Denkschule“ Universität

Dass das Jusstudium an den heimischen Universitäten sehr allgemein gehalten ist, wird oft bemängelt, ebenso wie der Massenbetrieb, der eine persönliche Auseinandersetzung mit den Lehrenden einschränkt. Gröller will jedoch das Jusstudium an der Uni Wien nicht schlechtreden. „In erster Linie weckt es Interesse für den Beruf Anwalt, was natürlich positiv ist“, sagt er. An der Uni lerne man zudem juristisch und strukturiert zu denken und bekomme ein Gefühl für Zusammenhänge. Sich bereits an der Uni mit Spezialthemen zu beschäftigen, schade zwar nicht, beim Recruitment setze man jedoch keine Spezialkenntnisse voraus, da man diese ohnehin später vermittelt bekomme.

Auf einen Blick

Als Rechtsanwalt in einer Wirtschaftskanzlei sind laufende Fortbildungen, die auch meist intern angeboten werden, Pflicht. Denn zum einen werden Spezialisierungen kaum an der Universität vermittelt, zum anderen muss man über Änderungen in der Gesetzgebung immer auf dem Laufenden sein, um sich von der Konkurrenz nicht abhängen zu lassen. Stark von Novellierungen betroffen sind beispielsweise das Arbeits-, Bank- und Kapitalmarktrecht.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.freshfields.com, www.dbj.at,

www.wolftheiss.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)

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1 Kommentare
Gast: ausbeutung?
19.05.2012 09:58
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Wer das Arbeitszeitgesetz einhält und seine Mitarbeiter um 16 Uhr nach Hause gehen lässt, könnte sich möglicherweise teure Kurse ersparen.

Die Mitarbeiter erwerben dann durch ein Privatleben social skills. Echte social skills, keine antrainierten. Die Arbeitsleistung wäre meiner Meinung nach auch nicht viel geringer.

„Career-Milestones“-Konzept
Review-Gespräche
School of Excellence
„basic“ über „advanced“ bis „master“
Kanzleimanagement
Recruitment-Partner
Awareness

Der Artikel klingt ja wie Stronach-Kauderwelsch.

"Früher oder später werden einem die Fleißigeren den Rang ablaufen", so Brogyányi.

Früher oder später werden die ausgeglichenen Familienmenschen den ausgebrannten, kinderlosen und/oder geschiedenen Sozipathen den Rang ablaufen, sage ich.

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