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Verkehrsplanung: Wissen für bewegte Zeiten

01.06.2012 | 18:22 |  CLAUDIA DABRINGER (Die Presse)

Das Auto wird noch lange das Verkehrsmittel Nummer eins bleiben – doch der Mobilitätstrend geht in Richtung Vernetzung, in der Ausbildung werden auch Soft Skills wichtiger.

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„Das Auto ist das Verkehrsmittel der Vergangenheit!“ So entschieden positioniert sich Harald Frey, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Der Leiter des Arbeitskreises E-Mobility der Österreichischen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft ÖVG spricht davon, dass sich das Auto schon sehr rasch nach seiner Ausbreitung im öffentlichen Raum negativ auf denselben ausgewirkt habe. „Die Fortbewegung mit dem Auto entspricht einem Rückschritt in der Evolution um mindestens vier bis sechs Millionen Jahre.“ Denn der Mensch und seine Kultur basieren auf dem Konzept des aufrecht gehenden Zweibeiners, so Frey.

Mit seinem Ruf nach einem Umdenken in puncto Mobilität ist er inzwischen nicht mehr der Einzige. Weltweit sind sich die Experten einig: Der Parkdruck in den Städten, steigende Energiepreise sowie die grundsätzliche Einstellung zu Mobilität im Zusammenhang mit anderen begleitenden Entwicklungen und Mobilitätsangeboten wie Carsharing müssen eher früher als später zu verändertem Verhalten führen. „Ohne Wissen über die Wirkungsmechanismen und die Mächtigkeit verschiedener Einflussparameter im Verkehr sowie ohne ausreichendes Systemverständnis können nur begrenzt wirksame Maßnahmen umgesetzt werden“, sagt Frey. Und dazu sind Fachleute nötig, die das – auch technische – Umfeld für diese Veränderungen schaffen.

 

Kommunikations-Skills gefragt

Experten stehen vor vielfältigen Herausforderungen. Zum einen wird der Verkehrsraum nicht größer, auch wenn die Pendlerströme wachsen. Andererseits nehmen die Bürger regionale Umweltbelastungen immer weniger hin. „Die größte Herausforderung ist aber der drohende globale Klimawandel, da der Verkehr derzeit am stärksten vom Erdöl abhängig ist“, sagt Michael Bobik, Leiter der Studiengänge Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement sowie Energy & Transport Management an der Fachhochschule Joanneum. Letzteres wird als Masterstudium angeboten und ist nicht nur für Bachelors der Vorgängerstudien offen, sondern auch für Wirtschaftsingenieur-, Elektrotechnik-, Verkehrstechnik- oder Verfahrenstechnik-Absolventen. Wer sich für die postgraduale Ausbildung entscheidet, findet berufliche Betätigungsfelder auf allen Gebieten der Energieerzeugung und -verteilung, des Betriebs von Bahnen, Autobahnen und Verkehrsunternehmen, der Umweltplanung sowie in vielen Unternehmen, die mit hohem Energieeinsatz arbeiten müssen.

„Für all das braucht man nicht nur technische und wirtschaftliche Kenntnisse, sondern vor allem auch gute Kommunikationsfähigkeiten“, sagt Bobik – weshalb sich im Curriculum auch Fächer wie „Human Resources Management“, „Public Relations“ sowie „Management and Organization“ als Ergänzung finden.

Soft Skills wie Verkehrspsychologie werden auch an der FH Technikum Wien vermittelt, denn „es gibt vieles zu bedenken für das Service am Enduser“, sagt Emil Simeonov, Leiter des Masterstudiengangs „Intelligent Transport Systems“. Nicht nur, dass Menschen in diesem Berufsfeld es mit Kunden aus unterschiedlichen Verkehrsträgerbereichen zu tun bekommen – „auch für die Interoperativität, also das Funktionieren von Prozessen im regionalen, nationalen und internationalen Umfeld, sind soziale Kompetenz und auch Sprachen immens wichtig“.

Mobilität hat ihre Probleme und Gefahrenbereiche: Das verdeutlichen Staus, Baustellen und Unfälle. Laut Simeonov sollen künftig intelligente und kooperative Verkehrssysteme Abhilfe schaffen, die Echtzeit-Informationen über Staus, Alternativrouten und Baustellenmanagement zusammenführen. In Ansätzen passiert das bereits auf der Internetplattform www.anachb.at, die von zwei Absolventen des Studienganges initiiert wurde. Andere Masterabsolventen der FH Technikum Wien sind in Unternehmen präsent, die mit Transport und Mobilität befasst sind, von den ÖBB bis zur Austro Control.

Neue Informationssysteme, aber auch alternative Antriebe für Autos stehen heute im Mittelpunkt der Entwicklungen. Die Mobilität muss als Gesamtpaket verstanden werden, „sodass flexibel nach Bedarf verschiedene öffentliche Verkehrsmittel und Carsharing-Anbieter unkompliziert in Anspruch genommen werden können, ohne bei jedem einzelnen Anbieter Mitglied sein zu müssen – die neuen Systeme müssen also jederzeit und überall zugänglich sein“, meint Andrea Höltl. Sie leitet das Zentrum für wirtschaftswissenschaftliche Forschung an der Donau-Universität Krems. Für sie sind auch neue Mobilitätskonzepte denkbar, etwa in Form einer Mobilitätskarte, die zur Nutzung unterschiedlicher Verkehrsmittel berechtigt. Für Höltl wird der „zukünftige Mobilitätsmarkt aus einer Kooperation zwischen Energiedienstleistern, Automobilherstellern und öffentlichen Verkehrsunternehmen bestehen“.

 

Interdisziplinär lernen

Und weil sich bei diesen Prozessen nicht nur Gleichgesinnte treffen, sondern durchaus auch andere Meinungen vertreten sein können, muss das Thema Verkehrsplanung interdisziplinär angegangen werden. Vor diesem Hintergrund läuft deshalb auch im Rahmen des Master of Business Administration die Spezialisierung „E-Mobility Management“. Und zum Thema Energie-Autarkie wird in Kooperation mit den Ingenieurbüros der WKO ein Certified Program „Manager für Nachhaltige Mobilität im Verkehrswesen“ angeboten. „Diese Lehrgänge sind interdisziplinär aufgesetzt, beschäftigen sich also mit technischen, ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen Aspekten, mit dem Fokus auf Management und die Implementierung von neuen Ansätzen in der Mobilität“, erläutert Höltl.

Auf einen Blick

Ausbildungen zu neuen Verkehrskonzepten:

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.fh-joanneum.at

www.donau-uni.ac.at

www.technikum-wien.ac.at

Hintergrundinfo und Forschung:

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.salzburgresearch.at, www.oevg.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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