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Masterstudium: „Mitunter Detektivarbeit“

15.06.2012 | 18:42 |  von Christian Lenoble (Die Presse)

Welcher Master passt zu Vorwissen und Studienwunsch? Wer bietet ihn an, und wo? Neue und bewährte Informationsquellen.

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Wer sein Masterstudium toll findet und es anderen weiterempfehlen will oder wer schlechte Erfahrungen gemacht hat und Studiengangsuchenden von Uni und Lehrgang abraten möchte, hat seit Kurzem eine vernetzte Option dazu.

Meinmasterstudium.de heißt die neue Plattform, auf der es in einfachen Schritten und kostenlos möglich ist, persönliche Erfahrungen und Bewertungen zu Studiengängen und Universitäten online zu stellen. „Das mangelnde Angebot an solchen Plattformen und Informationsdrehscheiben war die Antriebskraft für unser Projekt“, erläutert Initiatorin Jenna Schulte, die gemeinsam mit ihren Studienkolleginnen Louisa Lösing und Suna Turhan das Konzept erarbeitet hat.

 

Subjektivität sehr erwünscht

„Wir möchten Studierenden bei der Auswahl ihres Masterstudiengangs helfen. Ziel der Seite ist das Weitergeben persönlicher Erfahrungen und Einschätzungen. Die Seite soll nicht wie in üblichen Hochschul-Rankings nach Forschungsgeldern und Ähnlichem mehr bewerten, sondern persönliche Eindrücke vermitteln. Insbesondere Kriterien wie Spaß und Lernerfolg oder auch das soziale Umfeld werden berücksichtigt, damit sich zukünftige Masterstudierende ein besseres Bild vom möglichen Studienort machen können“, erklärt Schulte die Idee hinter Meinmasterstudium.de.

Die Plattform ist dabei als Ergänzung zu sonstigen Informationsmöglichkeiten gedacht und dient über die Kommentarfunktion einer Kommunikation zwischen künftigen Studierenden und Bewertern. „Es geht nicht darum, Universitäten systematisch zu kritisieren. Im Gegenteil. Durch positive und negative Bewertungen von Kriterien, die von der Qualität von Lehre und Professoren über die Organisation des Studienalltags bis hin zum sozialen Angebot in der Uni-Umgebung reichen, können die Hochschulen sensibilisiert werden, auf die Bedürfnisse von Studierenden vertieft einzugehen. Daher bitten wir alle Bewertenden, konstruktive Kritik zu äußern und ,unqualifizierte‘ Einträge zu unterlassen“, so Schulte zu der Website, die sich an deutschsprachige Studierende richtet und auf der künftig neben Hochschulen und Studiengängen aus Deutschland auch vermehrt solche aus anderen Ländern zu finden sein sollen.

 

Relaunch und Erneuerung

Informationsplattformen, auf denen nicht die Hochschulen selbst für die Informationen sorgen, gibt es freilich auch unter österreichischer „Flagge“. Studieren.at – seit 1999 online, vor einigen Jahren von der Firma Haddad Internet Services übernommen – verfolgt etwa primär das Ziel, Studierenden umfassende Informationen und Tipps für den Alltag und im Umgang mit Formalitäten zu bieten. Zusätzlich sind auf der Plattform für Studierende relevante Nachrichten über österreichische Universitäten und eine Job- und Wohnungsbörse zu finden. Für Herbst 2012 ist ein Relaunch geplant, der nicht nur die vorhandenen Informationen auf den neuesten Stand, sondern auch ein frisches Design und erweiterte Funktionalität bringen soll.

Auch seitens der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) ist man um informative Hilfestellung bemüht. Für jene, die auf der Suche nach dem „richtigen“ Masterstudium sind, wird eine eigene Masterbroschüre angeboten (auf der ÖH-Homepage). Klärende Gespräche über Studienmöglichkeiten können Bachelorabsolventen von Fachhochschulen, privaten und öffentlichen Universitäten per Mail oder in persönlicher Beratungssituation führen. „Da die Informationslage für Studienentscheidungen hierzulande jedoch alles andere als optimal ist, arbeiten wir gerade an einer Studienplattform, auf der Informationen zu allen Studienrichtungen an allen Hochschulen in Österreich verständlich und leicht zugänglich aufbereitet sind“, erklärt Johanna Griesmayr von der ÖH.

Durch finanzielle Unabhängigkeit soll sich die Seite von der aktuellen Angebotslandschaft unterscheiden – und Studierenden die Suche nach dem passenden Studium erheblich erleichtern, die „mitunter einer Detektivarbeit nahekommt“.

 

Persönliche Kontakte knüpfen

Was die generelle Frage nach der besten Art von Entscheidungshilfe bei der Studiensuche betrifft, so hat die eben fertiggestellte Evaluation von studienchecker.at gezeigt, dass der persönliche Kontakt von Studieninteressierten als die wertvollste Informationsquelle betrachtet wird. Gleichzeitig sind Internetangebote die erste und meistgenutzte Informationsquelle. „Wir raten jedoch allen, die sich nur im Internet informieren, zur Vorsicht. Es gibt sehr viele Seiten, die teilweise kommerziell betrieben werden, und deren Informationen entweder nicht richtig sind oder die Studien sehr einseitig darstellen“, meint Griesmayr. Auch persönliche Erfahrungsberichte seien mit Vorsicht zu genießen, sollten aber – besonders in der Form von Universitätsforen – nicht außer Acht gelassen werden.
Den Besuch von Messe- und speziellen Infoveranstaltungen führt Ute Steffl-Wais, Studienservices-Leiterin an der WU, ins Treffen: „Einzelne Masterprogramme bieten Infoveranstaltungen für Studieninteressierte an, in deren Rahmen neben der Programmvorstellung auch auf individuelle Fragestellungen eingegangen wird. Aus meiner Sicht ist die Teilnahme an Messen und Info-Tagen bei der Programmauswahl jedenfalls sinnvoll, da hier auch die Möglichkeit der persönlichen Kontaktaufnahme mit den Programmverantwortlichen gegeben ist.“

 

Psychologischer Beratungsdienst hilft

Auch Nicole Bier vom Student-Point-Team der Universität Wien empfiehlt vor allem Messen, um einen Überblick über das Angebot an Masterstudien zu erhalten. „Die Informationen von Fachvertretern wie auch Studierenden vor Ort ist wertvoll“, so Bier, die aber ebenfalls auf Webseiten wie z. B. www.studienwahl.at des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung verweist: „Diese Info-Plattformen bieten einen guten Online-Überblick über das Angebot an Masterstudien in ganz Österreich.“ Als ergänzende Entscheidungshilfe sieht Bier zudem Einrichtungen wie etwa die psychologische Studierendenberatung.
Zu empfehlen ist laut ÖH jedenfalls die Kontaktaufnahme mit den jeweiligen Studienvertretungen bzw. Jahrgangsvertretungen. Vor allem Studierende, die bereits eine genauere Vorstellung von einem möglichen Studium haben, können auf diesem Weg die letzten entscheidenden Fragen klären. „Wer auf der Suche nach bestimmten Studienplänen, Inskriptions- und Bewerbungsfristen ist, informiert sich aber immer noch am besten direkt auf der Homepage der jeweiligen Hochschule“, so Griesmayr.

Auf einen Blick

Die Suche nach dem passenden Masterstudium ist manchmal ganz leicht – wenn man direkt nach dem Bachelor das Aufbaustudium wählt. Doch ist das Vorstudium schon etwas länger her, möchte man ins Ausland gehen oder sich – so weit eben möglich – spezialisieren oder auch umorientieren, sollte man sich nicht nur auf eine Informationsquelle verlassen – und auch keine Vergleiche scheuen.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.meinmasterstudium.de

www.studieren.at

www.oeh.ac.at

www.studienwahl.at

www.studentpoint.univie.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)

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