König Fußball zieht derzeit wieder Millionen von Europäern in seinen Bann – auch in Österreich, das sich bekanntlich nicht qualifizieren konnte, beweisen gut besuchte Public Viewing-Möglichkeiten, volle Lokale sowie hohe TV-Einschaltquoten große Begeisterung. Fußball wird jedoch nicht nur quer durch alle Gesellschaftsschichten konsumiert, sondern auch gerne aktiv betrieben. Die heimischen Universitäten und Fachhochschulen stellen hier keine Ausnahme dar. Dem runden Leder kann dort entweder in mehr oder wenig professionell organisierten Mannschaften, rein hobbymäßig oder in betreuten Kursen nachgejagt werden.
Gesunder Stressabbau
Das Universitätssportzentrum (USI) Wien bietet an unterschiedlichen Standorten in der Bundeshauptstadt rund 40 Fußballkurse an. Sie werden allesamt von Betreuern oder Trainern begleitet und richten sich an alle fußballbegeisterten Studenten und Universitätsabsolventen – von blutigen Anfängern bis zu erfahrenen Spielern. „Wir sind kein Leistungssportzentrum“, sagt USI-Direktor Andreas Kellner. Ziel sei es, so viele Interessenten wie möglich anzusprechen – und das in sämtlichen Altersstufen. Die Kurse sind in unterschiedliche Leistungsstufen unterteilt. Während die Anfänger ihr Können in Ballbehandlung und Passformen steigern, werden bei den fortgeschritteneren Kickern auch Spielzüge einstudiert. Eines haben alle Leistungsstufen gleich: Nach der Absolvierung des Aufwärm- und Technikprogramms wird noch kräftig gespielt, und dabei natürlich auch gegen „die Haut“ – so der Kickerjargon – getreten.
Frauen lieben Yoga – und Fußball
Während die normalen Kurse sehr offen gestaltet sind, können auch bereits bestehende Mannschaften Übungszeiten mit Übungsleitern buchen. „Das sind sehr exklusive Termine“, erklärt Kellner. Der USI-Direktor ist jedenfalls zufrieden mit der Auslastung der angebotenen Kurse und Mannschaftstermine. Positiv überrascht zeigt er sich vom regen Zulauf in den Frauenkursen. „Der Andrang ist hier in den letzten Semestern regelrecht explodiert“, sagt Kellner. Es sei keineswegs vermessen von einem Trend zu sprechen. Trotz des starken Zulaufs ist „König Fußball“ am USI nicht die am stärksten nachgefragte Sportart – und auch nicht einmal die Nummer Zwei. Denn auf Volleyball folgt etwas überraschend Yoga. Laut Kellner gab es hier zuletzt etwa 2000 Anmeldungen.
Akademische Meisterschaften werden am USI Wien jeweils im Herbst – in der Halle – sowie im Frühjahr im Freien ausgespielt. Auf dem grünen Rasen, der die Welt bedeutet, treten bis zu sechzig Mannschaften gegeneinander an. Darunter befinden sich neben reinen Hobbytruppen mit – so Kellner – „lustigen Namen“ auch Teams mit Regionalliga-Niveau. Der Wiener Meister kann sich dann mit den Champions der anderen USI-Standorte in den Bundesländern um die Österreichische Meisterschaft matchen.
Weltmeister aus Wiener Neustadt
Während der heimische Bundesligist SC Wiener Neustadt bekanntlich Lichtjahre von einem Meistertitel entfernt ist – die Saison 2011/12 wurde auf dem vorletzten neunten Platz abgeschlossen – gehört die Auswahl der FH Wiener Neustadt zu den Top-Fußballadressen unter den heimischen Fachhochschulen. Erst im Mai krönte man sich bei der FH-Meisterschaft – an dem eintätigen Turnier haben zehn Mannschaften teilgenommen – einmal mehr zum Champion. Damit nicht genug: im vergangenen September kickte sich die FH-Elf bei den World University Games in Amsterdam zum Weltmeistertitel. Im Finale wurde das Team der Moskauer Wirtschaftsuniversität MESI mit 2:1 geschlagen.
Dass die eingefahrenen Erfolge keineswegs dem Zufall zu verdanken, sondern das Ergebnis akribischer Arbeit sind, erfährt man im Gespräch mit Mannschaftsbetreuer Wolfgang Wöber. So werde das Team von einem dreiköpfigen Trainerstab betreut, an deren Spitze mit Heinz Griesmayer der aktuelle Trainer der Amateurmannschaft des Bundesligisten SV Mattersburg steht. „Die gezielte Vorbereitung beginnt einen Monat vor den FH-Meisterschaften“, so Wöber. Ein regelmäßigerer Trainingsbetrieb sei nicht möglich, da dies der straffe Studienplan nicht zulasse – an der FH Wiener Neustadt herrscht Anwesenheitspflicht in den Studiengängen. Gleichzeitig dürften die in der Regionalliga unter Vertrag stehenden Spieler während der Saison auch gar nicht anderswo mitkicken. „Trotz der kurzen Vorbereitung ist in dieser Zeit wegen der Intelligenz der Spieler sehr viel möglich. Sie setzen die Vorgaben perfekt um“, so Wöber.
Eher „hobbymäßig“ wird gegen das runde Leder an der FH Joanneum in Graz getreten. Gegründet wurde die gleichnamige Mannschaft von Studenten des Lehrgangs Fahrzeugtechnik, die sich ab und zu zum Kicken zusammenfinden, so „Teamchef“ und Jahrgangssprecher Clemens Urban. Die Teilnahme an der FH-Fußballmeisterschaft sei mehr oder weniger ein Sprung ins kalte Wasser gewesen. „Spaß hat es trotzdem gemacht“, zieht Urban zufrieden Bilanz. Priorität hat eben trotzdem immer das Studium.
Sport hat an den Hochschulen traditionell einen hohen Stellenwert - entsprechend gern genutzt werden die Angebote der diversen Universitäten und Fachhochschulen. Das USI (Universitätssportzentrum Wien) etwa bietet neben Ausbildungskursen wie Fitness-, Pilates- oder Kletterlehrer auch dutzende Freizeitkurse von Aerobic bis Zumba (lateinamerikanische Tänze mit Fitnessübungen) – und eine Sommerakademie, auch für Nicht-studenten, am Hochkönig.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)
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