23.05.2012 23:09 | Meine Presse Merkliste 0

Europas super-konzentrierte Agrarindustrie.

04.03.2011 17:32 |  Oliver Grimm

Im morgigen Samstagsblatt der "Presse" berichte ich über eine interessante Studie der EU-Kommission zur Frage, wie stark Europas Viehzucht zum Treibhauseffekt beiträgt (stark, aber nicht so stark, wie bisher angenommen).

Beim Durchackern der sehr umfangreichen und fundierten Studie des Joint Research Centre (das ist der wissenschaftliche Dienst der Kommission) bin ich über ein paar erstaunliche Zahlen gestolpert.

39 Prozent der Milch, die im Jahr 2004 in den damals 15 EU-Ländern hergestellt wurde, kam von gerade einmal elf Prozent der milchproduzierenden Betriebe ("Bauernhöfe" sind das keine mehr, angesichts von mindestes 400.000 Kilogramm zugeteilter Milchquote pro Jahr).

16 Prozent der Schweine standen in nur 0,3 Prozent (!) aller Schweinemastbetriebe.

Nur 0,1 Prozent aller damaligen Legehennenbetriebe hatten mehr als 40.000 Hühner - doch sie enthielten 59 Prozent aller Legehennen der Union.

Natürlich sind diese Zahlen nicht neu und für Agrarexperten nicht verwunderlich. Sie geben aber dem interessierten allgemeinen Beobachter ein Gefühl für den Grad, zu dem Europas Viehzucht intensiviert und industrialisiert ist.

Das ist, vermute ich, einerseits die Zukunft der globalen Landwirtschaft, wenn wir dafür sorgen wollen, das künftig nicht eine Milliarde Menschen oder mehr täglich hungrig zu Bett gehen muss.

Andererseits spiegeln diese Zahlen jene Verhältnisse wieder, die für Dioxin-Eier, Gammelfleisch und Hormonschnitzel sorgen.

Und damit ist das Spannungsverhältnis aufgezeigt, in dem die 55 Milliarden Euro teure Gemeinsame Agrarpolitik reformiert werden muss.

Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

2 Kommentare
Gast: 'Gastkommentator'
19.04.2011 14:16
0 0

XZWyQC I'm not ealisy impressed. . . but that's impressing me! :)

Gast: 'richard'
07.03.2011 07:43
0 0

Haben Sie sich schon gefragt, wer die Financiers hinter diesen wenigen industriellen Großbetrieben sind?
Es sind Banken und Investmentgesellschaften und die Organisierte Kriminalität, genau die, die uns in die Krise ritten. Die durch den Erhalt hoher Agrarsubventionen, die kleiner strukturierten Landwirtschaften durch arge Wettbewerbsverzerrungen vom Markt drängen, die Abhängigkeiten ganzer Nationen schaffen. Und das System schaut zu bzw. lebt ganz gut davon. Nur im System sind nur wenige Nutznießer.

EU-Blog

Der Autor

  • Oliver Grimm
    geboren 1978 in Wien, Studium der Rechtswissenschaften, seit 2003 bei der "Presse", erst als Wirtschaftsredakteur im "Economist", seit 2009 als EU-Korrespondent in Brüssel.

    In diesem Blog hält er seine Beobachtungen der Europäer und ihrer gewählten Vertreter fest und blickt hinter die politischen Inszenierungen der Brüsseler Blase.

Weitere Blogeinträge