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Das Toleranzdelikt

13.07.2012 14:50 |  von Michael Fleischhacker

Claudia Bandion-Ortner, die ehemalige Justizministerin, hat ein Problem. Mindestens. Sie ist Vizepräsidentin des König-Abdullah-Zentrums für interreligiösen Dialog. Und sie übt diese Funktion als vom österreichischen Justizministerium bezahlte Richterin aus. Und der Nachweis der für eine solche Tätigkeit angezeigten Kompetenzen fällt ihr nicht leicht (das ist, wie die Tatsache, dass sie Justizministerin war, vielleicht nicht das größte Problem).

Natürlich wird CBO jetzt heftig attackiert. Im "Standard" erklärte sie kürzlich etwas entnervt:  "Irgendwie macht man es nie recht. Dabei arbeite ich in zwei Jobs (mit dem zweiten Job meint sie ihre Tätigkeit in der Laxenburger Anti-Korruptions-Akademie, Anm.) so günstig wie niemand. Soll ich vielleicht in die Arbeitslose gehen? Dann fiele ich dem Steuerzahler wirklich zur Last".

Im "Presse"-Forum scheiden sich jetzt die Geister. Versorgungspostenskandal, sagen die einen. Ganz normal, dass eine karenzierte Richterin nach dem Politausflug zurückkehrt, sagen die anderen. Ja eh, sag ich, aber wie wär's mit dem ganz normalen Richterposten, den sie vorher hatte? Und was lernen wir daraus, frage ich, dass eine ehemalige Ministerin gewissermaßen mit Arbeitslosigkeit droht, wenn man ihre Kompetenz in Frage stellt?

Am Schlimmsten aber, denke ich, ist, dass beim König-Abdullah-Propagandazentrum für Scheindialog alle schlechten Eigenschaften des österreichischen Politcharakters auf einmal zur Geltung kommen: Feigheit, Anbiederung, Inkompetenz und Naivität, verteilt auf den Außenminister, die ehemalige Justizministerin und die berufsmäißgen Verharmloser des faschistoiden politischen Islam.


 

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18 Kommentare

Armselig

"Am Schlimmsten aber, denke ich, ist, dass beim König-Abdullah-Propagandazentrum..."

Was FLE als Schlimmstes definiert, wird zunehmend unerträglich.

Schauen Sie keine Nachrichten? Haben Sie keine anderen Sorgen?

Die EU zerbricht gerade. Und sicher nicht wegen dem Abdullah.


Re: Armselig

Sehr sprechendes Pseudonym, muss ich sagen, Glückwunsch.
Sie haben völlig Recht: "Das Schlimmste" bezieht sich natürlich nicht auf das offizielle Ranking der gegenwärtigen Menschheitsprobleme, sondern nur auf die unterschiedlichen Argumentationsstränge innerhalb des gerade verhandelten Themas.
Sonst hieße der Blog ja auch nicht "Fle", sondern "Rettet die Wale".

Re: Re: Armselig

Würden die Konservativen die Wale retten, wäre ihnen zumindest der nächste Eintrag in den Geschichtsbüchern sicher.

Mit einer, wie von ihnen (oder vom FalterCR - was in Wahrheit keinen Unterschied macht) halluzinierten Revolution, wird das nicht gelingen.

Allerdings: die Linken in diesem Lande sind mindestens so satt (wenn nicht satter, anders satt) wie die Jünger der Märzrevolution.

Und mein neues Pseudynom ist der Flotten Lotte zu verdanken, die mich stets noch satter (ganz anders satt) macht.

Gast: Humerus
17.07.2012 21:14
3 0

Toleranz im eigenen Land

einmal zumindest vom Gesetz her zulassen und das Zentrum dort bauen.
Die Bandion bieten wir als Einstandsgeschenk an.
Vielleicht kriegts sogar ihre eigene Fahrspur (aber nur mit Chauffeur, weil selber fahren darfs dort nicht).

Gast: aufgabensteller
16.07.2012 23:01
4 4

den berufsmäßgen Verharmlosern

Der Islam versteht sich als ein umfassendes, alle Lebensbereiche durchdringendes Normen- und Wertesystem. Wie wäre es, Herr Fleischhacker, mit Sachlichkeit die Unterschiede von westlicher und islamischer Demokratie zu erläutern. Die Ahnungslosigkeit der Mehrheitsbevölkerung ist groß.
Ägypten und die TK bieten sich als Beispielländer.

Re: den berufsmäßgen Verharmlosern

Ägypten ist auf dem Weg zu einer angeblichen Demokratie, die jedoch wahrscheinlich nicht zustande kommen wird, da die Islamisten dort das Sagen haben und der neugewählte Präsident mit ihnen cooperiert. Und die Türkei? Ist ein Land, in dem tausende Regimekritiker im Gefängnis sitzen, Christen und Aleviten nur geduldet und Kurden verfolgt werden eine Demokratie? Und bitte warum entsteht in Wien ein Zentrum, das von einem Land gesponsert wird, in dem Frauen verfolgt und gesteinigt werden, in dem der oberste Religionshüter befielt, alle christlichen Gebäude zu schleifen? Brauchen wir so ein Zentrum? Nein.

Antworten Antworten Gast: aussenministeriumsidee
17.07.2012 22:58
1 0

Re: Re: den berufsmäßgen Verharmlosern

Vielleicht könnten sehr viele dankbare Leser dem Hr.BM Spindelegger ein email schicken und darin ihre Begeisterung für das Dialogzentrum äußern. Das Forum hier ist wohl nicht breitenwirksam.

Gast: superquant
16.07.2012 12:46
9 1

Neue Institute

Ich bin ein Fan vom König-Abdullah-Zentrum und bin der Meinung es gebe noch viel Potenzial für ähnliche Insitute:
Z.B.
Das Mao Zedong Zentrum für Tibetfragen
oder das
Khomeini Zentrum für Atomare Abrüstung
oder
Das Kim Jong Il Zentrum für Pressefreiheit.
Und der Vorteil: Wir könnten alle unsere Politiker dort hinschicken.

Gast: Till aus dem Haus der Freude
16.07.2012 10:10
7 0

Gratuliere:

1. zu diesem Artikel

2. dass es selbiger durch die hauseigene 10sur geschafft hat ;-)

Gast: LegendIn
16.07.2012 09:56
8 1

Am Schlimmsten aber, denke ich, ist, dass beim König-Abdullah-Propagandazentrum für Scheindialog alle schlechten Eigenschaften des österreichischen Politcharakters auf einmal zur Geltung kommen: Feigheit, Anbiederung, Inkompetenz und Naivität, verteilt auf den Außenminister, die ehemalige Justizministerin und die berufsmäißgen Verharmloser des faschistoiden politischen Islam.


Volle Punktezahl mit leichten Abzügen in der Haltungsnote!

Man fragt sich nur, wie ein solches Posting die gestreng-correcten ZensurentInnen passieren konnte?

nicht zu vergessen

das liebe kaffeeplauscherl mit ainedter damit khg nicht zu böse angepackt wird (in normalen staaten ein rücktritt die einzige lösung), der verpatzte prozess gegen die tierschützer, die eigene fahrspur,,,,,,,,,,


10 0

Endlich mal klare Worte. Und richtige.


3 13

schonfrist

jeder politiker, und sei er noch so verblödet, bekommt 100 tage schonfrist.
das abdullah zentrum ist noch nicht ein mal eröffnet und steht schon unter beschuss. es ist nicht nur eine frage der korrektheit, sondern auch eine frage des intellekts, abzuwarten und klischee-entscheidungen zu vermeiden.
mit sicheheit dient dieses forum der saudischen imagepflege, und ebenso sicher der wahabitischen einflussnahme auf die muslime in europa. trotzdem kann dieser dialog (ganz nebenbei?) auch positive ergebnisse liefern. der verstärkte kontakt mit europa wird den wahabis zugeständnisse abverlangen.
sollte dieses projekt jedoch tatsächlich so einseitig verlaufen, wie der diplom unkologe fleischhacker meint, dann ist nach der schonfrist immer noch genug zeit die saudis blosszustellen

Re: schonfrist

Hätte es ähnlich ausgedrückt. Abwarten und Tee trinken.

Antworten Gast: FTT23
15.07.2012 13:50
8 3

Ausserhalb des Verfassungsbogens gibt es keine Schonfrist

und darf es auch keine geben. Das sind wir der Verfassung und den Menschenrechten schuldig. Und uns selbst.

Antworten Gast: FTT23
15.07.2012 13:48
6 3

Ausserhalb des Verfassungsbogens gibt es keine Schonfrist

und darf es auch keine geben. Das sind wir der Verfassung und den Menschenrechten schuldig. Und uns selbst.

Gast: HatschiBratschiLuftballon
13.07.2012 20:45
9 2

Autsch!

Für diesen Kommentar wird es von der PC-Brigade was auf die Nuss geben...

12 2

Respekt!

Das wird Haue geben?!

FLE

Der Autor

  • Michael Fleischhacker
    wurde am 26. Mai 1969 in Friesach/Ktn. geboren. Matura am Stiftsgymnasium Admont; unabgeschlossenes Studium in Theologie, klassische Philologie und Germanistik.

    Redakteur der Kleinen Zeitung im Ressort Außenpolitik ab April 1991. 1994 Redakteur in der Chefredaktion, 1995 bis 1997 Chef vom Dienst, 1998/99 stellvertretender Chefredakteur, ab Mitte 1998 auch Verlagsleiter mit dem Aufgabenbereich Strategieentwicklung und Neue Medien.

    2000 bis 2001 Chef vom Dienst beim „Standard“.

    2002 bis 2004 stellvertretender Chefredakteur der „Presse“,
    September 2004 bis 2012 Chefredakteur der "Presse".

Hinweis

  • Der Inhalt von Blogbeiträgen spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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