18.07.2012
Beschnittene DebatteRot-Grün ist besser
22.10.2010 14:11 | fle
Alles, was nicht Rot-Schwarz ist, ist zwar in diesem Land auch ein Übel, aber eben das geringere Übel.
Die Koalitionsverhandlungen zwischen SPÖ und Grünen werden wohl mit einiger Sicherheit erfolgreich enden. Damit hätte Maria Vassilakou im insgesamt eher demütigenden Rennen zweier Frauen um die Gunst des Michael Häupl die Nase vorn. Christine Marek müsste dann mit der Höchststrafe rechnen: Parteichefin der Wiener ÖVP in Opposition. Das ist so etwas wie der politische Eintritt in den Karmeliterinnenorden, das Verschwinden aus der Welt, wie wir sie kennen.
Michael Häupl hat die richtige Entscheidung getroffen. Es konnte durch den Ausschluss der FPÖ von allen Überlegungen ja ohnehin nur eine Koalition der Verlierer werden. Nun ist es wenigstens nicht die Koalition der beiden allergrößten Verlierer. Und alles, was nicht Rot-Schwarz ist, ist zwar in diesem Land auch ein Übel, aber eben das geringere Übel.
Putzig sind die Schwarzen, die jetzt eine Art posttraumatische Rote-Socken-Kampagne starten. Rot-Grün sei "gefährlich" für die Stadt heißt es. Na geh. Als ob es inzwischen einen substanziellen inhaltlichen Unterschied zwischen dem grünen und dem schwarzen Sozialismus gäbe.
Das wirkliche Problem der Stadt, dass sie nämlich von Herrn Häupl und seinen Haberern als eine Art Genossenschaftseigentum der SPÖ verstanden wird, haben weder ÖVP noch Grüne im Wahlkampf auch nur annähern thematisiert, weil sie ja selber mit einer kleinen Beteiligung in diese Genossenschaft einsteigen wollten.
Jetzt machen also die Grünen das Rennen. Schlecht, aber besser.
Da die SP die Herrschaft über die Stadtbetriebe sicherlich nicht aufgibt, wird sich in Wien gegenüber dem bisherigen Zustand garantiert nichts verändern. Bloß der Lobautunnel wird in den nächsten fünf Jahren nicht gebaut. Aber wie soll der Wähler bemerken, dass etwas nicht vorhanden ist, was nie gefehlt hat?
Ansonst dürfen sich die Radfahrer vor noch mehr gefährlichen Radwegen fürchten, mit denen die Fahrzeit für Radfahrer drastisch verlängert wird, und in denen massenhaft hinterhältige, kaum erkennbare Gefahrenstellen eingebaut werden.
@modestus
Warten Sie nur, der incognito_ergo_sum wird sich rächen ;-)
Jetzt seien Sie aber nicht gar so pessimistisch, was die Zukunft der ÖVP betrifft. Vielleicht ist die unfreiwillige Oppositionsrolle trotz allem eine heilsame Nachdenkphase? Der Misserfolg kam ja nicht von ungefähr. Die ÖVP soll diesen Denkzettel des Wählers als Chance begreifen und sich nicht in Selbstmitleid suhlen.
Anbiedern bringt nichts, in welche Richtung auch immer. Gefragt sind ein erkennbares Profil, Authentizität und ein geradliniger Kurs. Und die Rückbesinnung darauf, dass die ÖVP sich ja als christlich-soziale Partei versteht. Oder ist das Schnee von gestern?
coitus ergo sum
da die grünen fast nichts in den koalitionsverhandlungen durchbringen werden, ist kuschen angesagt..sonst gibt es doch rot-schwarz...und diesmal müssen die grünen an den futtertrog...sonst laufen ihnen die wähler weg
@ka_sandra
ja natürlich...ich bin pragmatiker und daher realist.
die opposition hat uns noch nie regeneriert..egal ob bund oder landesebene..wir sitzen ziemlich in der tinte.
..und nein zerstritten ist in der reichsratstrasse niemand..noch gibt es wundenlecken und neu orientieren.
aber richtig ist, dass marek eine enttäuschung ist...und wenn sie nicht in die regierung kommt braucht sie gar nicht antreten...denn ihr ablaufdatum ist schon in sicht.
@modestus
Wo bleibt Ihr alter Kampfgeist? Aber möglicherweise sind Sie kein Schwarzseher, sondern ein Realist. Angeblich sind ja die Wiener ÖVP-ler momentan mehr zerstritten als die Grünen vor der Wahl.
Zu der angeblichen „Serviceleistung“ der SPÖ: Die ÖVP kann ja leider auf diesen offenkundigen Wahlbetrug der SPÖ nicht so empört reagieren, wie sie möchte, weil sie ja selbst einen Heissenberger als Klotz am Bein haben. Wer weiß, vielleicht ist er nicht einmal der Einzige; das diesbezügliche Unrechtsbewusstsein ist ja überhaupt sehr schwach ausgeprägt, quer durch die Parteien.
@Aaron
Da scheint was dran zu sein. In den letzten Tagen war von grüner Seite plötzlich nichts mehr zu hören von Wahlkartenbestellungen en bloc für Demenzkranke und die türkische Community.
Wenn die Basis für Rot-Grün tatsächlich ein derartiger Deal ist, dann frage ich mich, warum z.B. einem Peter Pilz dazu nichts einfällt, auch wenn sich die Wiener Grünen nicht gern von der Bundespartei dreinreden lassen.
Und wieso kuscht jetzt auch Margulies, der zuerst in einer Pressekonferenz zu Recht von einem Betrugsskandal sprach und als Beispiel die beantragte Wahlkarte für seine schwer demenzkranke Großmutter nannte? Lockt der Futtertrog gar so sehr?
Überhaupt: welche Beweise braucht man denn noch? Das, was in der Öffentlichkeit bekannt ist, sollte wohl genügen, dass sich die Staatsanwaltschaft einschaltet.
@ modestus
„daher werden die kommuniste in der wiener fraktion kuschen....margulies ellensohn..etc..“
Zu „Kuschen“ hätten die Fundis ja nur, wenn sie (wie anno 2002 mit Schwarz-Grün) gegen eine Koalition wären. Das ist diesmal nicht der Fall:
Der grüne nicht amtsführende Stadtrat David Ellensohn zeigt sich „erfreut, aber nicht verwundert“ von dieser Initiative, mit der die Grünen laut Ellensohn nichts zu tun haben. „Es gibt offensichtlich ein Bedürfnis nach Rot-Grün. Das ist nicht verwunderlich, denn die Stadt würde damit aufatmen.“ (siehe http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/603086/index.do?_vl_backlink=/home/panorama/oesterreich/index.do).
@ka_sandra
nein über die wahlwerbung wurde nicht abgestimmt
das ist sache der chefin...peppi pröll hat auch mitgequatscht und seinen presseheini verborgt.
dieser wahlkampf ging davon aus, dass man trotz verlusten in der regierung sitzt.
rot-grün kann gar nicht mehr schief laufen. ein zweites mal dürfen die grünen verantwortung nicht mehr ablehnen, daher werden die kommuniste in der wiener fraktion kuschen....margulies ellensohn..etc..
sie werden ihre seele verkaufen, wenn es sein muss..und diese koalition wird für häupl die billig-variante sein
...und nein..wir werden in der opposition nicht regenerieren sondern verkümmern...strache kann es besser...leider
Häupl hat sich deswegen für die Grünen entschieden, weil diese Beweise für Wahlbetrug der Wr. SPÖ in Händen halten.
Ach wie arrogant überheblich, hab ich in den letzten Monaten voller Überzeugung geschrieben, dass Rot-Schwarz in Wien fix ist und dann das! Da irrt man sich doch gerne.... mit dem geringeren Übel bin ich auf einer Schiene mit dem Fle!
@modestus
Fußschemel für Häupl, peinlicher Steigbügelhalter, Räuberleiter für den Rathausthron, Notnagel...... diese nicht gerade schmeichelhaften politischen Metaphern in den Medien sprechen Bände.
Aber sowohl Marek als auch Vassilakou haben sich förmlich überschlagen vor Eifer, diese Funktion übernehmen zu dürfen. Möglicherweise wird V. bald feststellen müssen, dass Häupl sie nicht als zwar lästigen, aber halt unvermeidlichen Fußschemel betrachtet, sondern eher als wohlfeilen Fußabstreifer.
Zur verschmähten Braut, die zu voreilig zur Hochzeit geladen hat: klar, dass die „beratungsresistente“ Marek sich jetzt wehrt; die Wahlkampflinie hat ja schließlich nicht sie alleine festgelegt, darüber wurde doch hoffentlich abgestimmt.
Also, wenn die Wiener ÖVP noch lange so weitermacht, ist sie bald die Pompfüneberei auf ihrer eigenen Leich. Aber vielleicht profitiert sie von der rot-grünen Koalition mindestens ebensoviel wie die FPÖ, um verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Ich hoffe es zumindest.
P.S.: Und trotz allem, solange die rot-grüne Koalition nicht wirklich fix ist, bleibt noch ein Rest Skepsis. Vielleicht ist alles nur ein taktisches Spielchen Häupls, um Marek bzw. die ÖVP handzahm und gefügig zu machen? Was, wenn im letzten Augenblick doch keine Einigung mit den Grünen zustandekommt???
Modestus, was sagt Ihr politischer Instinkt dazu?
@Schnabeltierfresser: dass die ÖVP sehr viel verlor, ist ja kein Geheimnis.
Aber dass die FPÖ ihr Kernpotential offensichtlich aus den Arbeiterbezirken holt, ist ebenso wenig verwunderlich.
M.W. nach konnte sie auch keinen Bezirkshauptmannsposten erringen.
@ kahuna
Äh ja, 10% der FPÖ-Wähler waren das letzte Mal VP-Wähler, das heißt allerdings, dass die ÖVP 20% (!) ihrer angeblichen Oberschicht-Wähler an die angebliche Unterschichtpartei verloren hat. Das ist kein Lercherschas.
@ka_sandra
die marek tut mir nicht leid....leid tut mir meine wiener vp
marek hat vor der wahl..unter anderem von mir....genug warnhinweise bekommen. sie hat aber stur an der freundlichen wahlwerbung, statt wahlKAMPF festgehalten.
die derzeitigen "ausreden"...machen ärgerlich.
es war die koalitionsansage vor der wahl, die uns 3% gekostet haben.
diesen shmafoo hat schon busek verzapft..ohne wenn und aber...warum lernt niemand aus fehlern??
Hi Modestus: Würde der Tom wenigstens sich mal hier auf "Der Presse" z.B. unter:
http://diepresse.com/home/politik/wienwahl/590230/index.do
umschauen, und die Wählerstromanalyse mental verarbeiten können, dann würde er sofort sehen, dass 24% der Neo-FPÖ-Wähler aus der SPÖ kamen während von der ÖVP es NUR 10% waren.
Bemerkenswert auch der Ex-Nicht- und Neo-Wähleranteil ist bei der FPÖ der größte (viele Protestwähler, die bei der letzten Wahl daheim blieben, wurden ermuntert, für die FPÖ zu stimmen).
Aber solche arithmet. Denkarbeiten ermüden unseren Tom zu sehr, daher ist es ersichtlich, dass er lieber bei seinen vorgefassten Plattitüden im Irrgarten seiner Ver(w)irrungen bleiben will.
Voll das Leben: Da muss man durch.
@kahuna
für tom93 gilt...
wer genug weit nach links geht kommt rechts wieder raus..
die differenz zwischen braungestrig und rotgestrig ist marginal
Das Kalkül der SPÖ, Hahn nach Brüssel zu schicken und somit die Wiener ÖVP endgültig zur Selbstzerfleischung zu animieren, ist voll aufgegangen.
PS: Tom93, Sie sind einfach nur mehr peinlich. Ein rotbrauner Kampfblogger, der sich mit "Menschlichkeitstiraden" zu kaschieren versucht.
Ihre antisemitischen Bestrebungen bleiben dennoch in Erinnerung.
Wenn es jetzt wirkliche eine rot-grüne Koalition geben wird, soll das heißen, dass Michael Häupl (der ja angeblich immer ein Befürworter einer rot-schwarzen Koalition war) nicht mehr lange im Amt bleiben wird und dass rot-grün schon ein Hinweis auf seinen möglichen Nachfolger ist? Gibt es da nicht schon irgendwelche Gerüchte in diese Richtung?
Christine Marek tut mir zugegebenermaßen leid, aber sie hat sich andererseits zu sehr in Sicherheit gewiegt und hat dies zu demonstrativ zur Schau gestellt. Wie war das doch mit dem Fell des Bären.....?
Das Geschenk für die FPÖ schlechthin.
Bei den nächsten Wahlen wird Strache sogar Haider überflügeln.
Diesmal mit der großen Hilfe von Rotgrün!
Ein Rechter sagt danke und Bussi an Qu.
Tja, so wie es aussieht haben wir zumindest in Wien eine kleine Abwechslung. Die Frage ist ja nur wer im Endeffekt der Stimmenbringer für viele Beschlüsse sein wird, die Häupl und Co durch bringen wollen. Jetzt machen die Grünen das Rennen. Glückwunsch! Jetzt können sie endlich in DER Koalition zeigen was sie können oder eben nicht können und vor allem wie ernst man sie wirklich nehmen darf.
Mal sehen. Momentan ist die österreichische Politik wie eine vegetarische Speisekarte. Ich finde mir nichts zu essen :P
MFG
Jo rechts so Tom: rechts von Dir darf es niemand geben.
Das erreichst Du leichter als wie Du denkst!
und wieder ein klassischer, primitiver "citoyen"-Kommentar
Ich habe große Bedenken. Von Frau Vassilakou ist bisher nicht durchgedrungen, ob sie über die erforderlichen Führungsqualitäten verfügt, die es brauchen wird, um an der Seite einer übermächtigen SP bestehen zu können. Wenn sie klug ist, geht sie mit kühlem Kopf und weniger mit Euphorie an die Sache heran, denn die Gefahr, dass es die Grünen zerwutzelt ist groß.
Der Chefredakteur ist weiterhin auf einem journalistischen Höhenflug; excellenter Artikel!
Den Tom kommentiere ich nicht, der sollte lieber bei seinen Gesinnungsfreunden im lachs-rosa Blatt bloggen...
@grummelbart
weil sie sagen ortner möchte keine staatlich gesteuerten prozess zur ghettobildung: er möchte aber ghettos, darauf laufen seine vorschläge hinaus. und offenbar ist es eben nicht natürlich, dass türken nur neben türken wohnen, sonst wäre es ja so in wien. und dass dem nicht so ist, zeigt ja die ganze absurdität von ortners denken auf. was er beklagt, durchmischung der wohnbev., ist eben das ergebnis der freiheit, die dieser heuchler sonst als sein hauptziel proklamiert. wenn aber menschen ihre freiheit nützen und dort hinziehen, wohin sie wollen, kommt der völkische rassist in ihm zum vorschein, und er beklagt, dass menschen mit "muslimischen hintergrund" neben "österreichern" wohnen.
ich erspar mir mal den hinweis, dass man 1938 in ortners geist agiert hat: trennung der juden von der übrigen wohnbevölkerung - damals mit gewalt. angeblich auch, weil diese "vermischung" nicht "natürlich" ist, in wahrheit, um den nazi-rassenwahn und ihre kranken vorstellung von der natürlichen ungelicheit der "rassen" endlich auch im stadtbild wirklichkeit werden zu lassen. denn das "fremde" lässt sich viel besser hassen, wenn es aus den augen, aus dem sinn ist - dann wird es erst wirklich "fremd". der nächste schritt war dann die deportation und die ermordung der so isolierten.
ein letztes:
konkret kann ja ortner auch nicht sagen, wie denn die von ihm erwünschte segregation eigentlich vonstatten gehen soll. wie will er denn anstellen, dass migranten in eigenen "vierteln" leben, und nirgends sonst? und welches problem wäre eigentlich dadurch gelöst?

