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Und täglich grüßt die Partei

09.10.2010 18:53 |  MaximilianBrustbauer

Spaziert man normalerweise durch die Straßen Wiens, so kann man sich sicher sein, niemand spricht einen an. In den letzten Wochen veränderte...

Spaziert man normalerweise durch die Straßen Wiens, so kann man sich sicher sein, niemand spricht einen an. In den letzten Wochen veränderte sich jedoch die Stadt grundlegend. Plötzlich wird man äußerst freundlich angesprochen. Es ist aber nicht ein wunderbarer Spätsommer, der dies verursacht. Nein, es ist der Wahlkampf, der uns diese harmonische Mitmenschlichkeit beschert. Aus der Anonymität der Großstadt wird schon eine fast dörfliche Dich-kenne-ich Stimmung und an jedem Morgen, wenn man in die Arbeit fährt, sagt sanft ein Spitzenkandidat: „Hallo, wie geht es Ihnen?“

Wir alle kennen diese Situation und da über die Spitzenkandidaten in den letzten Wochen ohnedies genug berichtet wurde, soll heute von jenen Menschen die Rede sein, die tatsächlich auf der Straße stehen. Es geht um die jungen Wahlhelfer.


-Die Kandidaten-

Für die Bürgermeisterpartei fand sich ein Student der Pflege- sowie Politikwissenschaft, Mathias Tötzl. Weil Wien „cool organisiert“ ist und „die SPÖ auch parteiinterne Kritik zulässt“, trat er 2008 ein, in die Partei, die damals noch vom Genossen Gusenbauer geführt wurde. Mittlerweile ist er zwei Jahre dabei und kämpft seine erste Wahl. Nicht jedoch um einen eigenen Posten zu ergattern, nein, er macht es aus dem Ideal, auf der richtigen Seite zu stehen, wie auch jeder andere der Wahlhelfer. Etwa Herwig Götschober von der FPÖ, für den es bereits sein vierter Wahlkampf ist. Gleichzeitig aber der erste, bei dem er selbst zur Wahl steht. Im zweiten Bezirk auf Listenplatz 12. Was ihn für die FPÖ gewann, war HC Strache, denn „er symbolisiert die Jugend“. Aber auch für den Vertreter der ÖVP, Stefan Speiser, war die Jugendlichkeit eines anderen ausschlaggebend sich zu engagieren. Sebastian Kurz, sie wissen schon, der aktuelle Landesobmann der JVP, „steht für Neues und Frisches“. Für Hildegard Schmalenberg vom BZÖ war hingegen die gesamte Partei mit ihren „neuen Ideen, Menschen und Meinungen“ ein Grund dieser eine Chance zu geben. Und so steht die BOKU-Studentin seit der Gründung im Jahr 2005 dem Bündnis bei, obwohl sie von sich sagt: „Mein Politikinteresse ist auf einer Skala von 1 bis 10 eine sieben.“. Für Helene Schönauer, mit ihren 16 Jahren die Jüngste der Fünf, war der Zugang ein etwas anderer. Sie lernte bei einer Debatte über Integration vor zwei Wochen Klaus Werner Lobo kennen und befindet sich erst seit einer Woche im Wahlkampf. Dafür aber äußerst engagiert. Denn die Schülerin ist nun täglich beim „Grünen Container“ am Schwedenplatz, selbstverständlich erst nach der Schule.


-Die Gemeinsamkeiten-

Was allen fünf Wahlhelfern gemeinsam zu sein scheint, ist, dass sie bereits in noch jüngeren Jahren im Elternhaus politische Diskussionen geführt haben. Dass sie nie in eine politische Richtung gedrängt wurden ist ihnen wichtig und mir, dass sich in den Gesprächen dennoch herausgestellt hat, dass die politische Heimat der Eltern sehr wohl mit jener der Kinder übereinstimmt.

Einigkeit herrscht auch im Bereich der Entlohnung: sie alle machen ihre Arbeit unentgeltlich und der „schon immer wirtschaftlich interessierte“ Stefan Speiser musste sich sogar die Tickets der Wiener Linien selbst bezahlen.


-Erlebnisse-

Aus dem Wahlkampf zu berichten wissen die Fünf einiges. Hildegard Schmalenberg kann sich oftmals „Nazi-Sprüche“ anhören und braucht dann schon einmal eine Zigarettenpause. „Die Leute wissen noch nicht, dass wir nichts mit den radikalen Rechten zu tun haben, aber es wird besser.“ Ironie ist dann, wenn Helene Schönauer berichtet, dass sie Sätze hört wie „Moslemfreund, schleich di!“. Ihre Grundstimmung bleibt indessen gut, aber „die Partei sollte sich nicht selbst zerstören, wie im 7. Bezirk“. Von solchen Dingen wissen die Vertreter von SPÖ, ÖVP und FPÖ nicht zu erzählen. Sie scheinen in lichten Höhen zu fliegen. Wenn Stefan Speiser nächtens „geil unterwegs“ ist, macht es ihm und seinen Wahlhelferobjekten Spaß. „Negatives? Nein, nein.“, sagt der BWL-Student. Mathias Tötzl erlebt ebenfalls nur Positives. „Manchmal ist man wahlkampfmäßig nicht erfolgreich und konnte nicht überzeugen, aber menschlich ist man immer erfolgreich!“ Und Herwig Götschober ist Stolz darauf, dass er „einmal sogar zwei Mädchen mit Migrationshintergrund von den freiheitlichen Ideen überzeugen konnte“.

Im Freundeskreis geht es dann aber nicht so einfach. Die anfängliche Skepsis, warum man sich eigentlich für eine Partei verpflichtet, ist bei einigen in Interesse umgeschlagen und Hildegard Schmalenberg musste auch schon auf Fragen wie „Komm schon, wie würdest du mich überzeugen?“ antworten. Manche der Erstwähler in Helene Schönauers Klasse finden ihr Engagement hingegen „einfach blöd“.

Unisono sagen alle, dass ihre privaten Bekanntschaften nicht durch Politik beeinflusst werden. Dass manche ihrer Freunde eine andere Partei wählen als sie selbst, stört nicht. Und so können alle Fünf nach der Wahl wieder junge, selbstständige Menschen sein.


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