"Die Studierenden sollen zahlen!"
18.10.2010 15:54 | MaximilianBrustbauer
An der Wiedereinführung von Studiengebühren wird kein Weg vorbeiführen. So war heute auf der Titelseite der Presse zu lesen. Hinzu kam ein...
An der Wiedereinführung von Studiengebühren wird kein Weg vorbeiführen. So war heute auf der Titelseite der Presse zu lesen. Hinzu kam ein Modell des "renommierten Hochschulforschers Hans Pechar", sein Lösungsvorschlag: "der Staat muss überlegen, welchen Bedarf es abzudecken gelte". Sehr schön formuliert, diese Forderung nach Platz- und Zugangsbeschränkungen.
Zwei Gedanken möchte ich hierzu anbringen:
- Dass es heute nicht mehr so ist, dass beispielsweise Philosophieabsolventen Philosophen werden oder Wirtschaftsabsolventen in der Wirtschaft arbeiten, ist doch bekannt. Gründe können der Zufall des Lebensweges sein oder persönliches Interesse, nach der Absolvierung des Studiums oder was auch immer, es geht niemanden etwas an. Wenn dann der Staat aber sagt: in 20 Jahren brauchen wir eine Anzahl von X Ärzten, so wird man die Zahl der Studierenden pro Jahr auf dieses Ziel ausrichten. Was passiert aber, wenn von diesen X Absolventen 10 oder 20 Prozent diesen Beruf nicht ausüben werden? Sollen die Menschen in die Pflicht genommen werden ihre "Pflicht zu erfüllen"?
- Ein Mitglied jener Generation, die vom freien Hochschulzugang profitiert hat, seine heutige Stellung diesem Umstand überhaupt erst verdankt, will genau jenes Modell abschaffen? Warum? Warum soll meine Generation auf etwas verzichten, was sich der Staat vor Jahren leisten konnte seinen Bürgern zur Verfügung zu stellen? Ein Staat, der seit DAMALS wirtschaftlich gewachsen ist, eine Gesellschaft, die seit DAMALS reicher geworden ist, konnte sich DAMALS sogar leisten, einen größeren Prozentsatz des BIPs der Bildung zur Verfügung zu stellen!
Erst dieses System hat die Gesellschaft zu dem gemacht, was sie heute ist und den Staat wirtschaftlich wachsen lassen; nun soll dies beschränkt werden?
Liebe Annemarie;
Die Selektion vor dem Studium hat so ihre Tücken, da geb ich Dir recht; auch, dass eine begrenzte Zahl von Studienplätzen zu einer gewissen Reluktanz führen kann, die aufgenommenen Studenten durchfallen zu lassen, mag vereinzelt stimmen.
Andrerseits: Auch ich kenne eine Studentin an der VetMed, die mir von diversen Horror-knock-out Prüfungen in der Mitte des Studiums erzählt hat, bei denen sich entscheidet, auf welches Fachgebiet man sich weiter spezialisieren kann - und das kann dann doch nicht sein, dass man - aufgrund von Platzmangel - mitten im Studium erneut eine derartige Prüfung über sich ergehen lassen muss.
Zahlreiche der derzeit bestehenden Probleme an Unis sind eben darauf zurückzuführen, dass - da es keine "offizielle" Studienplatzbeschränkung gibt - man mit anderen Mitteln versucht, die Studentenzahl, die es in den zweiten Abschnitt schafft, möglichst klein zu halten. Knock-out Prüfungen sind da ein probates Mittel - die haben im Übrigen auch den "netten" Nebeneffekt, dass es gerade Studenten aus sozial schwächeren Familien es sich doppelt überlegen, noch einmal anzutreten - weil sie es sich eben NICHT leisten können, ein Semester zu verlieren.
Insofern: Begrenzungen der Studentenzahl, EIngangsprüfung, dann aber ordentliche Ausfinanzierung der Studienplätze mit Stipendiensystem. Sorgt für soziale Durchlässigkeit (da diejenigen aus sozial schwachen Familien ordentlich finanziert werden), keine Knock-.Out Prüfungen mehr, und höhere Standards.
Ah ja: Die Eingangsprüfung mag nicht viel über den späteren Erfolg als Arzt aussagen - aber sie sagt etwas über die Fähigkeit aus, sich mit größeren Stoffmengen zu beschäftigen, das erlernte Wissen anzuwenden und mit Stress umzugehen. Und die Leute, die Medizin "halt so" studieren wollen, und anderen Leuten Plätze in Vorlesungen und Übungen versitzen, fallen auch raus.
mfg
Grummel
Lieber Grummel.
Glaubst du, dass strengere Selektion vor dem Studium bessere Ärzte garntiert?
Du hast hinsichtlich der Frage nach dem Preis einer Ausbildung wohl recht, aber die Kriterien nach welchen selektiert wird halte ich für fragwürdig. Die Qualität des Arztes hängt ja wohl nicht nur mit räumlichen Vorstellungsvermögen und Kurzzeitgedächtnis zusammen.
Dazu noch ein Hinweis auf die Beschwerden eines Bekannten von mir (Veterinärmediziner) der sich darüber beschwert, dass die Qualität der Lehre, oder viel mehr das Wissen der Studierenden an der VetMed abgenommen hat, seit man nur noch eine beschränkte Zahl Studierender aufnimmt. Und zwar deshalb, weil man es sich kaum leisten will, die sogenannte Elite durchfallen zu lassen. Wohl auch, weil bestehende Kapazitäten, auf welche man auf die Zahl der Aufgenommenen ausgerichtet hat, sonst gar nicht ausgenutzt werden könnten.
