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In Österreich die Unis - in Deutschland das Atom

06.11.2010 15:22 |  MaximilianBrustbauer

Gehen in Österreich Tausende für die Verbesserung des Bildungssystems auf die Straße, so ist es in Deutschland die Anti-Atom-Bewegung, die die...

Gehen in Österreich Tausende für die Verbesserung des Bildungssystems auf die Straße, so ist es in Deutschland die Anti-Atom-Bewegung, die die Menschen auf die Straßen treibt. 

30.000 bis 40.000 sollen es sein, die bei der großen Demonstration in Danneberg im Wendland ein Zeichen setzen wollen. So viele wie noch bei keinem Castor-Transport zuvor! Seit Stunden sind die Zufahrtsstraßen verstopft - die Busse mit den Aktivisten stehen im Stau, bis zu 45 Kilometer. Über 600 Traktoren, von Bauern aus dem Wendland, rollen ebenfalls auf den Kundgebungsort - teils mit der ganzen Familie im Führerstand und eine sogar mit dem Großvater auf einer Hebebühne. Auch Politiker der Opposition befinden sich unter den Demonstranten.

Organisiert wird der Ablauf der Tage (am Montagmorgen sollen die Behälter mit 154 Tonnen Atommüll Gorleben erreichen) von vielen Gruppierungen. In einem kleinen Dorf auf der Strecke (Metzingen) haben die Bewohner ihre Häuser den Aktivisten zur Verfügung gestellt - ein ganzes Dorf, das Widerstand leistet. Eigentlich ist das ganze Wendland jedoch in Bewegung. Und noch viel weiter sind die Zeichen zu sehen. In Berlin finden sich überall Aufkleber, Plakate, Schriftzüge, die zur Mobilisierung aufrufen.

Mich überrascht diese, ja, beinahe, gesamtgesellschaftliche Geschlossenheit. Sind es zwar vor allem junge Menschen, die mit ihren teilweise in strafrechtliche Grauzonen vorstoßenden Aktionen versuchen den Zug zu stoppen (von einer Gruppe, die sich "Castor Schottern" nennt, wird versucht werden, den Schotter unter den Schienen zu entfernen), so nehmen aber doch alle Schichten der Bevölkerung an den friedlichen Protesten teil.

Hier, an diesen Tagen, erkennen ALLE die Bedeutung der Thematik für ALLE! Niemand kann ausgeschlossen werden oder sich selbst davon ausschließen. Die Atomenergie strahlt für uns alle! In Österreich, in der Bildungsdebatte, wird versucht die Teile der Gesellschaft gegeneinander auszuspielen. Alt gegen jung - Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer - etc. Es muss aber jedem/r klar sein, dass weniger Geld für Bildung heute, in der Zukunft uns auf den Kopf fallen wird. Wer sagt: "Das betrifft mich nicht!", der ist schlecht informiert. In der Atomfrage, als auch in der Bildungsfrage!

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6 Kommentare
Gast: 'MaximilianBrustbauer'
12.11.2010 14:54
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man darf es sich aber auch nicht zu einfach machen mit den Nobelpreisträgern; In der Monarchie lebten knapp 53 Millionen Menschen und Wien als Zentrum hat dann natürlich die besten Köpfe angezogen; da konnte man aus einem größerem Pool fischen; sie können ja auch nicht die deutsche mit der österreichischen Bundesliga vergleichen; da liegt der Qualitätsunterschied sicherlich nicht bloß an der Strukturierung; hier also nur die Keule des freien Hochschulzugangs zu schwingen ist wenig sinnvoll in einer solchen Debatte; der Blick sollte etwas weiter gefasst sein;
zum Bildungsbegriff: wir können uns jetzt endlos unsere privaten Definitionen von Bildung und Ausbildung an den Kopf werfen; allen ist aber gemein, dass sie durch Bildung der Mensch zum Reflektieren angeregt werden soll, reflektieren von sich, von anderen und der von Welt;
die Bildung-Geld-Klammer; da fällt mir nichts drauf zu antworten ein;

die Debatte war bis jetzt ja ganz interessant, aber wenn Sie jetzt mit solchen Beispielen wie Rom, Habsburgermonarchie oder einem Asteroidenabwehrsystem kommen und dann noch so einfach hingeknallte Adjektive wie "leistungsfeindliche" verwenden, die noch dazu unerklärt bleiben, dann können wir auch aufhören.

Gast: 'MaximilianBrustbauer'
10.11.2010 20:30
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@Murray: dass es neben der Atompolitik noch andere Dinge gibt, die Deutschland beschäftigen, kann man ja nachlesen; das ist kein Geheimnis; dass die größte Demonstration seit Beginn der Anti-Atom-Bewegung aber ein Indiz dafür sein soll, dass ihnen das Thema egal ist, kann ich nicht nachvollziehen;
also Bildung und Atompolitik sind keine Themen, die alle betreffen?

@Grummelbart: erster Absazt: gebildet sind in ihren Augen also nur Philosophen? Sie als Jurist sind also ungebildet? auch ein Wirtschaftler etc.? wissen Sie was ich meine?
zweiter Absatz: wenn sie sagen, dass mein Vergleich im Text an vermessen ist, dann ist ihrer mit Lorenz und dem freien Hochschulzugang plump;
dritter Absatz: die Studienbedingungen sind nicht gut; das sagt jeder, sogar die Ministerin;
vierter absazt: zu viele pferde und zu wenig wasser; diese Mechaniker sind ihnen also intellektuell nicht Satisfaktionsfähig, aber ein Auto können sie reparieren, und das ist auch keine Bildung? sie haben es schon längst abgeschrieben, ihre Bildung hat nicht ausgereicht, deren aber schon; was ist denn das bitte?
fünfter Absatz: die ersten 10 Wörter möchte ich unterstreichen;
sechster absatz: ich bin froh darüber, dass Sie noch so eine schöne Kurve gezogen haben; die aussage des ganzen absatzes ist toll, aber wie sie diesen hergeleitet haben, dem kann ich nicht viel abgewinnen; das soll meinen leichten unterton der ersten fünf absatz kommentierungen etwas an kraft nun nehmen;
wir haben uns ja jetzt doch schon einige male inhaltich getroffen, die wege, die wir beschreiten, sind aber immer wieder, äußerst interessante und spannende punkte, an denen es kracht;

und damit ich auch am Schluss wieder zurückkomme: Bildung und Atompolitik sind keine Themen, die alle betreffen?

Gast: 'Murray'
10.11.2010 16:47
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Deutschland hat so an die 80 Millionen Einwohner. 30.000 bis 40.000 davon demonstrieren gegen das Endlager Gorleben. Ist eigentlich nicht wirklich überwältigend, sondern eher recht mager. Ich würde diese Teilnehmerzahlen eher als Indiz dafür werten, dass die Deutschen im Moment andere Sorgen haben. Wenn die Deutschen keine Kernkraftwerke haben wollen, weil ihnen das damit verbundene Risiko nicht tragbar scheint und sie lieber die ökonomischen und ökologischen Mehrkosten der anderen Energieformen tragen, dann sei ihnen das unbenommen. Nur muß diese Entscheidung demokratisch legitimiert sein, und zwar durch ein größeres Quorum als 0,5 Promille der Bevölkerung.
Der Zusammenhang mit Studentenprotesten in Österreich ist an den Haaren herbeigezogen. In beiden Fällen demonstriert jemand, damit hat es sich aber schon.

Gast: 'MaximilianBrustbauer'
08.11.2010 01:11
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Sie haben jetzt oft gesagt, der Vergeleich sei vermessen; nun:
- Was bei den Studierendenprotesten unter den Tisch fällt und auch von Ihnen nicht erwähnt wird, es sind nicht nur die Studienbedingungen um die es geht; es geht generell um Bildung; Bildung, in all den Formen, bedingt doch Wachstum, Fortschritt, Wirtschaft, etc. und das betrifft dann sehr wohl alle Mitglieder einer Gesellschaft; auch wenn einige das vielleicht nicht sehen wollen oder können; "in 100 Jahren wird kein Hahn mehr danach krähen, wie heute Studierende studiert haben" - wir beide wissen vermutlich wie vor 100 Jahren der Universitätsbereich gebildet hat; und wir beiden wissen auch, dass das schlecht war; es war sehr einengend; keine Frauen, undurchlässiges System, usw.; von den Veränderungen haben wir alle profitiert; jene, die nun an Bildung teilnehmen und jene, die es vielleicht auch nicht tun; das ist meines Erachtens unbestreitbar;
- dass der Vergleich hinkt oder vermessen ist; naja, es ist ja auch schwierig zu vergleichen; in Deutschland nehmen aus allen Schichten Menschen teil - an der Diskussion über diese Endlagerung; in Österreich - in der Bildungsdebatte -, sie schreiben es selbst, interessiert es viele nicht; weil sie glauben, dass "es sie nicht einmal peripher berührt"; dass das aber nicht stimmt, soll der Vergleich zeigen;
- die Auswirkungen, da haben Sie recht, die sind natürlich unterschiedlich, läuft in der einen Sache etwas schief, bleiben keine Menschen mehr übrig; läuft in der anderen Sache etwas schief, bleiben die Menschen einfach nur dumm;

Gast: 'MaximilianBrustbauer'
06.11.2010 15:20
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Ich vermute, dass Sie das nicht so gemeint haben, aber man kann es so lesen; also reagiere ich mal so darauf: Die Menschen demonstrieren nicht gegen einen Atomkraftswerksunfall à la Tschernobyl, sondern dagegen, dass über Jahrtausende strahlendes Material produziert wird. Erst vor kurzem konnte man lesen und hören, dass Endlager, die für Tausende Generationen hätte halten sollen, so ausgeleget waren, nach 40 Jahren schon erneuert werden müssen. Ein amerikanisches Sprichwort sagt: You don't shit where you eat!

Gast: Mister XY
06.11.2010 15:05
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Lieber Herr Brustbauer! Das hast du echt gut geschrieben - du vergisst dabei aber das die Leute die Widerstand keine Ahnung von dem haben, gegen das sie demonstrieren. Man nimmt als abschreckendes Beispiel immer Tschernobyl - Tschernobyl kann aus technischer Sicht gar nicht mehr passieren! Die Katastrophe von damals waren Konstruktionsfehler - Ein alter Reaktor der zudem den netten Nebeneffekt hatte, viel waffenfähiges Plutonium zu erbrüten.
Interessanterweise sind genau die die demonstrieren und laut schreien, genau die, die es dann trifft wenn Strom teuerer wird und vermutlich auch genau die, die dann gegen , was weis ich, Abgase aus Kohlekraftwerken demonstrieren - echt super.

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