Reisevorbereitung

Die Bewerbung ist draußen. Nachdem ich mich eigentlich gar nicht trauen wollte.

„Egal was passiert, eine gute Erfahrung ist diese Bewerbung allemal, schließlich habe ich mich getraut, bin über meinen Schatten gesprungen, habe meine Comfort-Zone verlassen“, sage ich mir immer wieder.

Aber es klappt und ich bin eine Runde weiter. Das Onlinevoting überstehe ich auch und da wird es plötzlich ernst. Ich will ja wirklich nach Thailand und dort über die Identitätskrise der pattani-malaiischen Minderheit im Süden des Landes recherchieren. Ich will zeigen, dass Thailand mehr als nur eine Touristendestination ist. Der Frage nachgehen, warum den muslimischen Einwohnern der Pattani Provinz das Recht auf die eigene Sprache verwehrt bleibt. Herausfinden, was es für Menschen bedeutet, sich auf der „falschen“ Seite der Grenze wieder zu finden, sich einem Staat ethnisch, sprachlich und religiös nicht zugehörig zu fühlen.

Und warum es oft zu blutigen Auseinandersetzungen mit Truppen der tahiländischen Regierung kommt.

Was folgt sind Recherchen, Schreibproben, Recherchen, Erstellen von Präsentationen, Recherchen, Recherchen.

Und dann der Tag des Hearings: Skype überbrückt die Distanz zwischen der Presse-Redaktion und meiner Unterkunft in Washington D.C, wo ich gerade ein Praktikum an der österreichischen Botschaft absolviere. Ich präsentiere meine Ideen, beantworte Fragen, erzähle von meinen Reiseplänen. Es läuft gut, ich bin zufrieden.

4 lange Stunden später: Mein Telefon klingelt, Thomas Seifert ist am Apparat.

„Ich habe gute Neuigkeiten“.

Was als eine Bewerbung für ein Praktikum begonnen hatte, wird plötzlich eine Vorbereitung für meine allererste Reportagereise. Während ich noch in Amerika bin, kommunizieren Thomas Seifert und ich via Mail und Skype. Tauschen Ideen aus, suchen Kontaktpersonen, diskutieren Geschichten. Zurück in Wien, beginnt unsere Reportagereise Form anzunehmen. Über einen meiner ehemaligen Professor finden wir unsere Dolmetscherin Rungrawee, die jahrelang als Journalistin für die englischsprachige Zeitung „The Nation“ in Bangkok gearbeitet hat und als Researcher für die International Crisis Group im Süden des Landes unterwegs war. Sie versorgt uns mit Ansprechspersonen, neuen Ideen und viel Expertise. Telefonate nach Bangkok, Skype-Unterhaltungen mit Rungrawee, viele, viele Mails und Interviewanfragen folgen. Neben der Reportage im Süden werden wir auch andere Geschichten aus Thailand mitnehmen (denn in 12 Tagen lässt sich ja so einiges unterbringen). So wollen wir uns ansehen, wie nachhaltige Palmöl-Produktion in der Nähe des James Bond Felsen in Krabi funktioniert.Wie die größten Festplattenhersteller des Landes auf unterbrochene Versorgungsketten in Folge der massiven Überschwemmungen rund um Bangkok reagieren. Wie sich die thailändische Regierung gegen neue Überflutungen wappen will. Und wie sich die Champions des Thaiboxens im Ring schlagen.

Und morgen um diese Zeit sind wir bereits in Bangkok.

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