Bank Run: Es gibt mehr "Eigentümer" von Gold, als es Gold gibt

02.05.2013 13:34 |  von Nikolaus Jilch

Papiergold ist kein Grund zur Sorge. Normalerweise. Aber was passiert, wenn das zugrundeliegende Gold "verschwindet" - so wie derzeit?

"I say, a travel to London will offer much education, as the “city” trades more gold than exists!" - Another, 1998

 

Schöne Grüße aus London, der Stadt aus der der Goldpreis kommt! Das einleitende Zitat stammt von "Another". Wer hinter diesem Pseudonym stecken könnte ist bis heute unklar, sicher ist nur: Ende der 90er-Jahre hat "Another" im damals einzigen Goldforum des Internet eine faszinierende (Insider)Perspektive auf den Goldmarkt eröffnet. Sollten Sie in Ihrem Leben nur einen Text zum Thema Gold oder Geld lesen, lassen Sie es "Another" sein - es wird sich lohnen. Er und seine Nachfolger "FOA" und "FOFOA" können weit mehr zum Verständnis des Goldmarktes beitragen, als die meisten anderen "da draußen" - mich selbstverständlich eingeschlossen.

Die "Schriften" von Another werden (mit gutem Grund) immer wieder auftauchen in diesem bescheidenen Goldjournal - auch weil die von ihm präsentierten Theorien heute aktueller scheinen denn je. Nehmen wir den kleinen, aber feinen Unterschied zwischen "Papiergold" und "physischem Gold". Wie in meinem letzten Eintrag erwähnt, werden "an den Märkten" heute rund 2300 Tonnen Gold gehandelt - mehr als die Minenproduktion eines Jahres und zwar täglich (davon der Großteil an der London Bullion Market Association, wo all die "bösen" Over-The-Counter-Derivatives "gecleared" werden und auch das "Goldpreisfixing" vorgenommen wird).

Nun wird da freilich nicht tonnenweise Gold hin- und hergeschoben. Der Goldmarkt ist wie die Rohstoffmärkte zuallererst ein "Papiermarkt". Und das ist kein Grund zur Sorge! Zumindest nicht in "normalen" Zeiten. Viele Leser haben mich darauf hingewiesen, dass die Existenz von "Papiergold" alleine, also die Spekulation, kein Problem darstellt. Schließlich gibt es für jeden Verkäufer auch Käufer - und das ist absolut richtig!

Die Spekulation in "Papier" hat wahrscheinlich sogar einen stabilisierenden Effekt auf den Markt - weil sie das Volumen und die Anzahl der Marktteilnehmer erhöht. (Bei Nahrungsmitteln ist das übrigens ganz ähnlich - entgegen der populären Behauptung, "Spekulanten" würden für Hunger sorgen - aber das gehört hier nicht hin.)

 

Wertspeicher - aber kein Rohstoff

Gold ist eben kein Rohstoff. Es wird kaum verbraucht - und was verbraucht wurde, wird später wiederverwertet. Gold wird von seinen Käufern oft als Geld, in allen Fällen aber als transportabler, beständiger, teilbarer und universell akzeptierter Wertspeicher gesehen - es steht auf einer Stufe mit Kunst, Antiquitäten und teuren Immobilien (nicht etwa mit Fonds, Bausparern oder Anleihen) - mit dem wichtigen Unterschied, dass es für jeden erschwinglich ist. So ein (nachgeprägter) Dukat aus der Kaiserzeit kostet derzeit keine 150 Euro.

Aber warum erzähle ich das alles? Es geht, wie erwähnt, um den Unterschied zwischen "echtem" Gold "in der Hand" - und "Papiergold" - das immer nur eine Forderung an eine Gegenpartei darstellt. Ist das "Eigentum" vor dem Recht? Ja.

Aber dieses "Papiergold" (egal ob in der Form von Futures oder als Investment in einen der beliebten ETFs) ist heute nichts anderes, als eine Papierwährung - die (und das ist der springende Punkt) zu vielen verschiedenen Preisen an Gold gebunden ist - zu so vielen Preisen, wie es eben Kontrakte gibt. In anderen Worten: es gibt mehr "Eigentümer" von Gold, als es Gold gibt!

Auch das ist weder neu noch schockierend, "Goldzertifikate" waren ja der Ursprung des heutigen Papiergeldes (das bis 1971 mehr oder weniger an Gold gebunden war). Bei den "Bank Runs" des 19. Jahrhunderts (deren Häufigkeit zur "Erfindung" der Zentralbanken beigetragen hat) ging es genau darum: hatte eine Bank zu viele "Goldzertifikate" (Papiergeld bzw. Papiergold) ausgegeben und war in Verruf geraten, stürmten die Halter dieser Zertifikate die betreffende Bank - aber nur die glücklichsten bekamen noch ihr "echtes" Gold.

Und das ist sehr wohl Grund zur Sorge. Wir haben in den letzten Jahren viel von "Bank Runs" und "schleichenden Bank Runs" gehört. Dabei ging es meist um griechische, spanische oder zypriotische Banken, deren Kunden aus Nervosität immer mehr ihrer Einlagen abheben. Aber bei diesen "Bank Runs" funktioniert die geschichtlich gesehen relativ neue Einrichtung "Zentralbank" problemlos. Als "Lender of last ressort" versorgen die Zentralbanken die Geschäftsbanken mit "Papiergeld" - bei einem "modernen Bank Run" muss kein Kunde fürchten, "zu spät" zu kommen.

Was wir aber derzeit bei den Großkunden der Bullionbanken (jenen Großbanken, die das internationale Goldgeschäft dominieren) sehen, kommt einem "klassischen Bankrun" gleich - physisches Gold wird in noch nie da gewesenem Ausmaß abgezogen. Und zwar nicht erst seit gestern, sondern seit mehr als zehn Jahren (in denen wir den Goldpreis haben langsam steigen sehen). 

Vieles spricht jedoch dafür, dass der "Goldpreiscrash" von vor drei Wochen das letzte Kapitel dieses "Bank Runs" eingeleitet hat. Und dass die Münz- und Barrenhersteller weltweit von stark angezogener Nachfrage berichten (und sogar von Lieferschwierigkeiten) ist nur die "Spitze des Eisbergs". Die entscheidende Front ist an "den Märkten" - wo die "dicken Fische" sitzen. Und dort wird der Unterschied zwischen "Papiergold" und "physischem Gold" jetzt plötzlich in aller Offen- und Gelassenheit in den debattiert.

 

OH NO, where does teh Gold go?

Nehmen Sie dieses Bloomberg-Interview mit CME-Chairman Terry Duffy, dessen Firma immerhin die New Yorker Edelmetall-Börse Comex betreibt, aus der (Sie haben es erraten) zunehmend physisches Metall abgezogen wird. 

"Als wir den Crash hatten, haben wir einen Abverkauf bei allen Gold-Papieren und Gold-Produkten gesehen. Aber was nicht abverkauft wurde waren Goldmünzen, echtes greifbares Gold. Das zeigt Ihnen, dass die Leute keine Zertifikate wollen - oder irgend was anderes. Sie wollen das echte Produkt", so Duffy (übersetzt).

Und weiter: "Ich glaube Münzen haben wahrscheinlich mehr Wert als irgendwas anderes."

Die zweite entscheidende Front in der Schlacht Papiergold gegen physisches Gold ist der GLD-Fonds, ein "Exchange Traded Fund", der es (westlichen) Investoren ermöglicht "eine Position" in Gold per Mausklick zu eröffnen. Es ist anzunehmen, dass zumindest ein Teil der GLD-Käufer in der Annahme sind, Gold "zu besitzen" wie sie Anteile an Apple besitzen wenn sie Aktien halten. Auch aus diesem Fonds "verschwinden" derzeit große Mengen physischen Goldes.

Die dritte (und letzte) Front in dieser Schlacht wird wohl die LBMA in London sein, wo der Großteil des "Papiergoldes" gehandelt wird. Nochmal zum Abschluss: Dass "Papiergold" existiert ist kein Grund zur Sorge und dass es in großem Volumen gehandelt wird auch nicht. Was aber Grund zur Sorge ist: wenn das Volumen kleiner wird. Und wenn physisches Gold vom Markt verschwindet.

"You see, when paper trading ( of anything ) volume dries up it's a bearish sign but when real physical gold volume drops it's bullish! Thats because gold is being cornered on a scale never seen in history." - Another, 1997

 

PS.: "A good read" zum Thema Papiergold bei FOFOA: "Fallacies - 1. Paper Gold Is Just Like Paper Anything"

PPS: User "iason" hat geschrieben:

"Handelbar ist alles Gold dieser Welt, also 174.000 to. Ist nur eine Frage des Preises!"

Ich würde sagen: das stimmt! Wobei jene 20 Prozent des "Goldstocks", die allgemein als "Investmentgold" klassifiziert werden, wahrscheinlich (derzeit) der Bereich mit der "höchsten Liquidität" am physischen Markt sind.

Und weiter: "Nicht einmal 1,5% des existierenden Goldes werden täglich gehandelt. Da sehe ich nichts Ungewöhnliches. Wie viele Papier- Währungen werden täglich gehandelt?"

Genau! Ich hoffe dieser Eintrag konnte ein wenig Licht auf die "Papiergold-Sache" werfen. Dass es existiert ist kein Problem. Aber wenn die Verlässlichkeit des Marktes "in Frage" gestellt wird - das ist "ein Problem".

 

38 Kommentare
 
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Short squeeze

Es gibt sehr viele Halter/Long Positionen von Papiergold. Folglich gibt es sehr viele Lieferverpflichtete/Short Positionen.

Wenn der Goldpreis irgendwann stark steigen wird, werden die Shorts ihren Lieferverpflichtungen nicht nachkommen können, da sie meist das Gold gar nicht besitzen, das sie verkauft haben.
Folglich wird Papiergold wertlos während physisches Gold in der kommenden Krise massiv an Wert gewinnen wird.

Was ist der "Preis"?

so so also nördlich von $50K...
Was bedeutet denn eigentlich "Preis"? Das ist die Geldmenge des letzten erfolgreichen Treffens von Bid&Ask.
Aus meiner Einstellung zu meinem persönlichen langfristigen Goldsparplan kann ich nur soviel sagen: Ich weis nicht, ob ich bei $50K verkaufen würde (vermutlich nicht, denn ich kaufe Gold nicht als Spekulationsobjekt). Aber eines weis ich 100% sicher: Ich würde definitv niemals bei diesem Preis kaufen, also bei rund den 30-60fachen Förderkosten, nene, nicht mit mir, dann stapele ich doch lieber wieder vermehrt Silber. Und das ist die Frage die sich jeder Goldbug ehrlich stellen sollte: Würde er auch bei >50K kaufen.
Fazit: Eine stabile dauerhafte Preisfindung wird bei >$50K definitiv nicht zustande kommen.
Gruß, AD

P.S.
ANOTHER hat auch recht viele lustige wirre Vorhersagen gemacht, einfach mal suchen zu Japan oder zu Norwegen... alles 100% voll daneben, sowas von daneben, dass hätte mein Goldhamster besser hingekriegt ;)
P.P.S.
Und da FOFOA wohl auch obiger Zusammenhang bzgl. Förderkosten bewußt ist, hat er sich eine lustige Ausrede ausgedacht: Alle Minen weltweit werden verstaatlicht und nicht nur das, die Staaten werden den Preis dann so weit oben stabil halten, also so eine Art globale Freegold Planwirtschaft.

Re: Was ist der "Preis"?

Würden sie 50.000$ für eine Unze zahlen?

Wenn der "neue" Preis um die 50.000$ ist, wie im FOFOA Szenario beschrieben, und man 50.000$ anlegen/ sparen/ speichern will, warum nicht? Man weiß ja, dass man es auch wieder zu einem ähnlichen Preis verkaufen kann.

Ich sehe hinsichtlich des Spargedankens da eigentlich keinen Unterschied, ob die Unze 1500 oder 50.000 kostet.

Für die breite Masse der Sparer werden dann natürlich die Stückelungen maßgeblicher sein.

Übrigens auch ein sehr interessanter Aspekt im FOFOA Blog. Gold ist nicht Mengen- sondern Preisorientiert. Wenn jemand eine Tonne Kupfer braucht, dann kauft er eine Tonne (weil er sie braucht), "egal" was sie kostet (Beispiel Industrie).

Gold kauft jemand, der 100.000$ anlegen/ sparen will. Wieviel Goldmenge das ist, ist eigentlich egal.

Re: Re: Was ist der "Preis"?

"Ich sehe hinsichtlich des Spargedankens da eigentlich keinen Unterschied, ob die Unze 1500 oder 50.000 kostet.
....
Übrigens auch ein sehr interessanter Aspekt im FOFOA Blog."

Genau, und wenn das alles so wäre wie FOFOA das erzählt (insbesondere der "inverted Waterfall" während/nach der "Revaluation"). Was gibt es dann überhaupt noch für einen Grund Gold zu kaufen, wenn der nominelle Zuwachs dann lediglich genau der gleiche ist wie die Zinsen auf dem Sparbuch? Selbst als überzeugter Goldbug: Wenn diese la-la-Freegold-Welt(*) so eintritt, ich würde kein einziges Gramm Gold mehr halten. Wofür?
Gruß, AD

(*) Genau Beschreibung zu finden bei FOFOA "How is it different". u.a. "Prudent lending standards, meritocracy...."

Re: Re: Was ist der "Preis"?

Wichtig: die 50K sind (wie erwähnt) nur eine Arbeitshypothese - und: IMMER USD!! FOFOA geht von einem weitaus stabileren Euro aus, in dem der Goldpreis im Falle eines 50K-USD-Preises in die Gegend von 3-5K EUR steigt, NICHT 50K EUR.

Re: Re: Re: Was ist der "Preis"?

klar dass das alles nur hypothesen sind. was ich nicht ganz verstehe: die FOFOA These nimmt die 50k in nicht- hyperinflationierten dollars an.

wenn man nun mit einer unze bspw. in den usa etwas kaufen kann, das aktuell (also zum jetztigen zeitpunkt) auch 50k wert ist, also etwa ein hektar land: in euroland würde man nur ein zehntel dessen kaufen können?

es werden sich dann wohl viele europäer in den usa ansiedeln, mit ihrer neugewonnen kaufkraft..

wie gesagt: alles theorie, aber sehr spannend :)

Re: Re: Re: Was ist der "Preis"?

hoxworth: das sollte nicht explizit Sie ansprechen - nur eine generelle Feststellung.

Re: Was ist der "Preis"?

Sehr faire Kritik, vor allem die P.S.-Punkte. Keinesfalls soll der Eindruck entstehen, ich würde die Aussagen von Another etc. "für bare Münze" nehmen - ich bleibe bei den Fakten, die ich für mich recherchieren und analysieren kann. Die Erwähnung von Freegold war seiner relativen Unbekanntheit geschuldet.

Das klammern an -

einen metallenern strohhalm wird nun doch schon goldig!

Warum die Notenbanken?

Ich habe heute auf dem Hartgeld-Forum, zu dem auch unser Gastgeber verlinkt, auf die Frage, wie das Freegold-Szenario im einzelnen ablaufen könnte, geantwortet. Mal wieder zeigte sich: Wenn man "gezwungen" ist, etwas zu referieren, beginnt man, es besser zu verstehen.
Ich meine langsam zu begreifen, warum es gar nicht anders sein kann, als dass am Ende die Notenbanken es sein werden, die den neuen Preis für Gold festlegen werden. Sie *müssen* es tun!
Aber man lese selbst:
http://hartgeld-forum.de/forum/viewtopic.php?p=87727#p87727

Empfehlung

Ich empfehle wärmstens alle Videos über Prof. Hans Bocker auf Youtube anzusehen,..

Hoher Einsatz

Gehts ums Zocken in der Marktwirtschaft
oder vielmehr auch um Finanzpolitische Interessen ?
Das fiat money sollte gegen den "ewigen Wert" Gold verteidigt werden ?
Das fiat money ,das durch laufende Vermehrung (ohne realen wirtschaftlichen Hintergrund) diskreditiert ist .

Das Papierzocken ,das gehebelte Zocken auf Gold ,hat letztendlich (ein paar wenige Prozente) aber auch reales Gold als Basis .

Wenn an einem Tag , offensichtlich nicht um Gold gut zu verkaufen (langsam um den Preis nicht zu ruinieren) ,sondern um den Goldpreis auf Talfahrt zu bringen
2000 Tonnen Gold (gehebelt) auf den Markt geworfen werden ,
ist das ein enormer Einsatz , der abgesehen von laufenden Wetten , ein Verlustgeschäft für physisches Gold ist .

Die Frage in diesem Zusammenhang ,die indirekt auch schon im Beitrag Nikolaus Jilch anklingt :
Woher kommt das Gold und wo ist das Gold ?

Warum lagern Österreich oder auch Deutschland ihr Gold
in GB oder den USA ,
und trauen sich nicht einmal nach einer seriösen Überprüfung der Goldbestände zu fragen ,
geschweige denn , sollte das nicht selbstverständlich sein ,
das Gold zurück zu hohlen und im eigen Land zu verwahren ?

p.s .
Woher hat der Verein IWF
beinahe 4000 Tonnen Gold ?

Re: Hoher Einsatz

Deutschland hat ja beschlossen, sein Gold zu repatriieren. Man muss sich fragen, warum das 7(!) Jahre dauern wird, wie es in den Medien zu lesen war.

Nur ein Schelm würde auf den Gedanken kommen, dass das Gold vielleicht gar nicht mehr in ausreichender Menge vorhanden ist..:)

Re: Re: Hoher Einsatz

Nur ein kleiner Teil des deuschen Goldes wird innert 7 Jahren repatriiert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Goldreserven

Goldleihe

Zentralbanken sind mit Abstand die größten Goldbesitzer.

Damit das Gold nicht zinslos im Keller vor sich hinschlummert, verleihen sie manche Tonne gegen Gebühr, auch physisch.

Der Ausleiher kann einen Gold Carry
Trade durchführen. Er verkauft das Gold sofort und legt den Erlös in höher verzinsliche Anlagen. Oder er leiht es weiter an Dritte, der wieder weiter und so fort, bis das Gold im Nirwana verschwunden ist.

Im Zuge der Lehman Pleite sind sogar 2 bis 3 Prozent der UBS Aktien einfach verschwunden. Der Broker eines Fondsmanagers hat sie so gut weiterverliehen, dass sie unauffindbar waren.

Bleibt die Frage, ist das Gold der Zentralbanken noch da, teilweise verkauft, verliehen, verleast, oder ganz einfach verschwunden?
wer weiß das, vielleicht der Herr Jilch?


Re: Goldleihe

Wenn in London phys.Zentralbankgold verliehen wird, dann wird höchstens auf einer Palette in den Gewölben der Bank of England ein Zettel ausgetauscht. Vorher Zentralbank X jetzt zb JP Morgan. Wenn J.P. Morgan verkauft, dann wechselt wieder bei der Palette der Zettel. Nur wenn tatsächlich phys. Gold aus den Gewölben der Bank of England ausgeliefert wird, dann ist die Palette weg.Die Bank of England weiß aber an wen sie ausgeliefert hat. Zentralbanken können aber auch bei Kommerzbanken Goldkonten halten. Man kann von dort leichter verleihen, weil das Gold nicht speziell gewogen werden muß(wie bei der Bank of England). Die Termini sind allocated und unallocated.

Re: Re: Goldleihe

Danke für ihre plausible Antwort.

Werden nur Zettel ausgetauscht, scheint es für die Zentralbank ok. zu sein.
Verlässt eine geliehene Palette den Keller, besteht ein Gegenpartei-Risiko.
In Zeiten wo es drunter und drüber geht wie 2008, wird das Risiko eines Verlustes sehr hoch sein.

Störend ist die Geheimnistuerei der Zentralbanken über ihre physischen (und verliehenen) Goldbestände.

Eine geprüfte Gold-Inventur sollte schon bekanntgegeben werden. Oder gehört das Zentralbank-Gold nur den Bankern und nicht dem Volk.

dass DA

einer schreibt.. sorry! man sollte postings lesen, bevor man auf senden drückt.

FOFOA

Ich habe gestern Abend längere Zeit in dem Blog von FOFOA gelesen, und zwar den Beitrag den ein_anderer verlinkt hat.

Die Sache ist wirklich äußerst komplex, man muß sich intensiver damit befassen. Es dürfte aber klar sein, dass der einer schreibt, der im detail weiß, wovon er redet.

Konkret würde mich jetzt eines interessieren: FOFOA hält offenbar einen Goldpreis von 50.000$ je Unze für möglich, bzw. am wahrscheinlichsten. Und zwar laut Diagramm in NICHT hyper- inflationierten Dollars. Das wäre dann eine massive Erhöhung der Kaufkraft, und nicht "nur" Werterhalt.

Sehe ich das richtig, so?

Re: FOFOA

Ganz simpel beantwortet: ja. Aber bitte versteifen Sie sich nicht auf die 50.000$ - das ist vielmehr eine Arbeitshypothese als eine Annahme oder gar Vorhersage.

Re: Re: FOFOA

guten abend, hr. jilch!

danke für ihre antwort. mir ist schon klar, dass das nur gedankenspiele sind, aber die logik, die dahintersteht und auch die beobachtung der bewegungen in diesen äußerst komplexen zusammenhängen hat mich sehr beeindruckt.

den fofoa blog werde ich ab nun verfolgen. er ermöglicht uns sehr wertvolle einblicke!

ps: bis dato habe ich ja "nur" zerohedge gelesen..:)


Re: Re: Re: Re: FOFOA

In diesem Artikel ist Ron Paul nicht fuer einen neuaufgelegten, von den Zentralbanken verwalteten Goldstandard, sondern fuer einen parallelen defacto Goldstandard der von der breiten Bevoelkerung getragen wird. Damit liegt er im Trend: China foerdert das breitangelegte private Sparen von Gold und Silber, in der Tuerkei entstehen auf Gold aufgebaute Bank- und Finanzierungsmodelle, Gold und Silber sind Bestandteil der Schariah. Die USA selbst hat in den 1980ern ihre Silberreserven wieder unter die Leute gebracht, und das koennte mit Gold auch passieren. Damit waere der Wert von Gold und allem anderen von den Menschen selbst getragen, und nicht von Grossbanken, EU-Kommissionen usw.

Re: Re: Re: FOFOA

guten abend, von zerohedge zu fofoa, den weg hab ich auch genommen. und ich kann sicher nicht behaupten, alles zu "verstehen" - wir lernen gemeinsam :) mfg nj

Angebot/Nachfrage, physisch/Papier

Hallo Hr. Jilch, es freut mich, dass Sie hier so frei über die Währung Gold berichten dürfen. Spielt doch Gold auch in der Zukunft in diesem verrückten Finanz-Casino-System eine wesentliche Rolle.

Grundsätzlich verstehe ich das schon so, dass wenn der "Papier"-Goldpreis an der COMEX oder LBMA fällt, die physische Nachfrage gegenüber dem Angebot auch fallen muss. Umgekehrt ist es auch so.

Wäre es nicht so müssten wir einen Spread zwischen Spot- Preis und Futures mit späterem Verfall sehen. In diesem Fall eine Backwardation. Also dass der Spotpreis aufgrund der starken physischen Nachfrage höher liegt, als der Futures Preis. Das war in der Verkaufspanik anscheinend nicht der Fall.
Erst danach muss die physische Nachfrage wieder angesprungen sein und der Goldpreis stieg wieder.
Wir wissen jetzt zumindest kurzfristig, dass bei Preisen unter $1400, trotz Panikstimmung, wieder mehr physische Nachfrage in den Markt kommt.

ETFs hatten in der Panik auch sehr viel physisches Gold verkaufen müssen, weil viele aus diesen (spekulativen) Produkten raus wollten oder raus mussten.
Der Gold-Münzenmarkt ist auch relativ klein, also nicht wirklich repräsentativ für die tatsächliche physische Nachfrage. Aber medial lässt sich das doch ausschlachten, wenn die Prägeanstalten nicht mehr nachkommen.

Goldpreis

@ein_anderer

Wenn Leser mit Ihrer Expertise sich einklinken freut man sich immer darüber! :)

danke für den link und die kurze zusammenfassung in ihrem Post.

Mein Bezug dazu war bisher eher auf eine Art "Hausverstand" Basis. Wenn die ZBs die Geldmenge dermaßen ausweiten, wie bspw. jetzt die BOJ, dann MUSS das zu einer Devaluierung der Währungen führen. Denke jedenfalls ich mir.

Möglicherweise stehen wir wirklich unmittelbar vor einem historischen Umbruch im Welt- Finanzsystem.

Sagt einem auch der Hausverstand: Wenn es ja eh schon an allen Ecken und Enden kracht so wie jetzt auf der ganzen Welt, dann muss sich ja was ändern.

 
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Der Autor

  • Nikolaus Jilch
    ist seit 2011 Economist-Redakteur der "Presse"; berichtet über Geld, Gold, Zentralbanken und von den Fronten des internationalen Währungskrieges.



Hinweis

  • Der Inhalt von Blogbeiträgen spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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