23.05.2012 23:31 | Meine Presse Merkliste 0

Wenn du mal nicht weiter weißt - shoppen gehen!

02.12.2011 19:11 | 

Wenns ums Geld geht werden Menschen kreativ. Warum also nicht die schwierigen Klimaverhandlungen durch einen Schuss kreativer Gedankenblitze schlagartig aus der Sackgasse führen? Zu Hilfe kann man nehmen, dass es etwas gibt, dass (fast) jeder liebt: Shoppen. Aber Shoppen und Klimaschutz - wie geht das zusammen? Tatsächlich wird in diesen Stunden gerade jede Menge Hirnschmalz verbraten, um Ideen weiterzuentwickeln wie man das Treibhausgas CO2 – oder besser, das Recht, es zu emittieren, vermarkten kann. Zugegeben, ein „Emissionsrecht“ ist kein normales Produkt, das bald in den Inflationskorb aufgenommen werden wird, aber es ist etwas das fast jede Verhandlungspartei hier sehen will: Eine Ausweitung des globalen Kohlenstoffmarktes. Manche wollen damit sogar Klimaschutz betreiben. Aber soweit sind wir noch nicht.

 

Zuerst muss nämlich ein Problem behoben werden: CO2 ist im Überfluss vorhanden. Und zwar in so großen Mengen, dass wir dieses Problem sogar bei einer globalen Klimakonferenz verhandeln müssen. Damit ein Markt funktioniert, muss aber Knappheit herrschen - niemand würde auf die Idee kommen in der Sahara Sand zu kaufen. Das heißt man müsste dann die Menge CO2 begrenzen, die zum Beispiel der Energiesektor Kuweits pro Jahr verbrauchen kann. Dann werden Emissionsrechte knapp und man kann handeln. Tun das alle Staaten, könnte man so sogar einen globalen Deckel über alle Emissionen einziehen. Wer unter seinem Deckel bleibt, verkauft den Überschuss an die Bestbieterin. Tatsächlich ein großer Wurf, der hier zur Diskussion steht und womöglich sogar beschlossen wird.

 

Der Haken an der Sache: Die Theorie geht nur dann auf, wenn auch alle Staaten ihren Deckel niedrig genug setzen und die UNO darüber wacht, dass dabei das Gesamtziel im Auge bleibt. Das gefällt einigen dann schon wieder nicht so gut, denn: Muss man wirklich alles kontrollieren? So wollen einige Staaten wie Neuseeland und Japan, dass jeder seinen Deckel selbst bestimmen kann. Geht das durch, könnte eines der gewaltigsten Fehlsteuerungen in der Geschichte der Klimaverhandlungen geschaffen werden: Ein Markt auf dem jede Teilnehmerin selbst bestimmt, wieviel sie verkaufen kann. Aber wer kauft dann noch? Antwort: Der Dumme, der seinen Deckel niedrig setzt und sich damit selbst wenig Emissionsrechte vergönnt. Und die Moral von der Geschichte: Shoppen macht Spaß. Das Problem, dass die Angebote der Staaten aber einfach zu niedrig sind um die globale Erwärmung einzudämmen, löst man damit aber auch nicht.

 

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4 Kommentare
roger
03.12.2011 14:21
8 0

Klimacampaigner

1.) Der Handel mit CO2-Zertifikaten hat mit einer "Klimarettung" nichts zu tun, sondern dient einzig und allein dem Erschließen neuer, sprudelnder Geldquellen.
2.) Das Klima konnte zu keiner Phase der Erdgeschichte "gerettet" (=am Status Quo gehalten) werden, sondern war und ist einer ständigen Wandlung unterworfen.
3.) Allein zu glauben, man könnte das Klima "retten", ist ein Ausdruck grenzenloser Selbstüberschätzung.
Die Funktion eines "Klimacampaigners" passt hier nahtlos ins hilflose Bild.

Antworten Fintofanto
03.12.2011 17:26
6 0

Re: Klimacampaigner


Nur noch ein Zusatz zu Ihrer sehr guten Analyse: Die Funktion des "Klimacampaigners" passt imho wunderschön in den allgegenwärtigen Trend der Geschäftemacherei um jeden Preis.

Antworten Antworten Gast: partypaul
03.12.2011 18:28
0 5

Re: Re: Klimacampaigner

inwiefern ein klimacampaigner mit geschäftemacherei zu tun haben soll erschließt sich mir nicht wirklich.

von klimarettung wird in obigem beitrag auch nicht gesprochen. rettung des klimas wird auch nur in der ansicht von ignoranten besserwissern als "erhalt des status quo" gelten. tatsächlich dreht es sich bei "klimarettung" wohl viel eher um den erhalt der natürlichen dynamik.

die funktion eines klimacampaigners erscheint hier also durchaus von bedeutung um aufklärungsarbeit und bewusstseinsbildung zu leisten...

Antworten Antworten Antworten roger
04.12.2011 08:57
8 0

Re: Re: Re: Klimacampaigner

Die "natürliche Dynamik" braucht nicht erhalten zu werden, die ergibt sich, wie der Name sagt, von selbst.

Lange Zeit wurde von der IPCC von "Klimarettung" gesprochen; erst, als man erkannt hat, wie lächerlich man sich damit machte, schwenkte man auf "Klimaschutz" um.

Ein "Klimacampaigner" wird ja auch von irgendwem bezahlt, denn ich glaube nicht, dass sich Herr Wahlmüller den Ausflug nach Südafrika selber finanziert. Auf diese - von uns allen gesponserte - "Aufklärungsarbeit" mit zweifelhaften Studien kann ich getrost verzichten.

Der Autor

  • Johannes Wahlmüller
    wurde 1982 geboren. Nach dem Studium der Sozialwirtschaft in Linz war er zwischen 2008 und 2010 Klima- und Energiereferent beim Umweltdachverband. Seit 2010 ist er bei GLOBAL 2000 als Klima- und Energiecampaigner beschäftigt.