Maria hilft nicht

12.09.2013 13:46 |  VON RAINER NOWAK

Die Grünen haben sich in der Wiener Stadtregierung so einiges von der SPÖ abgeschaut.

Angeblich war das Timing für das Mariahilfer Straßen-Experiment am lebendigen Anrainer, Autofahrer und Fußgänger kurz vor der Wahl tatsächlich die Idee von Maria Vassilakou. Das war auf den ersten Blick dumm, auf den zweiten durchaus schlau. So können die Grünen nun jede Kritik am Chaos als Wahlkampf-Hysterie kleinreden und ignorieren. Die Grünen haben sich in der Wiener Stadtregierung so einiges von der SPÖ abgeschaut: Interessanterweise schaffen es die Sozialdemokraten, Arroganz gegenüber den Bürgern nach Jahrzehnten der Macht in der Öffentlichkeit meist gut und geschickt zu verbergen, die Grünen zeigen das hingegen ganz offen.

Jüngstes Beispiel: Susanne Jerusalem, Vize-Bezirksvorsteherin von Wien sechs und Beute-Mariahilferin, schlägt vor, nach dem Desaster auf der Mariahilfer Straße nun ein paar Gassen daneben mit der Umerziehung konsequent weiterzumachen. Die Gumpendorfer Straße soll zu einem Teil – Höhe Apollokino – zu einer Einbahn werden, um die Querung des Bezirks vom Gürtel bis zum Ring zu verhindern. Ganz offen nennt sie den Sinn und Zweck dieser Übung: Die Autofahrer sollen in ein kompliziertes Einbahn-System und Gassen geschickt werden, um dort so lange Nerven und Zeit zu verlieren, bis sie auf die Autofahrt verzichten. Das ist ehrlich und unfassbar zugleich. Der kleine wirtschaftliche Schaden der Übung für jeden einzelnen oder die Gesellschaft? Völlig egal. Kollateralschäden. Wer ein hehres Ziel verfolgt, darf keine Skrupel haben.

Hat ein Flugzeug Verspätung, gerät ein Projekt, ein Bau in Verzug, hat der Kunde, der zahlt, Anspruch auf Entschädigung. Der Bürger zahlt Steuern. Aber wenn Lokalpolitiker Zeit und Nerven ihrer Bürger stehlen beziehungsweise strapazieren, passiert nichts. (Lokale Verkehrs-)Politiker können nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Frau Renate Brauner hilft ihrer Amtskollegin von den Grünen: Der Plan eines milliardenschweren U5-Baus wird sicher vom Fiasko ablenken.

Nur zur Transparenz und Vollständigkeit: Ich bin, wie diese Zeilen vermuten lassen, Bewohner des neuen Wiener Problembezirks.

70 Kommentare
 
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Grünspann entfernen Nachsatz:

Deshalb schnell bei www.petition-online.at unterzeichnen!

Grünspan entfernen

Schüler müssen selbst die Schule aufräumen, die Eltern sollen diese eigenhändig renovieren (ausmalen), weil die Schule pleite ist, (Mitten im 8ten!) Auf der Mariahilferstraße werden Volksfeste zur Beruhigung der Anrainer veranstaltet, die jeweils ca. EUR 100.000,-- kosten! Jetzt startet bald das Vierte!
Wir brauchen keine "Flaniermeilen" wir brauchen soziales Engagement.

Finanzierung

Gibt es einen Budgetbeschluss des Gemeinderats bzw jenes Gremiums das dafür zuständig ist? Würde ein Unternehmen derart plan- und mittellos vorgehen, wäre es flotter vom Markt verschwunden, als die "Testphase MaHü" bereits dauert.
Ich bin einer dieser lebenslang "Parteilosen" auf diesem Planeten, aber nutze mein demokratisches Recht bei jeder Wahl. Da ich eben nicht blind einem zugerechneten Lager folge, beobachte ich ganzjährig wohin die Ideen und Akzente der politischen Player führen. Als Selbständiger Grün zu wählen liegt nicht gerade auf der Hand, aber nebst Wirtschaft habe ich auch Familie und konsumiere Umwelt ... der Bogen spannt sich weiter als nur das berufliche Interesse. Grün wurde wählbar ... nicht nur aus eigener Kraft, tlw auch mangels Alternativen. 2013 wäre "mein" Grünwahljahr geworden. WÄRE. Wenngleich deren VertreterInnen die "sauberen" zu sein scheinen, sind deren Berechenbarkeit, Planungsfähigkeit und Realitätssinn fern wählbarer Realität gerückt. Leider. Könnte das und Frank's Selbstausschluß dei notwendige Entfesselung für die Neos bedeuten? Lange bleibt uns parteilosen WählerInnen nicht mehr Zeit ;)

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Maria hilft schon - aber nicht jedem.


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Jaaaaaaa ... freie Fahrt fuer freie Buerger.

Ich will mit meinem Auto ueberall hinfahren, will ueberall gratis parken koennen, wohne aber selbst im Speckguertel, weil mich die Autos der anderen so stoeren. Und ich rege mich auf, wenn die staedtische Bevoelkerung einmal von Abgasen und Autolaerm verschont werden soll ... wo kommen wir denn dahin! Denn ich kann nicht mehr mit dem Auto fahren. Frechheit.

Warum sind die Gruenen so stark in den inneren Bezirken Wiens? Weil die Bewohner sich nach Durchzugsstrassen und Parkplaetzen sehnen? Ganz genau.

Re: Jaaaaaaa ... freie Fahrt fuer freie Buerger.

In der Stadt leben und gegen Durchzugsstraßen und Autos sein und im 6. Bezirk wohnen? Haben Sie schon mal die am Gürtel Lebenden gefragt? Dagegen ist der 6. und 7. Bezirk ein Paradies. Und in der Stadt leben nun mal viele Menschen, die nicht nur mit übervollen Öffis fahren möchten, sondern mit dem eigenen Fahrzeug, und da muss nun mal Platz und Raum sein für eine Fahrt durch Wien. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es in einigen Innenhöfen viel Grün gibt und man so gut wie nichts vom Verkehr hört. Und wenn einem auch das zuviel ist, sollte man eben nicht in einer Stadt wohnen.

Re: Re: Jaaaaaaa ... freie Fahrt fuer freie Buerger.

Autos gehören aus der Stadt raus! Stinken alles voll, sind laut und wenn man bedenkt, dass ca 80% der Autos mit nur einer Person drinnen rumfahren, will man eigentlich eh gleich kotzen....so unnötig

jaja. in der stadt leben und keine autos mögen.

klare lebensplanung. wird echt zeit, dass sie für andere entscheiden....

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Hereinspaziert, hereinspaziert

in das neue Disneyland für Autofeinde rund um die Mariahilferstrasse!
Beobachten Sie, wie den ansässigen Menschen der Pkw mittels Einbahnlabyrinth, Zufahrtsbeschränkung und Parkplatzstreichung ausgetrieben wird. Sehen Sie Unternehmer und Angestellte, welche Warenlieferungen aus entfernten Ladezonen herbeischleppen. Weinen Sie mit Angestellten strauchelnder Firmen, welche gerade die Kündigung erhalten..
Staunen Sie, wie effizient BezirksdiktatorIn Kaufmann die internationalen Textilketten mit all ihren MacJobs in der Bestlage fördert und die kleinen einheimisc hen Firmen in der Nebenlage draufgehen lässt. Das ist Arbeitsplatzsicherung.
Eintritt frei, bring Your family!

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Bring your family

Besuchen Sie die Reinprechtsdorfer Strasse, die äussere Mariahilfer Strasse, die Hernalser Hauptstrasse ... alles bluehende Einkaufsstrassen dank des Autoverkehrs.

Dort gibt es keine Wettcafes, sondern nur Einzelhandelsgeschaefte und Greissler. Ach, wie schoen und entspannend es ist, im tosenden Autoverkehr dort einkaufen zu gehen ... was fuer ein urbanes Gefuehl da hochkommt! Die Stadt dem Auto, und basta.

Ich verstehe die Leute ja nicht, die mit dem Auto ins DZ oder in die SCS fahren und dort dann in Ruhe und ohne Autolaerm einkaufen gehen. Wie langweilig!

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Re: Bring your family

Mehr muß über den Geisteszustand der Grünossen nicht gesagt werden. Danke für die eindrucksvolle Demonstration.

Re: Bring your family

Gut, die Hernalser Hauptstraße ist zwischen all dem Autoverkehr keine boomende Einkaufsstraße. Logische Konsequenz: Wir lassen die Hernalser Hauptstraße wie sie ist und ändern das Verkehrskonzept der inneren Mariahilfer Straße, die bisher die erfolgreichste Einkaufsstraße überhaupt war.
Tolle Logik. Einwandfrei sachlich argumentiert. Bravo.
Und die SCS profitiert nicht zuletzt davon, dass man dort eben hin FAHREN und dann bequem alles per Auto heim transportieren kann. Wegen Ruhe und Frieden beim Flanieren (in den Menschenmassen) fährt meiner Erfahrung nach jedenfalls kaum jemand da raus. Der Grund wieso ich bisher die Mariahilfer Straße eher gemieden habe war auch eher das Gedränge IN den Geschäften, als der Autolärm draußen.

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Deine Stimme zählt

Bitte unterstützen: www.petition-online.at zur Wiederherstellung der Mariahilferstrasse!

Demonstration 21.09.2013 geplant

Weit ist es gekommen: am Samstag, 21.09.2013 ist nun wirklich eine Demo geplant: https://www.facebook.com/events/596487447054795/ - ob das wohl nötig war? Dialogbereitschaft wär wohl vernünftiger gewesen...

am 29.9. ist Schluss damit

meine Prognose für die rot/rüne Ingnoranten-Stadtregierung: die Grünen werden für diese nicht gepredigte, aber nicht gelebte (finanzielle) "Bürgerbeteiligung" mit Wählerverlusten in ganz Österreich büßen. Die Roten schreiben sowieso runter, Häupl veraschiedet sich wohlbestllt in die Pension.

Re: am 29.9. ist Schluss damit

Die Gruenen werden sicher keine Stimmen verlieren, da sie ihre Waehler ja bestens bedienen.

Eher die SPOE.

Re: Re: am 29.9. ist Schluss damit

Das dürfte stimmen, denn die GrünInnen haben ihre Klientel bestens - und rücksichtslos - gegnüber allen anderen bedient; man kann nur hoffen, dass die SP im 6. und 7. massiv verliert. Vielleicht wacht dann der Michel auf und schickt seine Vize samt den übrigen wiener GrünInnen in die wohlverdiente politische Wüste!

Re: am 29.9. ist Schluss damit

Hoffentlich. Sicher ist es aber nicht, denn die Grünen haben hier einige Grundsätze des politischen Handwerks auf ihrer Seite.

Erstens: Man muss nicht die ganze Bevölkerung zufriedenstellen um erfolgreich zu sein, sondern nur die eigenen Wähler.
Zweitens: Alles hat für irgendwen einen Vorteil.
Drittens: Nachteile, die nicht eindeutig und intuitiv ihrer Ursache zugeordnet werden können, kann man wem anderen in die Schuhe schieben.

Fußgänger, die auf der Mariahilferstraße flanieren wollen, freuen sich über den geringeren Autoverkehr. Genauso wie Leute die weit weg wohnen, nie hingehen aber wie die Grünen den Kampf gegen Autofahrer aus ideologischen Gründen begrüßen.
Autofahrer sind ohnehin keine lohnende Zielgruppe für die Grünen, dass die sich ärgern spielt daher keine Rolle.
Die Anrainer sind eher ein Problem. Die waren bisher durchaus grün und ärgern sich über das Chaos. Daher jetzt auch der Versuch den Verkehr komplett zu verbannen. Der wirtschaftliche Schaden wird dem Neoliberalismus in die Schuhe geschoben, die Ruhe auf den Straßen ist natürlich Verdienst der Grünen.
Die Frage ist nur, wie die SPÖ damit umgeht. Die ist ja mitverantwortlich (was ein Bürgermeister mit einer derart dominanten Mehrheit halt schwer abstreiten kann), haben mit der Aktion aber weniger effektiv ihre Wählerzielgruppe angesprochen.

So ein Verkehrskonzept vorzulegen ist legitim...

Ob der Mariahilferstraße diese Veränderung hilft ist fraglich. Erfahrungen mit ähnlichen Projekten haben gezeigt, dass der Ausschluss von Teilen der Infrastruktur nicht zwangsläufig zu einem Umstieg auf andere Verkehrsarten geführt hat. Eher war es so, dass alternative Zentren von der Entwicklung profitierten, die Verkehrstechnisch leichter zu erreichen waren. Kurz: die Shoppingscenter in Niederösterreich werden weiter wachsen, und um diese zu erreichen, braucht der Innenstädter erst recht ein Auto.

wirrer Artikel

der Verfasser dieser Zeilen ist offenbar nicht in der Lage Zusammenhaenge zu erkennen. Mobilitaet wird in dicht besiedelten Gebieten durch die Oeffentlichen, das zu Fuss gehen und Radfahren gesichert, schon bisher sind gerade in den inneren Bezirken nur sehr wenige Wege mit dem Auto zurueck gelegt worden (ginge auch gar nicht anders da es einfach fuer mehr Automobilitaet zuwenig Platz gibt). Warum soll man ein gut funktionieredes System durch den Autoverkehr leiden lassen, warum soll der Egoismus einger weniger die Moglichkeiten der anderen einschraenken?

Re: wirrer Artikel

"Warum soll man ein gut funktionierendes System leiden lassen?" ist der richtige Ansatz. Die Mariahilferstraße WAR ein funktionierendes System. Wenn bisher schon kaum jemand mit dem Auto gefahren ist, warum war die Autovertreibungsaktion dann notwendig? Wo war die Einschränkung der Möglichkeiten der Anderen? Ich war oft als Radfahrer (damals noch mit mehr als Schrittgeschwindigkeit), Öffis (damals ohne wöchentliche Änderung der Route) und zu Fuß unterwegs, hat trotz Autos problemlos funktioniert.

Das Auto verdammen ist natürlich recht einfach. Aber damit SIE gemütlich ohne Auto leben können müssen ANDERE mit dem Auto fahren. Waren wachsen nicht im Supermarkt und nicht jeder Angestellte kann direkt neben dem Arbeitsplatz wohnen. Natürlich kann man auch täglich ein oder zwei zusätzliche Stunden einplanen für die Umwege und Wartezeiten, die man durch die Streckenführung und Fahrzeiten der Öffis in Kauf nehmen müsste. Wie schrecklich egoistisch, stattdessen schneller und bequemer mit dem Auto zu fahren.
Besonders gefallen mir die Leute die meinen, man müsse Großeinkäufe oder sperrige Dinge nicht mit dem Auto kaufen fahren weil man sie ja liefern lassen kann. Wie werden die denn wohl geliefert? Von irgendwelchen Egoisten, die das nicht wie ein Sherpa am Rücken tragen wollen.
Meine Großmutter wurde etwa auch regelmäßig mit dem Auto durch die Gegend gefahren, weil sich diese Egoistin mit ihren kaputten Gelenken nicht in die Straßenbahn quälen wollte.

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Re: wirrer Artikel

Wieder einmal wird hier das Floriani-Prinzip gelobt und hochgehalten - überall möchte man fahren dürfen, nur nicht dort, wo man selbst wohnt. Wer den Verkehr nicht ertragen mag, soll auf's Land ziehen! Dumm nur, daß man dort auf die Motorisierung angewiesen ist.

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die Anrainer -

6,7 Bezirk sollen die - schön still sein,sie haben rot/grün gewählt und die exquisiten Bezirkshäuptlinge ermöglicht.

autofahrer-medien neigen zur übertreibung

immherin war die rettungsgasse auch schon so ein übergroßes thema, obwohl sie normalität in europa ist... auch eine begenungszone ist nix neues, man wird sich daran gewöhnen...und sie ist im kern richtig, dass es sich derzeit um eine erprobungsphase befindet wurde mehrmals kommuniziert... nach optimierung und rückbau der straße wird sie funktionieren wie alle anderen fuzuos auch... die aufregung ist lächerlich...

Re: autofahrer-medien neigen zur übertreibung

wo leben Sie? Eben weil unsere Nachbarländer KEINEN Rettungsgassenschwachsinn haben gibt es diese Probleme. Nur eine EINHEITLICHE für ganz Europa geltende Regelung würde Sinn machen. Aber "Sinn" und "Bures" oder "Vassikuh" haben keine Gemeinsamkeiten

die grünen in wien und österreich legen weiter zu..

es herrscht also hier offenbar eine selektive wahrnehmung, auch wenn die övp glaubt, mit der mariahilferstraße trommelfeuer gegen die grünen mobil zu machen, was bleibt ist, dass der (sinnlose) autoverkehr weniger werden muss und die menschen froh über die rückeroberung der stadt sind... im übrigen liegen in wien die grünen mit 17% (+5) deutlich vor der övp ;) vielleicht erklärt das die selektive wahrnehmung...

 
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Der Autor

  • Rainer Nowak
    ist seit 2012 Chefredakteur der "Presse". Davor war er Leiter des Innenpolitik-Ressorts.

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