"Breaking Bad": Wie geht's aus?

08.09.2013 13:47 |  von Heide Rampetzreiter

Halbzeit bei der Ausstrahlung der finalen Folgen. Wir spekulieren über das mögliche Ende. Entscheidend ist die Frage: Wie moralisch ist "Breaking Bad"?

(c) Sky/AXN/Ursula Coyote Breaking gehts

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Achtung, Spoiler bis inklusive Folge 5x12.

Nach zwei Wochen Urlaub und "Breaking Bad"-Zwangspause habe ich mir "Buried", "Confessions" und "Rabid Dogs" innerhalb weniger Tage angesehen - und bin (um Drogensprache zu bemühen) "angefixt", kann kaum auf die finalen vier Folgen warten und - wenn ich den Entzug gar nicht mehr aushalte - dann passiert es, dass ich die unglückselige Kombination "Breaking Bad Season 5 ending spoiler" in Google eintippe. Zum Glück ist diese Suche wenig fruchtbringend. Die Geheimhaltung der "Breaking Bad"-Produzenten funktioniert wunderbar. Nicht einmal der Titel der letzten Folge ist (offiziell) bekannt.

Ich bin nicht alleine in meinem Rausch, "Guardian" und "Wired" sammeln End-Theorien, via "Vulture" kann man sich sogar ein "Himmel oder Hölle"-Spiel zum Ende basteln.

Außerdem hat "Breaking Bad" den Sprung ins Guiness-Buch der Rekorde geschafft - als bestrezensierte Serie der Fernsehgeschichte. Auf der Kritiker-Sammelseite Metacritic kommt sie auf 99 von 100 Punkten - das ist Rekord. Ich würde zwar "The Wire" vor "Breaking Bad" reihen, aber sonst: wohlverdient.

Nun aber zu den Spekulationen: Wie könnte es ausgehen?

- Walt tötet Skyler und Jesse

Auch bekannt als die Hunter-Gatherer-Theory. Diese etwas seltsame Theorie macht im Internet die Runde. Die Argumentation: Walt nehme Verhaltensweisen jener Menschen an, die er ermordet. Er beginnt nach dem Mord an Krazy 8 in Staffel eins sich die Rinde seiner Sandwiches wegzuschneiden, so wie es der Drogendealer mochte. Er fährt (kurzzeitig) Mikes Auto. Zu Beginn von 5x01 legt er sich den Speck in die Zahl "52" - damit erfahren wir Zuseher, dass er seinen 52. Geburtstag feiert. Bei seinem 51. Jubeltage tat dies seine Gattin ("Fifty One", 5x04). Außerdem trägt er in dieser Vorausschau eine übergroße Jacke wie sie Jesses Stil entspricht. Hat er damit die Verhaltensweisen der beiden nach deren Mord angenommen?

Ich sage: Unwahrscheinlich, denn nach jetzigem Stand läuft die Serie auf ein Duell zwischen Walt und Jesse (mit oder ohne Hank) und damit zwischen Lehrer und Schüler, Vaterfigur und Ziehsohn, hinaus. Das kann sich nach der nächsten Folge freilich ändern.

- Jesse wird Heisenberg

Und streift die "Lorbeeren" ein, ein Drogenbaron-Genie zu sein. Walts größte Charakterschwäche ist der Stolz - damit wäre er gekränkt, sein Vermächtnis beschädigt (würde zum "Ozymandias"-Gedicht, das Bryan Cranston im Trailer zu Staffel 5B rezitiert, passen). Was dagegen spricht? Der "Heisenberg"-Schriftzug in Walts Haus in Folge 5x09 und dass man Jesse das Genie wohl eher nicht abkauft.

- Walts Familie stirbt

Er tut alles für seine Familie. Glaubt er jedenfalls. "Hank is family", sagt er sogar, nachdem sein Schwager ihn aufgedeckt hat, auch vor einem Mord an Jesse schreckt er zurück. Wenn er am Ende übrig bliebe, nicht aber seine Familie, das wäre die ultimative Strafe. Doch ist "Breaking Bad" so grausam, selbst Baby Holly zu töten? Unwahrscheinlich.

- Ein bisschen Shakespeare

Jesse wird gern mit "Hamlet" verglichen, Walt mit Macbeth. Dazu würde Skylers jüngster Sinneswandel (die Lady-Macbeth'sche Mordaufforderung "What's one more?) passen sowie die Rolle, die Gifte (Ricin, Maiglöckchen) seit Staffel eins spielen. Ein Shakespear'sches Ende würde ein Blutbad bedeuten, das kaum jemand überlebt.

- Walt tötet Jesse und kommt damit davon

Weil es einfach ungerecht wäre. Seit Jesse Walt (wieder) begegnet ist, sei ihm nichts Gutes wiederfahren, sagt er einmal. Damit hat er recht. Er hat nicht einmal jemanden, von dem er sich verabschieden kann ("Confessions").

Jesses (sinnloser) Tod wäre die ultimative Ungerechtigkeit, fungiert er doch (obwohl er selbst zu kaltblütigem Mord fähig ist, wie Hank in "Rabid Dogs" in Erinnerung rief) als moralisches Zentrum der Serie. Wenn Jesse schon stirbt, dann sollte das zumindest Konsequenzen für Walt haben, finde ich.

- Jesse tötet Walt

"He can't keep getting away with it", sagt Jesse über Walt in "Rabid Dogs". Am Ende der Folge will er Walt in eine Falle locken. Um ihn zu töten? Mord passt nicht ganz zu Jesse, ich hoffe auf eine subtilere Strafe. Ihm das Geld, die Früchte seiner Arbeit, wegzunehmen, wäre eine Möglichkeit.

- Das Sopranos-Ende

Unwahrscheinlich. Serienerfinder Vince Gilligan hat ein Ende versprochen, dass sich auch nach Ende anfühlt, jede Art von offenem Ende dürfte damit wegfallen. Schade, ich mag offene Enden.

Entscheidend ist die Frage: Wie moralisch ist "Breaking Bad"?

Muss moralische Fehlverhalten wirklich sanktioniert werden? Wird Walter White für sein Handeln unter der unbarmherzigen Sonne New Mexicos bestraft oder nicht? Wenn "Breaking Bad" moralisch sein will, dann gibt es für die Hauptfigur nur zwei, vielleicht drei Möglichkeiten: Tod, Gefängnis oder der Verlust dessen, was ihm am wichtigsten ist: seiner Familie und seines Stolzes. Kriegen die Figuren in "Breaking Bad" je ihre "gerechte Strafe"?

Ich sage: Ja.

Walt wird bestraft.

Ich könnte mir vorstellen: Walt versucht es auf die Shakespear'sche Art (Lydia, Todd, Nazi-Onkel), kommt aber davon, nur um dann (alleine) am Krebs zu sterben. Am Ende wird er sich noch einmal als Mensch Walter White zeigen, nicht als Drogenbaron und Psychopath Heisenberg. Walts Vermächtnis als Heisenberg wird zerstört ("Ozymandias"). Jesse überlebt nicht (zumindest befürchte ich das; vielleicht stirbt er an Drogen).

Genug spekuliert: Was wissen wir wirklich?

Aus dem Szenen in Folge 5x01 und 5x09, die auf zukünftige Ereignisse vorgreifen: Walt ist 52 Jahre alt, er lebt und hat wieder Haare am Kopf. Er wurde in der Öffentlichkeit enttarnt (das "Heisenberg"-Graffiti in seinem Haus), er kauft eine Maschinenpistole, holt sich das Gift Ricin aus seinem (Ex-)Haus, hat einen Führerschein mit dem falschen Namen Lambert (Skylers Mädchenname) aus dem Staat New Hampshire (die das Motto "Live Free or Die" haben, auch der Titel von Folge 5x01) und trägt keinen Ehering.

 

>>> Schöner Link mit "Hamlet"-Anspielung: Fotoshooting mit Aaron Paul und Bryan Cranston zum Thema "This is the end". Danke, @ColazioneAroma für den Tipp!

 

Zum Immer-Wiedersehen in der Wartezeit: Der "Say my name"-Clip:

7 Kommentare

Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Wäre die perfekte Überraschung, weil ja bekannt ist, dass er ein Spin Off bekommen wird.
Das könnte allerdings als "Prequel" gehalten sein ;-)

Re: Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Stimmt! Ich fände das zwar als Überraschung gut, aber trotzdem schade, weil man dann immer weiß, wie es mit Saul ausgehen wird und dieses Damoklesschwert ständig über der Hauptfigur hängen würde ...
Ob das Spinoff tatsächlich schon fix ist, ist meines Wissens nach übrigens noch nicht entschieden.
MfG, her

Re: Re: Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Lt. imdb.com ist ein Saul Goodman Spin-Off "announced". Sein Tod könnte von unerwarteter Seite erfolgen und die Wie-kam-es-dazu Geschichte erzählen.

Re: Re: Re: Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Gut zu wissen, imdb ist meist zuverlässig!

Ich fand nur die Meldung, dass Vince Gilligan sagte: "I really hope it happens."

http://www.hollywoodreporter.com/live-feed/breaking-bads-last-tca-vince-594154

Aber Sie könnten Recht haben - in dem Artikel ist die Rede von einem Prequel.
MfG,
her

Re: Re: Re: Re: Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Jetzt ist es fix!

http://diepresse.com/home/kultur/medien/1451914/Breaking-Bad-bekommt-SpinoffSerie?_

Re: Re: Re: Re: Re: Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Ist auch interessant:

http://www.nytimes.com/2013/08/24/opinion/i-have-a-character-issue.html?_r=0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Ich glaube, dass Saul Goodman sterben wird.

Danke für den Link!
Diese Debatte hatte ich nur am Rande verfolgt - und ich kann sie auch nicht ganz nachvollziehen ... Skyler ist nicht gerade sympathisch und sehr menschlich, aber wieso hassen die Menschen (mehr als weit unsympathischere Figuren)?


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  • Maciej Palucki
    arbeitet seit Mai 2011 bei DiePresse.com und schreibt über Medien, Marvel und Mode. Apatow-Anhänger. Generalist und Geek.

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    Feuilleton-Redakteurin. Seit Abschluss der "Lehrredaktion" 2006 bei "Die Presse". Seit 2010 für die Medienberichterstattung zuständig. Medienjuristin. Viel-Leserin. Vernarrt in Sonntags-Zeitungen. Freundin von Deadlines. Glaubt an die Zukunft von Printprodukten. Liebt Fashion-Blogs.

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