Eine zweite Prognose

Noch 16-mal schlafen, Zeit also, die Prognose vom letzten Mal noch einmal zu überdenken. Also:

Die SPÖ verliert doch zwei Prozentpunkte, hält mit 27 Prozent aber Platz eins. Die Plakataffäre hinterlässt Spuren, außerdem glaube ich - man glaubt es kaum -, dass Wolfgang Fellner Recht hat: Die SPÖ hat derzeit ein Mobilisierungsproblem. Die Stammwähler, auf die die ganze Kampagne zugeschnitten ist, könnten zu einem guten Teil zu Hause bleiben. Die SPÖ macht zwar keine Fehler, sie begeistert aber auch nicht oder schürt efolgreich Ängste. Vor Schwarz-Blau fürchtet man sich heute wahrscheinlich nicht einmal mehr in der "Falter"-Redaktion. Zumal es sich eh nicht ausgeht.

Die ÖVP hat sich ein wenig erholt. Sie verliert dennoch und kommt so um die 22 bis 23 Prozent zu liegen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Bei 23plus darf Spindelegger, der sich ebenfalls erholt hat, noch bleiben.

Die FPÖ wird wieder unterschätzt. Überschätzen sollte man sie aber auch nicht. Gewinnt zwei bis drei Prozentpunkte hinzu.

Die Grünen machen nach wie vor das beste Ergebnis ihrer Geschichte. Eva Glawischnig nützt die TV-Duelle hervorragend: souverän, top vorbereitet, immer im Angriff, selbst in der Defensive nie gefährdet und nun auch noch mit Taferl-Treffer. Von allen Duellanten in Summe und mit Abstand die Beste.

Das BZÖ bleibt knapp, aber doch drinnen. Josef Bucher hat im TV ebenfalls an Statur gewonnen, ob bei den Duellen (in jenem mit Spindelegger wirkte er wie der eigentliche ÖVP-Chef) oder der "Wahlfahrt". Dennoch bleibe ich dabei: Wertgegenstände würde ich auf einen BZÖ-Wiedereinzug nicht verwetten.

Das Team Stronach macht sieben Prozent plus.

Die Neos kommen in den Nationalrat. Der Haselsteiner-Antritt ist ein Nullsummenspiel. Was man auf der einen Seite, am eher liberal-konservativen Flügel verliert, gewinnt man in der breiten Mitte wieder. Oder in der Sprache der liberalen Ideologen: Die Neos verlieren zwei Hayek-Apolegeten und gewinnen dafür einen Keynesianer und einen, der von beiden noch nie etwas gehört hat, hinzu.

Habe ich schon wieder wen vergessen? Ach ja, die KPÖ. Nein, kommt nicht rein. Und die Piraten auch nicht.

 

 

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