14.05.2013
Reden in New York vs Realität in WienSelbstmord im Umlaufverfahren der Gerüchte
29.08.2012 18:00 | von Anneliese Rohrer
Die ÖVP ist seit 1986 ohne Unterbrechung in der Regierung. Michael Spindelegger ist der achte Bundesparteiobmann in diesen Jahren. Also kann der unaufhaltsame Niedergang nicht an den unterschiedlichen Führungspersönlichkeiten liegen, sondern nur an der ÖVP in ihrer Gesamtheit. Gleichgültig wer an der Spitze steht, die Partei blieb und bleibt selbstmordgefährdet.
Am Vormittag erreichte mich der Anruf einer jungen Kollegin aus dem TV-Bereich. Sie wollte wissen, ob ich eine Ablöse Michael Spindeleggers als Spitzenkandidat der ÖVP für die Nationalratswahl 2013 für wahrscheinlich halte? Nein, war meine spontane Reaktion - auch weil ich nicht wüsste, wo es denn eine stimmenmaximierende Alternative in der ÖVP gebe. Finanzministerin Maria Fekter oder Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, meinte die Kollegin. Eine Ministerin als "unguided missile", international mit wenig Vertrauen ausgestattet und mit verheerenden Umfragewerten? Ein wenig inspirierender Minister mit Hang zu nur mühsam unterdrückten cholerischen Phasen, der in der Gleichförmigkeit seiner Rede eher einschläfernd denn mitreißend wirkt?
Nach Ende des Gesprächs fiel mir allerdings auf, dass ich wahrscheinlich nicht genug Fantasie habe, um mir vorzustellen, dass die maßgeblichen Verantwortungsträger in der ÖVP tatsächlich zum xten Mal den gleichen Fehler des Obmannschlachtens begehen könnten. Zu wenig Fantasie, um mir jene Selbstzerstörungskräfte in der ÖVP auszumalen, die seit Jahrzehnten in Abständen immer wieder durchbrechen. Zu wenig Fantasie, um zu glauben, dass in dieser Partei ein und dieselbe Dummheit fortgesetzt wiederholt werden kann.
Es kann doch nicht sein, denke ich fantasieloses Wesen, dass jener "Todestrieb" in der ÖVP wieder zum Vorschein kommt, den wir in Abständen in den neunziger Jahren - und nicht nur bei jedem Obmann-Massaker - diagnostiziert haben. Die Todestrieb-Schlagzeile war schon so abgedroschen und doch immer wieder zutreffend, dass Vorsicht geboten war. "Journalismus ist Wiederholung", pflegte der legendäre Chefredakteur und Herausgeber der "Presse", Otto Schulmeister, in seiner markanten Tonlage bis zum Überdruss durch die Gänge der Redaktion zu brüllen. Aber die immer wiederkehrenden Warnungen vor den Selbstmord-Absichten der ÖVP kann er damit nicht gemeint haben.
Der Zerstörungsmechanismus in der ÖVP ist seit Jahrzehnten der gleiche, weshalb man schon auch einen Mangel an Kreativität in der Partei beklagen muss: Erst wird ein Obmann fast einstimmig gekürt und mit Solidaritätsbekundungen überschüttet. Im politischen Alltag fallen dann bald die ersten Querschüsse, die ihn unweigerlich schwächen, worauf dann einige in der Partei - seit den frühen neunziger Jahren und so auch jetzt wieder hauptsächlich Erwin Pröll - zur Überzeugung gelangen, mit dem solcherart angeschlagenen Obmann könne man keine Wahl gewinnen, weshalb man es dann mit einer neuen Führung probieren will. Gewinnt diese dann die nächste Wahl nicht, ist sie auch wieder ablösereif. So war es mit Alois Mock, Josef Riegler, Erhard Busek und wäre es mit Wolfgang Schüssel gewesen, hätte dieser 1995 nicht nach nur einem Jahr eine Neuwahl provoziert und 1999 nicht von der dritten Position aus das Amt des Bundeskanzlers erreicht, was ihm 2002 zu einem fulminanten Sieg verholfen hat. So war es auch mit Wilhelm Molterer 2008.
Zwei Dinge sind unerklärlich. Erstens: Es müsste doch jemandem in der ÖVP auffallen, dass zwar die Obmänner wechseln, der Niedergang der Partei aber nicht aufzuhalten war. Ergo kann es nicht an dem jeweiligen Obmann gelegen sein. Die Partei in ihrer Gesamtheit hat unter den unterschiedlichsten Führungspersönlichkeiten konsequent an ihrem eigenen Niedergang weiter gearbeitet. Darüber müssten ihre Verantwortlichen nachdenken. Tun sie aber offenbar nicht. Wer also ist Schuld an Spindeleggers Schwäche? Er allein oder jene, die sich von ihm Wunder erwartet haben, wohl wissend, dass er dazu nicht der Mann ist, ihn dann bei jeder Gelegenheit schwach aussehen ließen und ihn jetzt ob eben dieser Schwäche wieder los werden wollen?
Zweitens: Warum Spindelegger nicht erkannt hat, dass er nur diese eine Chance 2013 hat. Er hätte auf nichts und niemanden in der Partei Rücksicht nehmen müssen. Er hätte den üblichen Verdächtigen von vornherein klar machen können: Ein Querschuss und ich trete zurück, schaut, wo ihr bleibt! Er hat von Anfang an parteiintern nichts zu verlieren gehabt, was er so und so verlieren würde.
Spindelegger sollte nach Radlbrunn zu Erwin Pröll fahren und ihm das sagen, was andere dem Niederösterreicher auch schon sagen hätten sollen - in Abwandlung eines angeblichen Ausspruchs des Königs von Sachsen, Friedrich August III: "Mach Dir Deinen Dreck alleine".
Ich bin seit langem der Meinung, Erwin Pröll sollte den Mut haben, die Bundespartei selbst zu führen. Dann hätte dieses Theater, für das ich akut nicht genug Fanatasie aufgebracht habe, endlich ein Ende.
Nun Frau Rohrer,
was für ein Glück für die breite Masse, dass es da so eine Expertin gibt, die so gar keine einseitige Meinung hat.....aber anscheinend viel Zeit!
Wie wäre es mal, Frau Rohrer,
darüber zu schreiben, dass.... der derzeitige BK Inserate in Zeitungen "bestellt" hat, also Druck ausgeübt hat, nur zum Zwecke, IHN gut dastehen zu lassen...
.. Stadtregierungen in Wien und Linz Geld der Steuerzahler aus Gier und Dummheit verzocken
.. die Meinung 100.000 Wiener "unwichtig" sei, und man "drüberfährt"
usw
ASOOOOO, sind ROTE Skandale und Skandälchen... Das lohnt ja nicht, gell, Frau Rohrer?? WIE verbissen wie Sie war nur die Frau Schmied, die ja jahrelang den Bauchschrubber von Haider gemacht hat und dann jahrelang eine "Partei" geführt hat die nur das Programm "ICH HASSE HAIDER" hatte....
hier hat frau rohrer eben nicht recht ...
wenn ein manager scheitert, ist immer nur der manager, und nicht die firmenstruktur schuld.bei der övp ist es nicht anders. vielmehr ist spindelegger der bisher schwächste övp-parteichef, wobei ja auch schleinzer, riegler, molterer kein charisma besaßen.
so farblos, so führungsschwach, so wenig kommunikativ, so ideenlos war bisher noch keiner.
schlimmer wird die sache noch, wenn man bedenkt, daß bei der spö derzeit der schwächste kanzler aller zeiten am werk ist.
im vergleich zu spindelegger wirkt der faymann aber inzwischen fast schon staatsmännisch (siehe seine europa-haltung). und das will was heißen!
Obmannablöse
Die Ablöse des ÖVP Obmanns hat schon immer dadurch begonnen, dass ein ÖVP Politiken aus der dritte Reihe sagt:"Ich bin nicht für die Ablöse des Obmanns".Obmannablöse
Die Ablöse des ÖVP Obmanns hat schon immer dadurch begonnen, dass ein ÖVP Politiken aus der dritte Reihe sagt:"Ich bin nicht für die Ablöse des Obmanns".Teils richtig erkannt und beschrieben, aber:
Das immer Gleiche bei der ÖVP? Mag sein.
Und bei ihnen, Fr Rohrer auch!
"Journalismus ist Wiederholung" haben sie scheints verinnerlicht: Hau die ÖVP! Was anderes kommt von ihnen nicht.
Selbst unter Schüssel mit 42% waren sie auf Hau die ÖVP programmiert, aus persönlichen Gründen (betrifft ihre Karriere als Journalistin). Bei Spindi dem Unkantigen gehts jetzt noch leichter.
Wie Rohrer richtig schreibt
... kann's nicht an den Obmanndarstellern liegen und das ist auch nicht verwunderlich, weil die in der ÖVP wenig zu melden haben. Ergo muß man sich einmal überlegen, wer in der bezeichneten Periode wirklich das Sagen in der Partei hatte. Da fallen einem natürlich gleich Figuren wie Konrad ein.Re: Wie Rohrer richtig schreibt
Ich meine ja auch, daß in der ÖVP seit Schüssels Hinauswurf nur mehr der Bauernbund (=Raiffeisen!) mit Steigbügelhalter ÖAAB (=Beamtenbetonklotz Neugebauer !) das Sagen hat.Alle scheinbar handelnden andere Personen sind nur Marionetten !
Re: Re: Wie Rohrer richtig schreibt
das ist der infantile quatsch von verschwörungstheoretikern.die macht liegt bei den schwarzen landeshauptleuten und den bundesobmännern der bünde...aller bünde
Re: Re: Re: Wie Rohrer richtig schreibt
Allesamt charakterlose Hampelmänner....Herr ÖVP-Schreiberling modestus!
Re: Re: Re: Re: Wie Rohrer richtig schreibt
pauschale urteile sind so unintelligent wie ihre verschwörungstheorienÖVP-schreiberling? das impliziert, dass ich im auftrag schreibe...wohl bin ich ein schwarzer...aber ich schreibe für mich.
ihre vp-phobie ist sicher nicht heilbar...aber linderung verschafft dr.sigmund in der berggasse 19
Ich habe eine SPÖVP-Phobie und eine Allergie auf Kammern und Sozialpartnerschaft!
Somit haben Sie teilweise recht. Wer aber den korrupten Parteienfilz und die dummdreiste Arroganz dieser "Altparteien" nicht sehen will, hat sein Urteil über sich selbst schon gesprochen!Re: Ich habe eine SPÖVP-Phobie und eine Allergie auf Kammern und Sozialpartnerschaft!
wer sieht was nicht??ich bin selbstverständlich ein unangenehmer kritiker..innerhalb der partei..ich wasche schmutzwäsche zuhause.
was sie betrifft, so muß es ein ereignis geben, welches die psychisch so deformiert hat...war es ein posten den sie nicht bekamen?...eine zurücksetzung..sind sie trotz eignung übergangen worden..hat man ihnen den medizinalrat verweigert?
welches trauma hat ihr leben so nachhaltig deformiert?
und WORIN unterscheidet sich die SP von der beschriebenen ?
Ausser das sie es besser versteht und leider auch in Wien eine derart grosse Kontrolle über viele Bereiche hat, mehr unter den Teppich kehren zu können ?Einen derart farblos- und unfähigeren Kanzler hatte es auch in der 2. Republik noch nie gegeben, darüber aber kein Wort Fr. Rohrer ???
eben das hat frau rohrer vergessen ..
kleines teufelchen, hab's aber gerade oben gepostet.wenn man bedenkt, daß faymann der schwächste kanzler der republik ist .....
Ich hab recherchiert, warum in den Bezirkssprengeln
die SPÖ immer VOR der ÖVP liegt - keine Hexerei, das festzustellen. Die "Bonzen" der VP in Liesing damit konfrontiert, kam die Aussage zur notwendigen Basis(knochen)arbeit: "Jo, wissma eh, aber das will sich keiner antun, das hamma nicht notwendig, dazu samma zu gut!"Also liegt der Wurm schon im Funktionär und damit auch im Spitzenkandidaten, denn der kommt ja nicht vom Storch sondern aus der Partei.
Wird sich das ändern? - Mit WEM?
Wikipedia - Manfred Rommel:„Die Summe der Einzelinteressen ergibt nicht das Gemeinwohl, sondern
Chaos.“
Und sinngemäß aus meiner Erinnerung:
Bedenke Du sitzest da oben weil wir da sind und nicht weil Du da oben
sitzest.
Identifikationsproblem
Hab' als langjähriger Wähler dieser Partei -teilweise auch mangels anderer Alternativen - vertraut. Aber in den letzten Jahren verkam sie immer mehr zur reinen Klientel-Partei (BB - Beamte und Bauern). Heute bin ich auf der Suche nach einem Angebot, welches ich mit ruhigem Gewissen wählen kann. Unsere Probleme (Pensionen, Verwaltung, Sozialversicherung, etc.) werden nicht gelöst, sondern nur weiter geschoben - die Legislaturperiode mit 5 Jahren ist diesen unseren Vertretern(!??) zu kurz. Wir (Österreich) geraten ins Hintertreffen mit unseren Mitbewerbern (EU, BRIC-Länder) und unsere Jugend muß mit vielen ungelösten Problemen in der Zukunft zu Rande kommen. Die derzeit agierenden Politiker vertreten nur ihre eigenen Interessen. Meine Reaktion ist der Versuch einer Neuorientierung.wir alle suchen mit ihnen ....
auch ich als ehem. wiener abgeordneter dieser partei.Re: Identifikationsproblem
Danke für Ihre Worte, ich glaube nicht wenige Menschen in Österreich sind in genau dem Dilemma - sich nicht mehr ideologisch vertreten zu fühlen. Möglicherweise erleben wir die Grenzen der Demokratie. Viele haben die Wahl zwischen Pest und Cholera, deshalb gehen sie erst gar nicht nicht zu Wahl. Was aber leider auch keinen Einfluss auf den Ausgang hat. Demokratisch bedenklich finde ich allerdings, dass so wie es scheint die Nichtwähler bei nahezu jeder der Wahlen, die ins Haus stehen die absolute Mehrheit haben...Re: Identifikationsproblem
Ich wählte auch früher ÖVP, wenn auch teils zähneknirschend. Seit einiger Zeit wähle ich nur noch ungültig. Mal schauen, ob es der Stronach wert ist, eine Proteststimme zu erhalten oder sonst jemand. Aber ich vermute eher nicht. Der Rohrer würd ich meine Stimme geben...Stimmt
aber mein Mitleid mit Spindelegger hält sich in Grenzen. Er st ein ganz typisches Systemprodukt und weiss wie der Hase läuft. Wenn er dann trotzdem nicht tat was er tun hätte sollen, dann istbihm nicht zu helfen.Ich bin kein Freund von diesen Sammelbeckenparteien (von denen übrigens auch die SPÖ und die FPÖ eine ist - die sind nur anders aufgestellt). Menschen haben heute sehr spezielle Interessen und di lassen sich n solche Sammelbecken nicht vereinen. In einer entwickelten Demokratie gibt es keine Grossparteien. Jede Partei mit über 20 Prozent ist ein Widersinn.
Re: Stimmt
Das mag sein, bleibt nur die Frage, wie sich in einer Demokratie unterschiedlichster Kleinparteien eine handlungsfähige Regierung bilden soll.Re: Re: Stimmt
Präsidialsystem und freies Spiel der Kräfte. DeutlicheAufwertung des Legislativ.Ablenkung
Anstatt einer großen Debatte um die Ablösung eines angeklagten roten Bundeskanzler wird eine mediale (Riesen-)Debatte um den schwarzen Bundeskanzler veranstaltet.Vielleicht wacht die ÖVP auf und verbündet sich mit der FPÖ um den Medien u.a. Institutionen wenigstens ein paar schwarze und blaue Pünktchen im Einheitsrotgrün zu geben.

