Keine guten Tage für Frauen in der Politik - und anderswo

25.11.2012 14:30 |  von Anneliese Rohrer

Wenn Ministerinnen Bürger für dumm verkaufen wollen, schadet das der Sache der Frauen in der Politik und ganz allgemein mehr als wenn Minister das versuchen: Eine grausame Zusammenschau der letzten Tage.

Irgendwie tut man sich als Journalist(in) mit partieller Aufmerksamkeit leichter als mit der eher unangenehmen Angewohnheit, überall und jeder Zeit irgendwelchen Zusammenhängen aufzuspüren zu müssen. In den letzten Tagen war dieser Hang zur Zusammenschau besonders unangenehm. Verschiedene Ereignisse und Wortspenden von Ministerinnen führten unweigerlich zur Erkenntnis: Das sind (waren) keine guten Tage für Frauen. Es bewahrheitet sich nämlich der Spruch, dass Frauen der Sache der Frauen im öffentlichen Bereich mehr schaden können als noch so viele Männer.
Unsinnige Behauptungen von weiblichen Regierungsmitgliedern schmerzen aus diesem Grund oft mehr als jene ihrer männlichen Kollegen. Wenn Politikerinnen versuchen, die Öffentlichkeit für dumm zu verkaufen, in dem sie aus durchsichtigen Gründen um wahltaktischer Vorteile willen ihre Position ändern und so tun als hätten sie nie andere eingenommen, so tut die Beobachtung solcher Verrenkungen einfach weh. Wenn sie sich aus ebenso durchsichtigen Gründen um des eigenen Vorteils willen auf Posten hieven lassen, für die sie nicht die geringste Qualifikation mitbringen und auf denen man den „Missbrauch" ihrer Person mit freien Auge erkennen kann, ebenso.
Hier die Beispiele der letzten Zeit:
Unterrichtsministerin Claudia Schmied meinte in Verteidigung der Ganztagsschule doch allen Ernstes in einem „Presse" Interview (http://diepresse.com/home/bildung/schule/1312288), dass nicht jede Schule ein Konferenzzimmer benötige und sich die Lehrkräfte auch in der "Aula oder im Gemeindesaal" zur Konferenz treffen könnten. Dass dies nur dann sinnvoll wäre, wenn - wie in manch anderen Staaten - Schüler von Klassenzimmer zu Klassenzimmer, also zur jeweiligen Lehrkraft, zum Unterricht pilgern, verschweigt sie; dass dies noch mehr bauliche Veränderungen und daher Geld benötigen würde, ebenso. Was sollen Jugendliche von einer solchen Minister-Aussage halten? Hier will uns jemand auf den Arm nehmen, wahrscheinlich. Das ist gerade bei Jugendlichen und ihrem ohnehin gestörten Verhältnis zur etablierten Politik zur Zeit besonders schlimm.
Schmied ist aber nicht allein. Die beiden ÖVP-Ministerinnen Johanna Mikl-Leitner und Maria Fekter sprangen ihr da zur Seite. Schlimm genug, dass die Innenministerin seit ihrem Ausbruch als ÖAAB-Chefin gegen die Reichen mehr oder weniger offen als „Zaster-Hanni" firmiert und die Finanzministerin seit ewigen Zeiten auch als „Schotter-Mitzi" bekannt ist. So grausam kann Zusammenschau auch sein!
Mikl-Leitners Auftritt in der ZIB 2 am Montag vergangener Woche war vom Schlimmsten. Auf die wiederholte Frage, woher denn das zusätzliche Geld für das neue Modell der Pendlerpauschale kommen soll, wiederholte sie zuerst gebetsmühlartig, dass sie es Finanzministerin Fekter „überlasse", das zu erklären. Und dann machte sie doch einen Vorgriff auf die Erklärung Fekters: Weil Österreich „weiterhin das Tripel A" habe und „weniger Zinsen zu zahlen sind ist das ein Topf, aus dem es (das Geld) kommen kann." Weil sich Österreich also Zinsen erspare, kann man das ersparte Geld woanders einfach wieder ausgeben. Das ist die Logik der Wirtschaftspartei ÖVP, die immer von der „SPÖ Schuldenpartei" spricht? Da fiel dann die Unbedarftheit Mikl-Leitners bei der Frage nach der Logik des neuen Pendlerpauschale schon gar nicht mehr ins Gewicht: „Selbstverständlich haben wir das Modell durchgedacht". Frage: Aber wo sei die Logik, die Autofahrten der Pendler zu subventionieren statt aus ökologischen Gründen den öffentlichen Verkehr zu forcieren? Mikl-Leitner: „Selbstverständlich haben wir das genau angedacht". Und in dieser Art ging es weiter. Was der Moderator offenbar nicht „angedacht" hat: Die Logik liegt in der Landtagswahl in Niederösterreich im März 2013 und in der Tatsache, dass Mikl-Leitner mit noch mehr Schulden kein Problem haben kann, kommt sie doch aus einem der höchst verschuldeten Bundesländern - eben Niederösterreich. So grausam kann politische Sozialisierung sein.
Aber Mikl-Leitner hat am Montag nur vorgebetet, was Finanzministerin Fekter am Dienstag nach dem Ministerrat im Mittagsjournal im Ö 1 Radio zu den mehr als 100 Millionen Euro, die für Pendler zusätzlich durch weniger Steuerzahlungen bereit gestellt werden, mit der eigenen Logik der Sparpartei ÖVP von sich gab: „Wir haben für unser Tripel A niedrigere Zinsen als eingepreist, das heißt, da haben wir ein bisschen einen Puffer". Das heißt, daher kann das Geld mit beiden Händen ausgegeben statt Schulden abgebaut werden. Was sollen Bürger, die von der ÖVP immer wieder auf Sparen eingeschworen werden, von solchen Ministerinnen-Aussagen halten? Hier will uns jemand auf den Arm nehmen, sicherlich! Sparen heißt weniger ausgeben, nicht mehr - anderswo. Aussagen wie jene Fekters sind ein solcher Angriff auf die Intelligenz. Und wieder schadet eine Frau in der Politik den Frauen allgemein.
Und erst Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner: Montag wird in der Wiener Hofburg das internationale König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog eröffnet , finanziert von Saudi Arabien. Bandion-Ortner wird Vize-Generalsekretärin. Ob sie die verschiedenen Strömungen im Islam überhaupt kennt? Ist sie jemandem bisher als Expertin in Religion aufgefallen? Aber vielleicht hat sich Bandion-Ortner in den paar Monaten, die sie in der Anti-Korruptions-Akademie in Laxenburg versorgt worden ist, ja so richtig eingelesen. Es geht ihr doch sicher nicht nur um die saudi-arabisch finanzierte Gage statt ihres früheren Richterbezugs.

Eines kann man Bandion-Ortner aber nicht absprechen: Sie ist wenigstens konsequent: Hat sich die Ex-Richterin im Bawag-Prozess doch schon bei der Übernahme des Justizressorts kräftig selbst überschätzt (und schließlich übernommen), so dürfte ihr der Mangel an Qualifikation auch jetzt keine Probleme bereiten. Die Hoffnung, Frauen hätten eine realistischere Sicht ihrer Fähigkeiten als Männer, erweist sich eben als trügerisch. Allein, jedes Urteil „Sie kann es eben nicht" ist ein weiterer Rückschlag für Frauen. Bei Männern wird es erstens nicht so oft gefällt und fällt zweitens weniger auf.
Von Justizministerin Beatrix Karl, die dringend neue Beratung benötigt, um zu erkennen, dass aufgerissene Augen und Schmollmund bei öffentlichen Auftritten noch lange nicht Kompetenz signalisieren, soll hier gar nicht erst die Schreibe sein. Das wäre echt zu viel.
Was hier wahrscheinlich als Frauenfeindlichkeit oder Zickenkrieg daher kommt, ist eigentlich nur Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit: Wie oft schon habe ich über Jahrzehnte hinweg das Thema „Frauen schaden Frauen" in der Politik schon aufgegriffen? Wozu eigentlich?

22 Kommentare

Das hatte schon

1991 der damalige französische Präsident Mitterand verstanden als er Edith Cresson zur Premierministerin machte. Er wollte zeigen dass Frauen nichts drauf haben. Als er gefragt wurde warum denn Cresson sagte er bekanntlich "wenn es mir gefällt mache ich den Pförtner des Elysee Palastes zum Premierminister.

Es gäbe sehr viele unglaublich kompetente und gebildete Frauen die was leisten könnten aber genauso wie die Männer haben die in der Politik keinerlei Chance. Bei uns in Österreich ist man bei Intelligenz und Leistungswillen doch höchstens suspekt. Und das ist geschlechterneutral.

würde man die

pendlerpauschale-neu oder alt- gänzlich einsparen, könnte man dieses geld zur entlastung mittlerer einkommen verwenden. dadurch würde auch in abwanderungsgebieten ein impuls zur reduktion der personalkosten gesetzt.

dinge wie pendlerpauschalen nützen primär den ländern,
alles was den ländern nützt ist einer grundlegenden verwaltungsreform diametral entgegengesetzt

schmidt soll vorturnen, was sie vorschlägt.

bandion ortner soll diesen job ehrenamtlich machen und / oder wieder zurück zu gericht.

schlimm und schlimmer

Ich denke,der parteipolitische Zwang zur intelligenzverleugnenden "Öffentlichkeitsarbeit" ist geschlechtsübergreifend.
Schlimmer sind tatsächlich die als reine Versorgungsposten für überforderte Expolitiker(innen)kreirten Positionen im halböffentlichen Bereich und natürlich zu Lasten der Steuerzahler.

Re: schlimm und schlimmer

Wenn es nur bei den expolitikerinnen bliebe. Da wären dann noch ihre töchter, nichten, cousinen, freundinnen .....

Re: Re: schlimm und schlimmer

Stimmt,die hatte ich ganz vergessen und dazu natürlich noch die Söhne,Neffen,Cousins und Freunde.

ich habe einen traum

Auch ich bin mit vielen Aktionen unserer Politikerinnen nicht einverstanden, aber träumen darf ich wohl noch: meine Traumpolitikerin ist sachlich, hat ein gutes Auftreten, setzt sich durch und bleibt weiblich/menschlich. Benita Ferrero/Waldner wäre ein guter Anfang gewesen......

Re: ich habe einen traum

......auch ich träume so, es gibt sie ja, sehr klug, jung genug um durchzuhalten, beste Ausbildung, zivilisiertes Benehmen, - sie dürfen nur nicht in die Politik - man muß sich zuerst "anpuckeln" und wir schaffen es nicht diese "Kleinwürstchentaktik" abzuschaffen.
......ich selbst bin bei der ehrenamtlichen Aktivistin angekommen, da gibt es allerhand zu TUN und:
DANK an Dr. Anneliese Rohrer, Antonia Gössinger, Franz Miklautz.........und viele, viele Menschen welche unbekannt in Kärnten mutig auf die Strasse gehen in der Hoffnung, dass sich die Zustände ändern!
Zivilcourage ist Voraussetzung
dass man die Beschimpfung: Linke Chaotin, kleines Häuflein Elend - locker abschütteln kann, welche von uns fürstlich bezahlten Politikern BZÖ höflich formuliert werden:
Kärnten ist anders!
MISCH DICH EIN!

Re: Re: ich habe einen traum

Ich glaube die jetzige regierung hat keine anderen politikerinnen verdient. Beeinflussen läßt sich das nur mit einer denkzettelwahl. Ich hoffe, dass 2013 viele so denken werden und taten folgen.

Re: Re: Re: ich habe einen traum

........ja, aber wo sind die Frauen nach dieser Wahl?

Können Sie sich vorstellen......

....dass Frauen nicht nur mehr wirtschaftliche Schaffenskraft besitzen weil sie ihr Gehirn im Kopf haben, es aber seit Jahrhunderten nicht zustande bringen sich in Führungsposition zu setzen.

Die gesetzliche Regelung muß also her,
wir warten schon lange genug!

Männer können in höchsten Positionen sitzen nur weil sie Alphatiere sein können........da ist Wissen nicht unbedingt die Voraussetzung....sie haben ja ihre Fachleute welche durch einen fürstlich bezahlten, gewaltigen Mitarbeiterstab erfüllt werden.

Wenn sie dann vor dem Richter sitzen:
keine Ahnung,
nichts gehört,
wuste ich nicht.......Frau Gabriela Moser gibt Auskunft.....oder nachlesen:

Zuletzt aktualisiert: 01.11.2012 um 18:43 Uhr1 Kommentar
Kleine Zeitung-Salon mit Gabriela Moser

Die ehemalige U-Ausschuss-Vorsitzende Gabriela Moser sprach am Mittwoch im Kleine Zeitung-Salon mit Wolfgang Simonitsch und Frido Hütter über Stärken und Schwächen des U-Ausschusses.


Frau Vasilakou

ist zwar nicht Ministerin , gehört aber durchaus in die Riege der überforderten Ahnungslosen !!

z.B.: Lage spielt bei Mieten keine Rolle...


Re: Frau Vasilakou

......hat aber trotzdem den richtigen Zugang und wird was zustande bringen!

Ist das der STUTENBISS??

3

Re: Re: Frau Vasilakou

bitte auch um eine begründung, wieso frau vasilakou den "richtigen zugang" hat.

Re: Re: Re: Frau Vasilakou

http://www.youtube.com/watch?v=TMLrZOc9IUo

Da geht es um Menschenrechte!

Re: Re: Frau Vasilakou


Nein, Verehrteste, dass ist kein Stutenbiss-wie kommen Sie dazu,eine Aussage,nur weil sie von einer Frau gegen eine Frau gemacht wurde, als "Stutenbiss" zu verunglimpfen?

Ganz schön diskriminierend !!

Übrigens: auch Herr Ellenson und Herr Chorherr gehören in diese Riege der unfähigen. verblendeten Ideologen.

Ist das der HENGSTTRITT ?

Leider gibt es noch mehr Frauen, die nicht positiv aufgefallen sind ...

wie man in diesem Beitrag nachlesen kann:
Sexuelle Belästigung ist Alltag
http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/1316476/Sexuelle-Belaestigung-ist-Alltag

Die Aktion ist sicher nicht ok und anzuprangern, aber wie darauf einige Politikerinnen reagieren ist genauso wenig ok!

"Auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SP) kritisiert die „Verharmlosung“ solcher Übergriffe und fordert von Justizministerin Beatrix Karl (VP), das Gesetz „nachzuschärfen“."

Damit soll wohl wieder einmal eine Anlassgesetzgebung aufgrund eines Einzelfalls veranlasst werden.

"Die fühlt sich sehr wohl belästigt und in ihrer sexuellen Integrität verletzt. Der Übergriff habe sie sogar derart mitgenommen, dass sie vier Wochen im Krankenstand gewesen sei und sich seither in psychologischer Behandlung befinde."

Aha - der Auslöser war:
"Ein ihr unbekannter Mann hält sie auf dem Fahrrad mit den Worten „Oh, Frau mit knackigem Po, darf ich mal anfassen?“ auf. Natürlich verneint die Bankangestellte. Der 37-jährige macht es trotzdem und fängt sich eine Ohrfeige ein."

Ein Monat Krankenstand wegen einer Berührung?

In welcher Welt leben wir eigentlich?
Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas große Sympathien auslöst ... aber wer weiß.

Na gut,

wenn Sie (offensichtlich aus Platzmangel) Beatrix Karl verschonen, muss halt ich der Duckface-Ministerin via diesem Blog ausrichten, dass ich es unerhört finde, wie sie in der Grazer Pograpscher-Affäre reagiert hat.

Und mit dieser Meinung steh ich nicht alleine da.

Während andere Politikerinnen eine Nachjustierung des Gesetzes verlangen, um Frauen mit "knackigem Po" nicht zum Freiwild zu machen, sieht die Justizministerin keinen Handlungsbedarf.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dies die ÖVP bei den nächsten Wahlen etliche Stimmen von verärgerten Frauen kosten wird.



Re: Na sehr gut,

da werden dann die Grüninnen die absolute Mehrheit bekommen.......

Re: Re: Na sehr gut,

Das hört sich ja fast so an, als würden Sie insgeheim mit dem Grapscher sympathisieren..... ;-)))))

Das ist der Fluch der Quotenfrau, daß ständig neue Quotenfrauen sie gebärt.


Quotenfrauen

In der Überschrift ist alles enthalten.

Rohrers Reality-Check

Die Autorin

  • Anneliese Rohrer
    geboren 1944, war von 1974 bis 2005 bei der "Presse" als innenpolitische Journalistin, Ressortleiterin Innen- und Außenpolitik tätig. Seit 2009 ist sie Kolumnistin bei der "Presse".

Hinweis

  • Der Inhalt von Blogbeiträgen spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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