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Erwin Pröll und tolle Umfragen - oder: Die Leiden des jungen Ernst Strassers

04.02.2013 18:37 |  von Anneliese Rohrer

Gute Umfragewerte vor einer (Landtags)Wahl müssten Politiker doch eigentliche beflügeln. Keine Rede davon. In der verkehrten Welt der Politik sind sie offenbar kontraproduktiv, weil zu viel Gewissheit bei den Wählern Apathie auslöst. Ein Fallbeispiel: Erwin Pröll der neunziger Jahre.

In vier Wochen wird die Landtagswahl in Niederösterreich geschlagen sein. Nun redet ja Ernst Strasser, wie man seit einiger Zeit weiß, dies und das, aber vielleicht war er ja vor mehr als zehn Jahren noch "der Strasser", den Pröll "gekannt hat". Wenn dann eine seiner Erzählungen von damals ein Indikator ist, dann hat Landeshauptmann Erwin Pröll keine Freude mit den zur Zeit flächendeckend publizierten guten Umfragen für seine ÖVP: "Niederösterreich: ÖVP hält Absolute" ("Kurier" vom Sonntag) oder so ähnlich lauten die Schlagzeilen. Journalisten glauben immer, Politiker müssten sich doch über gute Umfragedaten freuen, aber offenbar ist das zu simpel gedacht. In der Welt des Erwin Pröll zum Beispiel müssen solche Umfragen des Teufels sein, weil sie seine Sympathisanten nicht in Angst und Schrecken vor dem Verlust seiner absoluten Macht zu den Urnen scheuchen würden.

Wie ich auf diese Idee komme? Nun, eben wegen einer Erzählung Ernst Strassers bei jenem Mittagessen, bei dem er dann als Innenminister frühere Drohungen, er werde schon dafür sorgen, dass ich meinen Job bei der "Presse" verliere, vergessen machen wollte. So nach dem Motto: Schwamm drüber, wir haben uns ja immer gut verstanden! Und weil der Einschüchterungsversuch, der  auch schon viele Jahre her war, wirklich nicht mehr die Länge einer (damals noch erlaubten) Anfütterung in einem Nobelrestaurant her gab, kam die Rede eben auf Niederösterreich.

Es kann die Landtagswahl 1993 oder auch jene von 1998 gewesen sein - ein klarer Fall von Aufmerksamkeitsdefizit meinerseits oder verdrängter Erinnerung. Strasser jedenfalls erzählte, dass ein der ÖVP sehr verbundenes Meinungsforschungsinstitut eine Woche vor der Landtagswahl tolle Umfragewerte hatte, die Prölls ÖVP wieder mit absoluter Mehrheit sahen - eine Mehrheit, die es zuletzt 1983 gegeben hatte. Pröll soll angeblich sehr erbost gewesen sein. Sollte das besagte Institut es wagen, diese Umfrage zu veröffentlichen, dann werde er dafür sorgen, dass das besagte Institut nie wieder einen Auftrag der niederösterreichischen ÖVP bekomme. Strasser war offenbar der Überbringer der schlechten Nachricht. Das Institut ließ die Umfrage in der Schublade verschwinden.

Das war kein Fehler. Denn - egal ob 1993 oder 1998 - die ÖVP blieb mit 44,2  bzw. 44,9 Prozent unter der Absoluten. So ersparte sich das Institut wenigstens eine Blamage, wenn auch der von Pröll erhoffte Mobilisierungseffekt offensichtlich dennoch ausgeblieben ist.

Aus all dem ist zu schließen, dass die niederösterreichische ÖVP nichts weniger brauchen kann als optimistische Umfragen und eine apathische Gefolgschaft. Wenn die Wähler im Glauben, den 54.4 Prozent der Landtagswahl 2008 könne schon nicht viel passieren, zu Hause bleiben, könnte die  niederösterreichische ÖVP ein Problem kriegen. Und nichts kann sie weniger brauchen als einen Dämpfer im Pröll-Land. Daher wird das Team Pröll aus wahltaktischen Gründen so tun als wäre der 3.März für die ÖVP eine Zitterpartie. Alles andere wäre kontraproduktiv. Jetzt muss es nur noch irgendwie gelingen - wie vor vielen Jahren - die Meinungsforschungsinstitute auf Linie zu bringen.

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19 Kommentare

Zur Abwechslung mal wieder ein Buch lesen?

http://kurzurl.net/erwin

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Neue Horizonte

Ich freue mich dass Sie meinen Vorschlag vor über einem Jahr die Amtszeit der Landesfürsten auf 2 Perioden zu begrenzen aufgenommen haben. Der zweite Vorschlag die Zahl der Bundesländer zu reduzieren (copyright Hirschmann) wartet noch!
Nur um keine Arbeitslosigkeit bei Landesfürsten auszulösen wurde ich vorschlagen dass sich Onkel Erwin als Papst bewirbt. Eine win-win-win Situation denn
-einen besseren gibt es nicht egal ob für Nö oder den Vatikan nicht wahr?
-aus NÖ ist er weg
-Wien kann mit NÖ zusammengelegt werden
-Stronach gewinnt in NÖ und bringt die Finanzen auf Vordermann.......

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Ich schätze

das Problem in NÖ IST die ÖVP. Die St. Pöltner Billardkugel ist ja genauso abgehoben wie der dicke Süffel in Wien. Die denken ja tatsächlich, das Land gehört ihnen. Schon vergessen wer uns den symphatischen Strasser Ernstl eingebrockt hat? Und die Gängelung von Journalisten und Andersdenkenden? Schon allein dafür gehört er ins Kloster geschickt.

Ernst Strasser war offensichtlich

nicht immer so dumm ...

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Nun ja...

Nötigungen hin oder her, unterm Strich bleibt zu hoffen dass sich die Geschichte wiederholt und ein entsprechend positives Umfrageresultat ein entsprechend negatives Wahlresultat nach sich zieht.

Hintergründe und mögliche ÖVP Gedankengänge wurden hervorragend analysiert!

Die Rache der Journalisten an den Politikern ist das Archiv.

http://news.orf.at/static/images/site/news/20120832/strasser_anklage_strasser_proell_body_a.2164898.jpg

http://www.k2020.at/2009/10/04/wer-nichts-wei-muss-alles-glauben/

http://www.k2020.at/2009/10/04/wer-nichts-wei-muss-alles-glauben/

Es heißt des jungen Strasser ohne s.

Grammatik sollten Journalisten beherrschen.

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Re: Es heißt des jungen Strasser ohne s.

... ein kleiner tipp: schaun's nicht unter 'grammatik' sondern unter 'literatur' nach, werters freund!

Was spricht dagegen

Never change a running system
Oder geht es der Bevölkerung schlecht in diesen Bundesländern.
Schaue man sich nur Kärnten an...

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schön beim Pröll bleiben, liebe Niederösterreicher, da sind Euch die 100 Mio. Miese pro Jahr garantiert sicher.


Das System Pröll und das System Häupl sind eben besser einbetoniert, als es das System Haider je war !

Man muß sich die Wähler nur abhängig machen......

Wahl in NÖ


Journalismus auf tiefstem Niveau:
"Der kaum versteckte Schaum vorm Mund, den Stronach produziert, wenn er den Namen des Landeshauptmannes ausspricht, lässt erahnen, wie sehr sich der alte Mann an Erwin Pröll rächen möchte"

http://www.noen.at/news/meinung/Niederoesterreich-als-Nabel-der-Politik-des-ganzen-Landes;art155,440824

Re: Wahl in NÖ


Der Pröllet aus NÖ mit seinem Propaganda-Blattl will wohl dem Scheuchschen Brieferlschreiber aus Kärnten Konkurrenz machen.

Wer erreicht wohl das tiefste Niveau - Pröll oder Scheuch ?

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kernland

Der bauernbund, der wirtschaftsbund, die genossen(schafter) und der öaab werden das kind schon schaukeln.
Nach den motto: Habt acht, wählen (gehen).

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Re: kernland

Der Aufruf dazu kommt sicher.
Alleine das Resultat könnte doch anders sein als erwartet, irgendwann wird es wohl hoffentlich auch dem gutmütigsten Parteisoldaten reichen.
Denn de facto alles was man der ÖVP (zu Recht) vorwerfen kann hatte seinen Ursprung in St. Pölten.

Re: kernland

Sie haben ja sooooooooooo recht!

Wahl in NÖ

Wie immer auch die Meinungsumfragen ausfallen - hoffentlich fällt bei der Wahl am 03.03. die Absolute von Herrn Pröll!

Ein weiterer Grund dafür:
Die NÖN macht mobil für den Wahlkampf!

Journalismus auf tiefstem Niveau: "Der kaum versteckte Schaum vorm Mund, den Stronach produziert, wenn er den Namen des Landeshauptmannes ausspricht, lässt erahnen, wie sehr sich der alte Mann an Erwin Pröll rächen möchte"

http://www.noen.at/news/meinung/Niederoesterreich-als-Nabel-der-Politik-des-ganzen-Landes;art155,440824

Re: Wahl in NÖ

Das ist primitivster Anbiederungs-Journalismus a la Nordkorea oder China.
Widerlich!

Rohrers Reality-Check

Die Autorin

  • Anneliese Rohrer
    geboren 1944, war von 1974 bis 2005 bei der "Presse" als innenpolitische Journalistin, Ressortleiterin Innen- und Außenpolitik tätig. Seit 2009 ist sie Kolumnistin bei der "Presse".

Hinweis

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