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Strache, Kärnten, die Rechten und ein Deja-vu aus Jörg Haiders Zeiten

18.03.2013 18:01 |  von Anneliese Rohrer

FPÖ-Chef Strache bedauert, dass er sich nicht "klonen kann", um die FPÖ überall erfolgreich zu machen. Vorgänger Jörg Haider hat sich schon 1991 bitterlich beklagt, dass er die Last der FPÖ ganz allein schultern muss.

Wenn FPÖ-Che Heiz Christian Strache öffentlich bedauert, dass er sich leider, leider „nicht klonen kann", seine Partei daher doch nicht so gut funktioniere, oder wenn Journalisten nach zwei Landtagswahl-Schlappen für die FPÖ bereits wieder das „Ende der Rechten" herbei schreiben, dann weiß man: Es ist wieder einmal Zeit für ein ordentliches Déjà-vu.
Alles schon da gewesen. Bei Straches Klon-Fantasien steigt ganz plötzlich die Erinnerung an ein Gespräch mit Jörg Haider 1991 oder Anfang 1992 auf. Der FPÖ-Chef war in Kärnten als Landeshauptmann abgewählt worden („Na, das hat's im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen.") und als Klubobmann in den Nationalrat zurück gekehrt. Da flatterte eines Tages ein Brief von ihm mit eindeutig einschüchterndem Inhalt auf den Redaktionstisch.
Die Einschüchterung wollte ich mir persönlich „abholen", gewissermaßen, und bat um einen Termin, den es auch unverzüglich gab. Auf die Frage, wie der Inhalt des Briefes gemeint sei, kehrte Haider seine charmanteste Seite hervor. Das war sein Trick bei vier-Augen-Gesprächen: Er wolle von uns Journalisten doch nur so behandelt werden wie alle anderen Politiker auch.

Bei aller Kritik an Haiders Person und Politik gab es doch eine professionell korrekte Gesprächsbasis, weshalb er sich auch darauf verlassen konnte, dass sich der Inhalt eines Gesprächs, das nicht als Interview ausgewiesen war, in keiner Zeile wieder finden würde.
Wahrscheinlich deshalb hob er zu einem erstaunlichen Klagelied an: Er sei in Wahrheit arm dran, alles müsse er selbst machen, er sei nur von „Trotteln" (Haider) umgeben, müsse die ganze Last der FPÖ allein schultern, ein ungeheures Arbeitspensum erledigen, weil eben niemand in seiner Umgebung ihm Arbeit abnehmen könne, es nur auf ihn ankomme - und ähnliches.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass mich dieses Lamento aus zwei Gründen überraschte: Einerseits, weil er über die FPÖ mit einer Heide Schmidt, einem Norbert Gugerbauer, einer Susanne Riess-Passer. Dieses Team - mit Ausnahme von Walter Meischbergers und Armin Rumpold - war damals aber um einiges ernster zu nehmen, als so manches, das später folgte. Andrerseits, weil Haider dieses Lamento so überzeugend vorgetragen hat, dass ich einen Hauch von Mitleid bei mir selbst entdeckte, was dann doch etwas erstaunlich war - angesichts meiner Überzeugung damals, dass die destruktive Politik, wie sie sich schon abzeichnete, nicht gut für das Land sein kann.
Was also ist bei der FPÖ heute so anders - außer dem intellektuellem Niveau der beiden FPÖ-Chefs? Wie damals als sich zum Beispiel der Huber-Clan in Kärnten mit Krimhilde Trattnig an der Spitze beleidigt aus der Haider-FPÖ zurück gezogen hat, gibt es jetzt wieder wilde Grabenkämpfe in Kärnten. Spaltungen in der Partei sind nach der Revolte der Kärntner gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ 2002, nach der Abspaltung des BZÖ unter Haider, der FPK vom BZÖ etc. auch nichts neues mehr.
Umso erstaunlicher, dass - wie bei einem unkontrollierbaren Reflex - jetzt wieder Journalisten das „Ende der Rechten" in Österreich kommen sehen. Es wäre ihnen wirklich der Gang ins Archiv zu empfehlen. Dort könnten sie ihre eigenen Titelgeschichten von „Haider am Ende" oder „Rechte vor Ende" etc. ausheben lassen. Noch einmal sei's erzählt: Der legendäre Chefredakteur der „Presse", Otto Schulmeister, pflegte durch die Gänge der Redaktion in der Muthgasse in seiner unverkennbar tiefen Stimme zu brüllen: „Journalismus ist Wiederholung". Von einer Wiederholung der Titelgeschichten so alle zehn Jahre hat er nichts gesagt.

 

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1 Kommentare

Hat es da einen Buchstabensturz gegeben?

Vor allem im vorletzten Absatz sind wohl einige Wörter verloren gegangen.

Rohrers Reality-Check

Die Autorin

  • Anneliese Rohrer
    geboren 1944, war von 1974 bis 2005 bei der "Presse" als innenpolitische Journalistin, Ressortleiterin Innen- und Außenpolitik tätig. Seit 2009 ist sie Kolumnistin bei der "Presse".

Hinweis

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