Wir sind Spitze - bei bezahlten freien Arbeitstagen!

10.06.2013 12:53 |  von Anneliese Rohrer

In Österreich geistert die Forderung nach einer sechsten gesetzlichen Urlaubswoche durch die politische Diskussion. Laut einer Aufstellung, erschienen vor wenigen Tage im Blog 24/7 Wall Street, hält Österreich in Europa jetzt schon den Spitzenplatz an bezahlten arbeitsfreien Tagen.

Interessant! Die Internetplattform 24/7 Wall Street hat in einer Studie des Center for Economic Policy and Research (CEPR) in Washington Österreich als jenes Land mit den meisten bezahlten freien Tagen (Urlaub und Feiertage), nämlich 35, und sonstigen Vergünstigungen identifiziert. Gleich viel arbeitsfreie Tage hatte bis zum Sparprogramm Portugal, aber dennoch mehr Arbeitsstunden pro Jahr: 1.711 gegenüber 1.598 in Österreich. Allerdings wird betont, dass die Zahl der arbeitsfreien Tage offensichtlich nicht immer einen direkten Einfluss auf die Produktivität eines Landes hat.


Zu diesem Punkt wird der John Schmitt vom CEPR zitiert: Es scheine, dass „bezahlte Urlaube und Feiertage keinen bedeutenden Einfluss auf die makroökonomischen Ergebnisse haben". So hätten Deutschland und Frankreich ungefähr die gleiche Anzahl von jährlichen Arbeitsstunden (1.476 Stunden vs. 1.406 Stunden), aber sehr unterschiedliche Wirtschaftsleistungen, Deutschlands Wirtschaft gehe es gut, Frankreich stecke in einer Rezession. 24/7 Wall Street hat außer den Ergebnissen von CEPR auch noch Statistiken der OECD und des IMF aus 2012 verwendet.

Der Bericht stellt zu Beginn die Situation in Österreich direkt jener in den USA gegenüber: „Österreich, das seinen Arbeitsnehmer die meiste freie Zeit garantiert, hat ein gesetzliches Minimum von 22 bezahlten Urlaubstage und 13 bezahlten Feiertage pro Jahr. Im privaten Sektor der USA erhalten Arbeitnehmer im Durchschnitt 16 bezahlte freie Tage. Einer von vier Arbeitnehmern in den USA erhält nicht einen einzigen bezahlten freien Tag."

Experten, so der Blog, bezweifeln einen generell negativen Effekt der arbeitsfreien Tage auf die Gesamtwirtschaft. Aus der Aufstellung lässt sich ersehen, dass zum Beispiel Italien weniger arbeitsfreie Tage zählt aber mit einer Produktivitätsrate von 46.40 US $ unter jener von Österreich (51.60 US $ pro Stunde) liegt.

Bei Österreich wird die niedrige Arbeitlosenrate vor dem Hintergrund der meisten Vergünstigungen - 22 Werktage als bezahlter Urlaub, 13 Feiertage, Mehrurlaub nach 25 Arbeitsjahren und bei besonderen Arbeitsbedingungen, Sonderzahlungen bei Arbeit an Feiertagen etc. - auf die Lehrlingsprogramme zurück geführt. Dazu heißt es: „Österreich hat seit langem ein Lehrlingsprogramm, das für die meisten Jugendliche Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Allerdings hat die Popularität dieses Programms in den letzten Jahren nachgelassen."

Interessant auch der Ländervergleich arbeitsfreie Tage und Arbeitsstunden pro Jahr:

  • Österreich: 35 Tage, 1.598 Stunden
  • Portugal: 35 Tage, 1.711 Stunden
  • Deutschland: 34 Tage, 1.406 Stunden
  • Spanien: 34 Tage, 1,685 Stunden
  • Frankreich: 31 Tage, 1,476 Stunden
  • Belgien: 30 Tage, 1,577 Stunden
  • Italien: 30 Tage, 1,774 Stunden

Siehe: http://247wallst.com

8 Kommentare

Noch interessanter ist,

dass Journalisten eine 7. Woche Urlaub und 15 Monatsgehälter geniessen.
DAS ist nämlich sogar weltweit Spitze.
Und in Österreich wurde sogar 2013 noch die Presseförderung verdoppelt!


Man braucht nur öffentlichen Dienst und Migranten herauszurechnen,..

.. und schon sind die Österreicher top. Irgendwoher muss das BIP ja kommen. Das öffentl. Dienst und Migranten unseren Wohstand auffressen, ist ja seit Jahrzehnten bekannt. Zusätzlicher Urlaub würde ja auch nur dem öffent. Dienst u. den Migranten zugute kommen, weil eine Firma muss arbeiten, wenn es Aufträge gibt. Da kann man nicht auch Urlaub gehen.

Wurde hier Teilzeit berücksichtigt?

Wenn man den Werten zu den Arbeitsstunden pro Jahr glauben kann arbeitet ein Italiener 26% mehr Stunden pro Jahr als ein Deutscher.

Die einzige Erklärung die mir dafür einfällt wäre dass in Deutschland mehr Beschäftigungsverhältnisse mit Teilzeit gibt als in Italien, dann ist der Wert aber nicht wirklich brauchbar.

Re: Wurde hier Teilzeit berücksichtigt?

nur weil ein italiener glaubt er arbeitet hat das noch lange keinen output.

die kommision zur verwaltung des See Kopais wird wohl auch angeben sie arbeitet sinnvoll...

in der statistik fehlen eindeutig die lehrer....

Lehrer: 176 Tage, 589 Stunden

Re: in der statistik fehlen eindeutig die lehrer....

blabla

Waren sie zu dumm um Lehrer zu werden?

Re: Re: in der statistik fehlen eindeutig die lehrer....

nein wollte mir die frustration die im öffentlichen dienst zwangsweise ab spätestens 35 kommt nicht antun.


Rohrers Reality-Check

Die Autorin

  • Anneliese Rohrer
    geboren 1944, war von 1974 bis 2005 bei der "Presse" als innenpolitische Journalistin, Ressortleiterin Innen- und Außenpolitik tätig. Seit 2009 ist sie Kolumnistin bei der "Presse".

Hinweis

  • Der Inhalt von Blogbeiträgen spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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