Mutbürger vormals Stammtisch

28.01.2012 21:05 |  von Anneliese Rohrer

Das nächste Treffen findet am 13. Februar um 17 Uhr im Burg Kino in Wien statt. Seit dem letzten am 16. Jänner sind einige Vernetzungsmöglichkeiten hinzu gekommen. Das ursprüngliche Ziel der Hilfe zur Selbsthilfe rückt in greifbare Nähe.

Das Spannende an den Mutbürgern ist: Man weiß nie, was einen erwartet. Einmal ist es eine Fülle von Einzelinteressen, die sich nicht bündeln lassen, was verständlicherweise zu einiger Frustration führt. Der Hinweis, dass sich Einzelinteressenten eben selbst Verbündete aus dem Kreis der Mutbürger suchen müssen, kommt selten gut an.

Das andere Mal aber ist es die Erfahrung, dass sich zivilgesellschaftlich doch viel mehr tut als an die Öffentlichkeit und somit an das Ohr der Politiker dringt. Überraschend war in den letzten Tagen daher die Erkenntnis, dass ausgerechnet in den beiden Bundesländern mit ausgeprägter Einschüchterungskultur der Druck zunimmt. In Kärnten hat Franz Wurzer (www.diemutbuerger.at) viel erreicht und in Klagenfurt zu einem eigentlich "unmöglichen" Termin, den 22. Dezember, bei großer Kälte 700 Menschen zum Mutbürger-Marsch auf die Straße gebracht.

In Niederösterreich hat vergangenen Montag Herr Ing. Manfred Schärfinger (www.mutbuerger-innen.at) eine Mutbürger-Versammlung gestartet. Die Überraschung des Abends: Offensichtlich ist die Mehrheit der Interessierten in ihren Heimatgemeinden mit Bürgerlisten vertreten, die mitunter großen Erfolg erzielt haben. Wie in Niederösterreich zu erfahren ist, soll der Druck von oben auf potentielle Bürgerlisten-Kandidaten erheblich und flächendeckend sein. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen hat sich in Niederösterreich ein Bürgerlisten-Leben entwickelt, von dem die Medien - in Niederösterreich schon gar nicht - kaum Kenntnis nehmen. Diese Bürgervertreter in den Gemeindestuben brauchen vor allem eines: Experten, die sie in den politischen Mechanismen beraten und mehr aktive Mitarbeiter. Ein weites Feld also für Mutbürger jeder Art. So kann sich Druck von unten aufbauen. Gerade in diesen beiden Bundesländern trifft der Begriff Mutbürger im wahrsten Sinn des Wortes zu. Und das ist gut so.

Beim Wiener Treffen am 16.Jänner mussten die Aktionspläne der drei Gruppen - Einsparung, Bildung, Verwaltungsreform - vertagt werden. Es wird sie hoffentlich im Februar geben.

Bis dahin wird man auch sehen wie die neuen Kontakt- und Vernetzungsmöglichkeiten, die dank der Hilfe eines der Mutbürger-Interessierten und des Herrn Schärfinger entstanden sind, angenommen werden. Facebook: Mutbürger Austria; email: mutbuerger.austria@gmx.at (Ich stehe zur Verfügung) und www.mutbuerger-innen.at

Generell aber gilt die Aufforderung des ehemaligen RH-Chefs Franz Fiedler beim Treffen im September: "Nicht locker lassen." Einfach dran bleiben, auf welcher Ebene immer, in welcher Gruppe immer man sich eben wiederfindet und bereit ist, aktiv zu werden. Der Begriff von den "Mühen der Ebenen" ist hier eine schlichte Untertreibung.

Und noch ein Buchtipp: Michael Weiß, "Die direkte Demokratie - Wie wir uns in die Politik einmischen können", Holzhausen.

20 Kommentare
Gast: Aktiver Mutbürger
22.02.2012 09:49
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Kennenlernen, Vertrauensbildung, Gruppenbildung

"... bisher war die Fixierung auf Ziele und
Ergebnisse nicht sinnvoll - das steht meiner
Meinung nach ganz hinten auf der Liste,
zuerst braucht es eine Gruppenbildung."
-- Zitat von "Rechtsauslegender"

Mitten ins Schwarze getroffen!

Kennenlernen, Vertrauensbildung, Gruppenbildung – so wird's was.

Gast: Hildegard X
18.02.2012 16:23
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Quergeschrieben 18.feb 012

sehr geehrte frau rohrer,
ja, gut geschrieben. stimmt auch alles. aber eines fehlt:allerdings waren damals alle fraktionen auch für die erhöhung der klubförderung... einstimmig.
und so wurden gewisse wählerstimmenverluste wettgemacht. reduziert wurde also nicht wirklich.

da ein bissschen weg und dort ein bisschen mehr.

Gast: Winston Churchill
15.02.2012 08:43
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Cheers

Wir hatten gehofft, eine Tigerkatze an Land zu setzen, und alles, was wir nun haben, ist ein verendeter Wal.

Antworten Gast: Winston Churchill
15.02.2012 09:30
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Re: Cheers

...mein Gedächtnis lässt schon nach: ein gestrandeter Wal.

Was soll das Ganze?

....Diese Bürgervertreter in den Gemeindestuben brauchen vor allem eines: Experten, die sie in den politischen Mechanismen beraten ......

Z.B. die Androschs, Bachlers, Rohrers, die das Symptom "Wen ich (noch) einmal jung wär'..." zu ihrem Credo erheben.

Lasst die Jungen an die Macht. Alte "Versäumer", die sich noch einmal selbst verwirklichen wollen und das System des "Neuen Trittbrettfahrens" verwirklichen, haben wir genug!

Lieber einen Ortner als 100 Rohrer....


Antworten Gast: Alterchen
16.02.2012 10:46
0 0

Re: Was soll das Ganze?

Es ist ja nicht so, dass die Alten die Jungen nicht hochkommen lassen. Ich frage mich auch wo denn die Jungen sind. Es studieren 100te junge Leute Politikwissenschaft, wo sind die? Das wäre doch ein Praxisbetätigungsfeld für die Studenten. Frank Stronach würde eine völlig neue Partei ( keine 5. Kolonne der etablierten Parteien) mit erheblichen Geldmitteln unterstützen, wo ist unsere Jugend. "You Are The Future Of Tomorrow" ( Solomon Burke) woooooo seid ihr?

Re: Re: Was soll das Ganze?

ein Partei von Stronachs Gnaden als alternative zum System - der Witz des Tages...

Gast: Robert Sabitzer
14.02.2012 14:54
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Vernetzung - jetzt

Ich gebe Parzifal vollkommen Recht. Was es braucht ist eine Vernetzung all dieser Gruppierungen.
Ich möchte dazu als neutralen Platz unser Bürgerbüro in der Garnisongasse 22, 1090 Wien, anbieten. Hier treffen sich schon die Mutbürger, Whistleblower, Piraten, Ofpersolidarität, Reste der Unibrennt Bewegung, diverse Bürgerinitiativen, etc. und vernetzen sich hier.
Kontakt: robsab@aon.at oder 0650 41 77 333

Antworten Gast: Aktiver Mutbürger
14.02.2012 15:33
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Das ist ein Wort – Danke für dieses Angebot!

Wahrscheinlich läuft es nämlich wirklich nur mit enger Vernetzung und daraus resultierenden konzertierten Aktionen.

Ich habe in den letzten Monaten live miterlebt, daß es etliche sehr engagierte Leute gibt, die definitiv was TUN wollen.

Machen wir dieser unsäglichen "Politik" endlich ein ENDE.

Gast: Peter K.
14.02.2012 02:56
1 0

Schluss. Aus. Zurück an den Start!

Die Veranstaltung war geleitet von den falschen Herren, entweder Dauerredner oder Selbstdarsteller.

Der sogar dort ausgesprochene Satz: "Demokratie braucht Zeit!", sollte eine Floskel bleiben.

Der Kommentar von Frau Rohrer, diese Initiative wieder zu beenden, war der einzige Lichtblick. Leider.
Er wurde vom Mikrofon-Verwalter im nächsten Moment bei Seite gewischt.

Ist man nicht der Typ, der seine Hand immer gleich in die Höhe streckt, okkupieren die oben Genannten jegliche Redezeit, selber Schuld, klar, nur die Harten und Schnellstrecker kommen durch (und werden Politiker). Frauen kamen (bis auf 2) gar nicht zu Wort.
Darstellungen von Organisationen und Multimedia-Dienstleistungsangebote bzw. Forderungen prasselten auf einen ein. Das Wort an sich gerissen und ohne einer gemeinsamen Planung 'tun' diese Vielredner einfach etwas beschließen und rennen los. Diskussionslos.
Es bleibt gar keine Zeit einen Gedanken zu fassen, geschweige denn zu formulieren. Das Gesuchte bleibt auf der Strecke. Das Gemeinsame. Denn Einigkeit mach stark.

Ein max. 2 gemeinsame Forderungen, gemeinsam, ausformuliert in wenigen Sätzen, wäre es gewesen. Ein Fundament, mehr in einer so inhomogenen Gruppe wahrscheinlich gar nicht möglich. Auf dieser Basis hätte man dann wachsen können.

Wenn die dort auftretenden Redenschwinger die Alternative zu den derzeitigen Politikern darstellen, bleibt uns nur mehr ein tiefer Glaube. Der Herrgott. wird’s scho’ richt’n. Irgendwann.


Re: Schluss. Aus. Zurück an den Start!

Missverständnisse sind schwer zu überwinden: Das ist jetzt nicht das Ende, sondern erst der Anfang. Das Ziel war nämlich von Beginn an, Wege der Beteiligung am politischen Geschehen aufzuzeigen, Vernetzung handlungsbereiter Bürger zu ermöglichen, Eigenverantwortung zu übernehmen. Von einer "Alternative" zu derzeitigen Politikern war nie die Rede.

Re: Schluss. Aus. Zurück an den Start!

wenn es ihnen nicht gefällt was die anderen Vortragen oder Einbringen dann bleibt wohl nur eins: sie müssen sich als "Schnellstrecker" betätigen.

Das Beenden der Initiative durch Frau Rohrer war ein Tief- kein Höhepunkt - zu schnell aufgegeben - aber ich glaube dass sich andere Leute finden werden die das weitertragen wenn auch nicht in derselben Form.

Nicht zurück an den Start - weitermachen!

Fr. Rohrer hat die einzig richtige Entscheidung getroffen. Es bringt nichts, wenn sich ein paar versprengte Schäfchen 1x pro Monat treffen und über Themen hirnen, über die schon von Dutzenden anderen Vereinen, Organisationen, Gruppen, etc.. ausreichend gehirnt wurde. Die Leute, die wirklich aktiv werden wollen, finden genügend Gruppierungen die sie unterstützen, bei denen sie mitmachen können. Wichtig wäre nur eine VERNETZUNG all diser Gruppierungen unter einem Themendach.

Re: Nicht zurück an den Start - weitermachen!

vernetzt unter einem Themendach ist nicht das was es braucht, was es braucht ist ein Kennenlernen. Auch bisher war die Fixierung auf Ziele und Ergebnisse nicht sinnvoll - das steht meiner Meinung nach ganz hinten auf der Liste, zuerst braucht es eine Gruppenbildung.

Gast: oje
13.02.2012 14:06
1 1

Lichterlnketterln

Das wirds bringen. Eine Lichterkettenorganisatorin und eine ConsulterIn, die ein Kernkonzept schreibt, da kann nichts mehr schief gehen.
Jemand, der ein Zertifikat ausstellt, fehlt noch.

Die politische Klasse zittert schon wie Espenlaub.

Gast: Kritikus
05.02.2012 18:44
2 0

Dilletantisch

Das Problem der Plattform ist leider das oft dilletantische Vorgehen bei gleichzeitiger Abgehobenheit gegenüber Anderen. So wurden die "Mutbürger Austria" auf Facebook als Personenprofil angelegt: Ein klarer Verstoß gegen die Nutzungsregeln, üblicherweise löscht Facebook das nach einiger Zeit. Gerade hier bei Facebook hat sich jemand des Bereichs angenommen, der leider keine Ahnung davon hat.

"Mehr Mut, Bürger"!

Am 31. Jänner wurde das Buch "Mehr Mut, Bürger"! in Wien präsentiert. Herausgeber und Initiator ist Martin Ehrenhauser, fraktionsloser Abgeordneter zum EUParlament
16 Autoren waren eingeladen worden über positive, erfolgreiche Initiativen zu berichten. 19 spannende , authentische Berichte sind daraus geworden. 7 davon stammen von Mitgliedern der Aktion21-pro Bürgerbeteiligung.
Die Beispiele sollen Mut machen sich politisch zu betätigen.
Es lohnt sich. Von Hainburg (Prof.Lötsch) bis Bacherpark (Wessely) - eine Reihe von erfolgreichem Widerstand. Das Video der Präsentation ist auf www. aktion21.at zu sehen. Bestellen kann man das Buch unter sabitzer@ehrenhauser.at
Es wird kostenlos zugeschickt.

Antworten Gast: fragee
09.02.2012 21:36
0 0

Re: "Mehr Mut, Bürger"!

Ist das euer ganzes Programm? Demos? Widerstand?

Re: Re: "Mehr Mut, Bürger"!

und was ist ihr programm?
selbst schon was auf die beine gestellt?
konsum allein (real wie gedanklich) und über solche motzen, die aktiv werden, wird uns nicht helfen...

Antworten Antworten Antworten Gast: Der Meister
13.02.2012 22:11
0 0

... uns allen ist eh nicht mehr zu helfen!!


Rohrers Reality-Check

Die Autorin

  • Anneliese Rohrer
    geboren 1944, war von 1974 bis 2005 bei der "Presse" als innenpolitische Journalistin, Ressortleiterin Innen- und Außenpolitik tätig. Seit 2009 ist sie Kolumnistin bei der "Presse".

Hinweis

  • Der Inhalt von Blogbeiträgen spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider und entspricht nicht zwangsläufig der Meinung der "Presse".

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