Wien. Bei Technik- und Ingenieurwissenschaften haben die Fachhochschulen jährlich knapp mehr als 2000 Absolventen. An den Unis waren es im Vergleichszeitraum 2008/09 nicht viel mehr: 2651 Studenten machten in diesem Feld ihren Abschluss. Der technische Bereich ist es auch, der an den FH in den kommenden Jahren am stärksten ausgebaut werden soll. Der Schwerpunkt wird von den Informationstechnologien über den Bereich der Naturwissenschaft bis zur Energiewirtschaft reichen. Denn das sind die Berufsfelder, die von der Wirtschaft besonders nachgefragt werden. Und die Nachfrage der Wirtschaft ist bei der Ausrichtung der Fachhochschulen das entscheidende Kriterium, wie Kurt Koleznik betont. Für den Generalsekretär der FH-Konferenz ist das eine recht unspektakuläre Arbeitsweise, die durch Kohärenz- und Akzeptanzanalysen klar vorgegeben ist. Denn der Auftrag der Fachhochschulen sei der Anwendungsbezug.
So will man nicht mit den Universitäten in eine Art Konkurrenzverhältnis treten und das „bessere“ Studium der Wirtschaft oder Elektrotechnik anbieten. Man will lediglich die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes befriedigen. Während in den vergangenen drei Jahren der FH-Ausbau auf Eis lag und der FH-Sektor um die Finanzierung durch den Bund fürchten musste, steht nun eine Geldspritze ins Haus. 100 Millionen Euro hat das Wissenschaftsministerium dem Bereich Wissenschaft und Forschung versprochen. Mit einem Teil davon sollen auch die Studienplätze an den Fachhochschulen ausgebaut werden, allerdings erst ab 2011. In diesem Herbst wird kein einziger neuer Studiengang eröffnet, der vom Wissenschaftsministerium finanziert wird – eine Ausnahme in der Geschichte der Fachhochschulen.
Wie groß das Stück vom 100-Millionen-Euro-Kuchen sein wird, ist noch offen. Die Zukunftspläne der FH-Konferenz sind jedenfalls ehrgeizig: „Bis 2019 wollen wir ein Viertel aller Studierenden ausbilden“, sagt Kurt Koleznik. Derzeit liegt der Anteil bei 15 Prozent, es gibt 36.000 genehmigte Studienplätze. Das Ziel des Ministeriums ist dagegen etwas bescheidener: Bis 2017 sollen die Studienplätze auf 40.000 ausgebaut werden.
Vor allem die Forschung soll künftig einen höheren Stellenwert einnehmen. Während vom Gesamtbudget derzeit weniger als zehn Prozent dafür ausgegeben werden, soll dieser Anteil bis 2020 auf etwa dreißig Prozent wachsen. Eine Hoffnung der Fachhochschulen war von Beginn an, private Sponsoren zu gewinnen. Dies stellte sich als überzogen heraus, das Interesse ist aber im Bereich Forschung und Entwicklung am größten. Wie bei den Universitäten spielt das Sponsoring ansonsten kaum eine Rolle. Das Bewusstsein dafür sei in Österreich einfach nicht vorhanden, heißt es von der FH-Konferenz. Außerdem seien die kleinen Fachhochschulen mit der Aufgabe des Lukrierens von Spenden auch überfordert.
Ausländer als Geldquelle
Unzufrieden mit der Finanzierung aus dem Inland, suchen die Fachhochschulen nach neuen Möglichkeiten und kritisieren die gesetzliche Regelung der Studiengebühren dabei als Bremsklotz. Zwar will man nicht die inländischen Studenten, die vielerorts keine Studiengebühren zahlen, zur Ader lassen. Doch junge Leute aus Staaten außerhalb der EU erscheinen der FH-Konferenz als lockende Geldquelle: „Studenten aus Saudiarabien etwa würden in Österreich 15.000 Euro Studiengebühren zahlen. Wir sollten das verlangen dürfen“, sagt Kurt Koleznik. Im Moment darf man nur das Doppelte der Gebühren für Österreicher verlangen, also 726 Euro. Das sei viel zu wenig im Vergleich dazu, was das Studium koste. Für die Fachhochschulen würde sich so eine ganz neue Zielgruppe an Studenten auftun: Bei den Universitäten machen die Ausländer, die zum Studium nach Österreich kommen und das Land anschließend wieder verlassen, nur drei Prozent aus. Bei den Fachhochschulen sind es 8,8 Prozent; diese Zahl würde man auch gerne noch steigern.
Gesetzliche Änderungen erhofft sich der FH-Sektor auch, was die Betreuung von Doktorarbeiten betrifft. Derzeit müssen Absolventen nach dem Master ihren Standort verlassen und an eine Uni wechseln. In Zukunft wollen die 20 Fachhochschulen auch hier eine Rolle spielen. Sie wünschen eine gemeinsame Betreuung, um die jungen Wissenschaftler für den regionalen Arbeitsmarkt zu erhalten. So, wie ihr Auftrag vom Ministerium dies auch vorsieht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2010)
















