Die Fachhochschulen feiern das Ergebnis als Erfolg. Insgesamt 36 Platzierungen in der Spitzengruppe, 30 Plätze in der Mittelgruppe und nur fünf in der Schlussgruppe – so lautet das Ergebnis des diesjährigen CHE-Hochschulrankings, das die heimischen FH-Studiengänge der Bereiche Architektur, Elektro- und Informationstechnik, Maschinenbau, Bauingenieurwesen und Verfahrenstechnik untersucht hat. Die Ergebnisse liegen der „Presse“ exklusiv vor, das deutsche Ranking wird in der „Zeit“ veröffentlicht. Erstellt wurde die Wertung, an der mehr als hundert Unis und Fachhochschulen vor allem aus Deutschland und der Schweiz teilnehmen, vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh (CHE).
Die österreichischen FH schneiden im Ranking überdurchschnittlich gut ab, das zeigt auch der Vergleich mit fachverwandten Studienbereichen aus dem Ausland. Die Teilnehmer werden vom CHE dabei in allen abgefragten Indizes drei Rängen zugeordnet: der Spitzen-, der Mittel- oder der Schlussgruppe. Das bei Rankings sonst übliche Gesamturteil wird bewusst nicht erstellt, auch eine Listenreihung gibt es – aus wissenschaftlichen Gründen – nicht. Die Ergebnisse stützen sich zu einem Großteil auf das Urteil der Studierenden, dem das CHE besondere Bedeutung einräumt.
Deutsche Konkurrenz liegt zurück
Speziell im Urteil zur Gesamtzufriedenheit der Studierenden (siehe Grafik: Studiensituation) konnten die heimischen FH punkten: „Im Vergleich zu den deutschen FH sind die Österreicher insgesamt überdurchschnittlich gut bewertet worden“, sagt Gero Federkeil vom CHE im Gespräch mit der „Presse“. Von den 251 deutschen FH, die in den Bereichen Elektro- und Informationstechnik, Maschinenbau, Verfahrenstechnik sowie Mechatronik gerankt wurden, lagen bei der Studiensituation nur 65 im Spitzenfeld und 133 im Mittelfeld. Auch Bewertungen in der Schlussgruppe sind keine Seltenheit: Immerhin 53 FH fanden sich im roten Bereich. Ähnlich die Ergebnisse bei anderen relevanten Indizes, etwa jenem des Lehrangebotes, bei dem gar 76 deutsche Fachhochschulen in der Schlussgruppe landeten.
Besonders gut schnitt von den sieben Hochschulen die FH Technikum Wien ab, die mit ihrem berufsbegleitenden Studium der „Intelligenten Verkehrssysteme“ ausschließlich Platzierungen in der Spitzengruppe aufweist und besonders gute Werte bei den vom CHE abgefragten Bereichen Studienorganisation, Kontakt zu Studierenden und Studiensituation erlangt. Ähnlich gut: die FH Oberösterreich mit dem Studiengang Mechatronik/Wirtschaft und die FH Campus 02 Graz mit der Automatisierungstechnik.
Der große Verlierer im Ranking: der Studienzweig der Elektro- und Informationstechnik der FH Oberösterreich. Sechs Detailergebnisse konnten wegen zu geringen Rücklaufs gar nicht ausgewiesen werden, in den verbliebenen fünf Bereichen landete die FH in der Schlussgruppe. Die FH verteidigt sich im „Presse“-Gespräch und verweist auf niedrige Rücklaufquoten bei den Studentenumfragen. Das Ergebnis sei daher statistisch nicht repräsentativ, so Geschäftsführer Gerald Reisinger. Punkte, bei denen es nachvollziehbare Kritik gibt, würden jedoch selbstverständlich verbessert.
Die FH-Konferenz, das Gremium der FH-Erhalter, zeigt sich mit den Ergebnissen mehr als zufrieden: „Wir haben ein fantastisches Ergebnis erlangt“, so Generalsekretär Kurt Koleznik. Die Ergebnisse aus Oberösterreich seien „Ausreißer“, immerhin sei die dortige FH als „Spitzeninstitution“ bekannt.
Zurückzuführen sei das insgesamt gute Abschneiden der heimischen Hochschulen auf den „Servicecharakter“ der FH, sagt Koleznik. „Wir stellen die Studierenden in den Mittelpunkt und versuchen auf jeden individuell einzugehen. Das macht sich in der Studierendenbewertung bemerkbar.“
Bereits im Vorjahr konnten sich die FH im CHE-Ranking beweisen, die damals überprüften Informatik-Studiengänge erlangten durchwegs Spitzenbewertungen. Kommendes Jahr stellen sich die Wirtschafts- und Sozialwissenschaften dem internationalen Vergleich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2010)

















