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Wie der Karlsplatz zur Visitenkarte werden soll

22.02.2012 | 11:23 |  EVA WINROITHER UND GEORG RENNER (Die Presse)

Seit Dienstag ist der Verkehrsknotenpunkt um ein Kunstwerk reicher. Ab Mitte März wird die Karlsplatzpassage bis Ende des Sommers für einen Umbau gesperrt – Passagiere müssen an die Oberfläche ausweichen.

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Wien. Wer von der Karlsplatz-Passage aus zur U1 oder U2 hinuntergeht, passiert seit kurzem verwinkelte, graue Rohrnetzwerke an den Wänden eines Zwischengeschoßes. Gestern, Dienstagabend, haben die Wiener Linien und die städtische Initiative „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR) dort eine Installation des Künstlers Peter Kogler vorgestellt.

Der gebürtige Tiroler spielt in den computergenerierten Darstellungen geschickt mit der Dreidimensionalität des Raumes – ein Motiv, das viele seiner Arbeiten durchzieht, etwa die Dekoration der Documenta-Halle in Kassel oder die Projektion weißer Mäuse auf die Außenfassade des Mumok. Koglers Arbeiten wurden etwa auf der Biennale, im Centre Pompidou und im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) gezeigt. Seine neue permanente Installation in der Karlsplatz-Passage ist das 22. öffentliche Kunstwerk in Wiens U-Bahn-Stationen.

 

Sperre ab Mitte März

Und auf noch eine Änderung können sich rund 230.000 Personen, die den Karlsplatz täglich frequentieren, einstellen: Die Karlsplatzpassage wird ab Mitte März bis Ende des Sommers von dem unterirdischen Rondell bei der Oper bis zur Starbucks-Filiale gesperrt. Ein barrierenfreier Zugang zur U-Bahn soll aber weiter – via eines Lifts – gewährleistet sein.

Passagiere des öffentlichen Verkehrs müssen daher in Zukunft oberirdisch – etwa über den Zugang Resselpark – zu den U-Bahnlinien gelangen. Info-Aushänge und ein Umleitsystem sollen bei der Orientierung helfen. Notwendig machen die Sperre die teils aufwendigen Umbauarbeiten in der Karlsplatzpassage, die bis Anfang 2013 vollkommen neu gestaltet wird. So werden der Boden, die Decke und die Technik erneuert. Außerdem soll die Passage erweitert werden und in Zukunft eine weitere dauerhafte Kunstinstallationen beherbergen. Der Wettbewerb dafür läuft noch bis Ende April. „Wir haben neun Künstler aus dem In- und Ausland eingeladen“, bestätigt Eva Amann, Projektleiterin des KÖR. Die Entscheidung, aus der Geschäftsmeile, die vorher Blumen-, Hut- und Gepäckgeschäfte beheimatet hat, nun eine Kunstmeile zu machen, sei eine sehr grundsätzliche: „Jahrelang haben sich die Menschen über das Ambiente am Karlsplatz beschwert. Er war ja nicht unbedingt die Visitenkarte Wiens. Mit diesem Konzept wollen wir den Platz aufzuwerten“, sagt Michael Unger, Sprecher der Wiener Linien. Das neue Erscheinungsbild solle hell und freundlich wirken: „Wir arbeiten mit viel Licht und Glas“. Kosten wird die gesamte Ummodellierung der Station, für die auch das denkmalgeschützte Karlsplatz-Rondell in seinen Originalzustand der 50er Jahre zurückgesetzt wird, rund 21 Millionen Euro.

 

20 Geschäfte geschlossen

Die rund 20 Geschäftsbetreiber, die ihre Geschäfte in der Passage im Vorfeld räumen mussten, waren mit dieser Entscheidung freilich wenig glücklich. Sie klagten die Wiener Linien im Sommer 2009. Mittlerweile habe man sich außergerichtlich geeinigt. „Teilweise sind die Mieter vorne ins Karlsplatz-Rondell gezogen“, sagt Unger. Andere wiederum hätten außerhalb der Passage einen neuen Standort gefunden. „Und für ein paar gab es Entschädigungszahlungen.“ Eine Summe wolle Unger aber nicht nennen.

Änderungen wird es wohl auch für die Drogenszene Karlsplatz geben. „Nach Ende der Bauarbeiten werden die Betreuer des Suchhilfeprojekts Help U in den Streetwork-Stützpunkt in der Westpassage ziehen“, sagt Eva-Maria Wimmer von der Sucht- und Drogenkoordination Wien.

Betroffen sind etwa 24 Mitarbeiter. Auf die Betreuung der Drogenabhängigen soll der Umzug keine Auswirkung haben. Die Szene am Karlsplatz sei aber sowieso kaum mehr vorhanden: „Im Durchschnitt befinden sich täglich noch ca. 23 Klienten am Karlsplatz“, sagt Wimmer. 2010 seien es noch 100 gewesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)

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11 Kommentare
biedermann
24.02.2012 21:19
0 0

wieso denn, war ja bis jetzt schon eine visitenkarte ;-)


Gast: heg
23.02.2012 21:53
0 0

Die Geschäfte haben bisher...

... einen gewissen Schutz geboten. Skulpturen werden das nicht schaffen und man wird sich wieder nicht getrauen, seine Kinder durch die Passage zur U-Bahn gehen zu lassen.

LUPO
21.02.2012 23:24
1 0

Im Zerstören sind die Genossen Weltklasse

das ist schon fast eine eigene Kunstrichtung.

Erinnert mich an den Südtiroler Platz – da gibt es jetzt statt dem Bäcker eine übergroße ÖBB Tafel, vielleicht für Parteiveranstaltungen - an sonst ein Meisterwerk an Schiefheit und Verwinkelung.

Mendacis
21.02.2012 15:40
1 2

Wieso wir in den Karlsplatz noch irgendein Euro investiert

Das Karlsplatz ist von A bis Z eine städtebauliche Katastrophe von beispiellosen Ausmaßen. Wenn man sich aus Kostengründen schon nicht zum Komplettabriss entscheiden kann, sollte man wenigstens kein frisches Geld in diese Ruine hineinstecken.

Antworten Gast: R3alist
22.02.2012 00:32
0 0

Re: Wieso wir in den Karlsplatz noch irgendein Euro investiert

Inwiefern eine "städtebauliche Katastrophe"?

Wie kann man einen Platz abreißen?
Und was soll stattdessen entstehen?

Re: Re: Wieso wir in den Karlsplatz noch irgendein Euro investiert

Ich geb Mendacis insofern recht, als dass der Karlsplatz oberirdisch ein Desaster ist. Ich versteh nur nicht, wieso denn der unterirdische Verkehrsknotenpunkt - und noch dazu einer der wichtigsten der Stadt - nicht saniert werden soll?

0 2

Die Wiener und ihr Karlsplatz

Seit jeher wird der Karlsplatz von einer Baustelle nach der anderen heimgesucht. Schöner ists nie geworden, nur teuer und ein paar Jahre später kommt der nächste dumme "Verbesserungsentwurf". Eine Frechheit die Bevölkerung immer wieder für unsinnige Bauprojekte zu melken. Aus Bahnhöfen werden schiache Einkaufszentren und Hotelanlagen.
Der Karlsplatz ist in seiner dauerverschandlung ohnehin schon ein "Kunstprojekt", da brauchts keine Ausschreibung mehr.

Gast: Architektonische Mißgeburt.
21.02.2012 13:52
3 2

Andere Lösung

Alles niederreißen, und so aufbauen das der Mensch innerhalb von 2 Minuten zwischen U1, U2, U4, und den Straßenbahnen wechseln können, für Mütter mit Kinderwagen innerhalb von 3 bis 4 Minuten.

Das ist aber wohl eine zu hohe geistige Herausforderung an die Stadtplanung wo es darum geht Stationen so zu errichten das die Wegzeiten möglich lange sind, und die Stationen schon einen Wettbewerb darin durchführen wobei jede für sich reif ist für das Buch der Rekorde.

-Landstraße, S-Bahn/U4/U3 einfach ein Erlebnis für sich

-Volkstheater, die einzige U-Bahn Station deren Ausgänge jeweils eine Straßenbahnstation hat um von einem zum anderen zu kommen

-Westbahnhof, hier kann man sich zwischen Drogeriemärkte, Freßblechhütten und Fetztengeschäfte ausruhen, sehr toll für jene die nur eines wollen, weiter kommen, nach Hause zu ihren Kindern zu ihren Familien

-Handelskai, weiterfahren nach Floridsdorf ist schneller als dort umsteigen, btw. umgekehrt.

-Längenfeldgasse, die weiterfahrt zur Niederhofstraße erspart Weg und Wartezeiten.

Vielleicht kommt ja der Traum der Grünen das die Stationswege so groß werden das innerhalb der Anlage Radwege nötig werden, Radweg für die Benutzung des öffentlichen Verkehrs, wohl Wahlmotto für die Grünen!

0 0

Re: Andere Lösung

schuld ist nur der klimawandel und hoss cartwright

1 0

Die Umleitung wird sicher autofreundlich gestaltet

so wie bei jeder Baustelle in Wien. Fußgänger sollen 100te Meter Umweg latschen, damit die lieben Autofahrer nur ja keine Sekunde ihrer kostbaren Zeit verlieren...

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Hat das irgendwer gebraucht?

Dann gibts keine Geschäfte mehr dort, nur noch "Kunstprojekte" und Giftler.

Um Himmels Willen, ich hab geglaubt wir haben kein Geld mehr.


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