Wien. Wer von der Karlsplatz-Passage aus zur U1 oder U2 hinuntergeht, passiert seit kurzem verwinkelte, graue Rohrnetzwerke an den Wänden eines Zwischengeschoßes. Gestern, Dienstagabend, haben die Wiener Linien und die städtische Initiative „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR) dort eine Installation des Künstlers Peter Kogler vorgestellt.
Der gebürtige Tiroler spielt in den computergenerierten Darstellungen geschickt mit der Dreidimensionalität des Raumes – ein Motiv, das viele seiner Arbeiten durchzieht, etwa die Dekoration der Documenta-Halle in Kassel oder die Projektion weißer Mäuse auf die Außenfassade des Mumok. Koglers Arbeiten wurden etwa auf der Biennale, im Centre Pompidou und im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) gezeigt. Seine neue permanente Installation in der Karlsplatz-Passage ist das 22. öffentliche Kunstwerk in Wiens U-Bahn-Stationen.
Sperre ab Mitte März
Und auf noch eine Änderung können sich rund 230.000 Personen, die den Karlsplatz täglich frequentieren, einstellen: Die Karlsplatzpassage wird ab Mitte März bis Ende des Sommers von dem unterirdischen Rondell bei der Oper bis zur Starbucks-Filiale gesperrt. Ein barrierenfreier Zugang zur U-Bahn soll aber weiter – via eines Lifts – gewährleistet sein.
Passagiere des öffentlichen Verkehrs müssen daher in Zukunft oberirdisch – etwa über den Zugang Resselpark – zu den U-Bahnlinien gelangen. Info-Aushänge und ein Umleitsystem sollen bei der Orientierung helfen. Notwendig machen die Sperre die teils aufwendigen Umbauarbeiten in der Karlsplatzpassage, die bis Anfang 2013 vollkommen neu gestaltet wird. So werden der Boden, die Decke und die Technik erneuert. Außerdem soll die Passage erweitert werden und in Zukunft eine weitere dauerhafte Kunstinstallationen beherbergen. Der Wettbewerb dafür läuft noch bis Ende April. „Wir haben neun Künstler aus dem In- und Ausland eingeladen“, bestätigt Eva Amann, Projektleiterin des KÖR. Die Entscheidung, aus der Geschäftsmeile, die vorher Blumen-, Hut- und Gepäckgeschäfte beheimatet hat, nun eine Kunstmeile zu machen, sei eine sehr grundsätzliche: „Jahrelang haben sich die Menschen über das Ambiente am Karlsplatz beschwert. Er war ja nicht unbedingt die Visitenkarte Wiens. Mit diesem Konzept wollen wir den Platz aufzuwerten“, sagt Michael Unger, Sprecher der Wiener Linien. Das neue Erscheinungsbild solle hell und freundlich wirken: „Wir arbeiten mit viel Licht und Glas“. Kosten wird die gesamte Ummodellierung der Station, für die auch das denkmalgeschützte Karlsplatz-Rondell in seinen Originalzustand der 50er Jahre zurückgesetzt wird, rund 21 Millionen Euro.
20 Geschäfte geschlossen
Die rund 20 Geschäftsbetreiber, die ihre Geschäfte in der Passage im Vorfeld räumen mussten, waren mit dieser Entscheidung freilich wenig glücklich. Sie klagten die Wiener Linien im Sommer 2009. Mittlerweile habe man sich außergerichtlich geeinigt. „Teilweise sind die Mieter vorne ins Karlsplatz-Rondell gezogen“, sagt Unger. Andere wiederum hätten außerhalb der Passage einen neuen Standort gefunden. „Und für ein paar gab es Entschädigungszahlungen.“ Eine Summe wolle Unger aber nicht nennen.
Änderungen wird es wohl auch für die Drogenszene Karlsplatz geben. „Nach Ende der Bauarbeiten werden die Betreuer des Suchhilfeprojekts Help U in den Streetwork-Stützpunkt in der Westpassage ziehen“, sagt Eva-Maria Wimmer von der Sucht- und Drogenkoordination Wien.
Betroffen sind etwa 24 Mitarbeiter. Auf die Betreuung der Drogenabhängigen soll der Umzug keine Auswirkung haben. Die Szene am Karlsplatz sei aber sowieso kaum mehr vorhanden: „Im Durchschnitt befinden sich täglich noch ca. 23 Klienten am Karlsplatz“, sagt Wimmer. 2010 seien es noch 100 gewesen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2012)














