20.06.2013 12:26 Merkliste 0

Jeder Zweite wird 100 Jahre alt werden

29.06.2012 | 18:44 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Lebenserwartung Dekade für Dekade um zwei bis drei Jahre erhöht. Ein Ende des Trends ist nicht in Sicht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Vor 50 Jahren hatten Männer in Österreich eine dreiprozentige und Frauen eine achtprozentige Chance, den 90. Geburtstag zu erleben, wie aus den Sterbetafeln der Statistik Austria hervorgeht. Heutzutage wird jede dritte Frau und jeder sechste Mann so alt. Das durchschnittliche Sterbealter hat sich seither um zwölf auf 78 Jahre (Männer) bzw. um elf auf 83 Jahre (Frauen) erhöht. Wer bereits 60 ist, kann mit weiteren 22 (Männer) bzw. 25 Jahren (Frauen) rechnen.

Diese Zahlen könnten noch immer zu niedrig gegriffen sein. Sie gelten nur unter der Voraussetzung, dass die Lebenserwartung nicht weiter steigt. Seit 1970 sei sie aber Dekade für Dekade um zwei bis drei Jahre nach oben geklettert, heißt es bei der Statistik Austria. Dass es irgendwann zu einer Abflachung kommt, sei wahrscheinlich. Bis dato gebe es aber keine Anzeichen einer solchen. Der ungesunde Lebensstil vieler Jüngerer (Übergewicht, Diabetes, Rauchen) zeige noch keine Auswirkungen.

Auch weltweit wächst die Lebenserwartung: Zwischen 1990 und 2009 hat sie sich laut WHO um vier auf 68 Jahre erhöht. Die Aids-Epidemie in Afrika und der zwischenzeitliche Rückgang der Lebenserwartung männlicher Russen nach dem Zerfall der Sowjetunion bremsten den Anstieg nur kurz.

Forscher halten es für denkbar, dass jedes zweite Neugeborene in den Industrieländern seinen 100. Geburtstag erleben wird. Das bedeute zwar nicht, dass das durchschnittliche Sterbealter auf diesen Wert steigt, schränkt man im Max-Planck-Institut für Demografische Forschung in Rostock ein. Doch die Hälfte der 2007 geborenen Japaner könnte 107 Jahre alt werden, die Hälfte der gleichaltrigen Deutschen 102 – vorausgesetzt, die Sterberaten der über 50-Jährigen sinken so stark wie in den vergangenen Dekaden, meinen Bevölkerungswissenschaftler in einer Studie (K. Christensen u. a., The Lancet 374, 1196). Bei den Jüngeren sei die Sterbewahrscheinlichkeit bereits so niedrig, dass man keinen signifikanten Rückgang mehr erwartet. [Foto: Corbis]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

Schlagzeilen Gesundheit