24.05.2013 16:39 Merkliste 0

Wechsel: Neues zur Östrogentherapie

16.07.2012 | 18:37 |  GERTA NIEBAUER (Die Presse)

Klimakterium: Eine Monotherapie mit Östrogen erhöht das Brustkrebsrisiko nicht, dafür aber das Risiko für Gebärmutterkrebs. Bei Wechselbeschwerden kann auch Akupunktur helfen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding, wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts, aber dann auf einmal spürt man nichts als sie.“ Diese Worte, die Hugo von Hofmannsthal die Marschallin in Richard Strauss' Oper „Der Rosenkavalier“ aussprechen lässt, drücken jene beunruhigenden, belastenden Gefühle aus, die Frauen mit dem Älterwerden empfinden. Wechseljahre! Bin ich nicht mehr so begehrenswert, gar ein geschlechtsloses Wesen?

„Es ist ein natürlicher Umstellungsprozess – wie es übrigens auch die Pubertät ist –, der durch hormonelle Schwankungen ausgelöst wird und den jede Frau anders empfindet, manche leiden darunter überhaupt nicht, andere sehr“, betont Christian Singer, Leiter der Brustgesundheit an der Universitätsfrauenklinik Wien und Gründer des Breast-&-Health-Zentrums, das auf die Behandlung von Frauen mit Brusterkrankungen und Wechselbeschwerden spezialisiert ist.

 

Dafür ist der Preis zu hoch

Die häufigsten Symptome sind Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Leistungsabfall, Depressionen und Libidoverlust. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Hormonschwankungen auszugleichen und die Beschwerden zu lindern. Allerdings sind viele Frauen hinsichtlich einer Hormontherapie verunsichert, nach dem neuesten Stand der Wissenschaft scheinen zumindest einige der Sorgen nicht mehr begründet zu sein.

„Neue Studienergebnisse haben zu einem grundlegend geänderten Verständnis der Risken, besonders einer reinen Östrogentherapie, geführt“, weiß Singer. Eine reine Östrogentherapie erhöht das Brustkrebsrisiko nämlich nicht. Allerdings steigt unter dieser Monotherapie die Gefahr für Gebärmutterkrebs. „Daher“, so Singer, „ist die Gabe von Östrogen allein nur bei Frauen angezeigt, deren Gebärmutter bereits entfernt wurde.“

Im anderen Fall wird eine Kombinationstherapie von Östrogen mit einem Gestagen (Gelbkörperhormon) empfohlen. Damit ist zwar das Risiko eines Gebärmutterkrebses minimiert, jenes für Brustkrebs aber wieder etwas erhöht. „Deswegen sollte jede Hormontherapie mit möglichst niedrigen Dosen und über eine möglichst kurze Zeit erfolgen.“ Singer empfiehlt, nach einiger Zeit zu versuchen, ohne Medikamente auszukommen, die Therapie sollte aber längstens drei bis fünf Jahre dauern. „Man sollte derlei Hormone wirklich nur bei großen Beschwerden nehmen. Und nicht für die Jugendlichkeit oder glatte Haut, denn dafür ist der Preis, den man unter Umständen mit Krebs zu bezahlen hat, zu hoch.“

 

Neue Leitlinien

Die Messung des Hormonspiegels habe wenig Aussagekraft, ob Wechselbeschwerden behandelt werden müssen, es werde damit lediglich bestätigt, dass die Frau im Wechsel ist. „Wir behandeln individuell, nach der Schwere der Symptome und berücksichtigen vor allem die Situation der Frau“, erläutert Singer die neuen Leitlinien. Auch das Thema Empfängnisverhütung müsse besprochen werden, schließlich sei auch während der Wechseljahre eine Schwangerschaft möglich. Die Spirale böte sich da als gute Lösung an.

„Erstaunliche Erfolge können mit Akupunktur erzielt werden, vor allem gegen Hitzeanfälle und Schweißausbrüche, wobei vielleicht auch ein Placebo-Effekt mitspielt“, erwähnt der Gynäkologe. Frauen greifen überdies auch gern zu pflanzlichen Arzneimitteln anstelle von synthetischen Medikamenten. Sojaprodukte, Rotklee und Traubensilberkerze haben hormonähnliche Wirkung. Aber Vorsicht, natürlich ist auch nicht immer sicher.

 

Tipps zur Linderung

Zu den Problemen in den Wechseljahren zählt auch das Abnehmen der Libido und die Angst, nicht mehr begehrenswert zu sein. Mit einem östrogen-gestagenähnlichen Hormon, Tibolon, kann die sexuelle Lust der Frau belebt werden. Ausschlaggebend aber sind sowohl die Beziehung zum Partner als auch die eigene Einstellung – und die spielt sich im Kopf ab.

Tipps zur Linderung von Wechselbeschwerden geben ein Informationsblatt von Breast& Health, Zentrum für Brustgesundheit und Medizin im Wechsel, ein „Ratgeber für Frauen mitten im Leben“ von Abbott und das Buch „Wechseljahre“ von Elisabeth Tschachler (Verein für Konsumenteninformation).

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.breastandhealth.com

Auf einen Blick

Typische Wechselbeschwerden: Hitzewallungen, Depressionen, Schweißausbrüche, Leistungsabfall, Schlafstörungen, Libidoverlust.

Eine Hormontherapie kann helfen, die Gabe von Östrogenen erhöht das Brustkrebsrisiko nicht, wohl aber jenes für Gebärmutterkrebs.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

10 Kommentare
Gast: cancer
30.07.2012 01:23
0 0

Wenn reines Öströgen keinen Brustkrebs auslöst

warum behandelt man dann den Brustkrebs mit einem Östrogenunterdrückenden Präparat wie zum Beispiel Arimidex, das ganz gravierende Nebenwirkungen hat?

Gast: naturgemäss
17.07.2012 21:05
0 3

Pharma über alles?!

Aber nein, natürlich nicht.

Die Frau in den Wechseljahren braucht weder Hormone noch Therapien noch gar irgendwelche Medikamente. Sie befindet sich in einem Umbruch, auch geistig; und wenn sie das erkennt und damit arbeitet, wird sie körperlich keine Probleme haben.

Sehr viele Frauen haben überhaupt keine Beschwerden in den Wechseljahren: weder Hitzewallungen und Schweißausbrüche, noch Depris. Warum nicht?
Hier kommt die Psyche ins Spiel: wer sich selbst akzeptiert, sich in jeder Phase des Lebens angenommen fühlt: der (bzw. die) braucht keinen Ausdruck über den Körper.

Es geht darum, sich mit der Annäherung an die 2. Lebenshälfte, und damit auch an den Tod, auseinanderzusetzen. Das ist nicht einfach. Aber wer es beizeiten, möglichst schon vor dem Wechsel tut, spart sich körperliche Auswirkungen.
Das betrifft übrigens Männer ebenso wie Frauen, auch wenn ihre "Wechsel"beschwerden sich nicht so klar äußern mögen.

Energietraining wie Chikung, Taichi, Yoga und Meditation erleichtern die Findung einer neuen, der neuen Lebensphase angepassten inneren Einstellung. Nach einer langen nach außen ins physische Leben gerichteten Phase wendet sich die 2. Lebenhälfte mehr und mehr nach innen.

Die Früchte des Lebens werden im Angesicht des Sterbens geerntet. Und die Erntezeit dauert lange.

Flockiges Psychogesülz.

Danke nein. Ich bleibe bei Trisequens.

Re: Pharma über alles?!

Hätte ich früher auch gedacht .. es stimmt aber nicht. Es sind tatsächlich körperlich Beschwerden, die man nicht geistig beeinflussen kann. Man kann lernen, damit zu leben, aber es kann eine schwere Zeit sein. Meine Beschwerden sind nach eine Notoperation für die entfernung ein Eierstock: völlig unerwartet, da man nahm an, die andere würde ausreichen ..
Ja, manche Frauen haben kaum Beschwerden. Es scheint auch genetisch bedingt zu sein.

Hallo? Macht die Presse nun der Praline konkurent?

"Tibolon, kann die sexuelle Lust der Frau belebt werden."

Zur Info: Dieser Artikel ist auch für Jugendliche zugängig. Solche Schweinereinen haben in Medien nichts verloren!

Antworten Gast: htrhsh
19.07.2012 00:34
0 0

Re: Hallo? Macht die Presse nun der Praline konkurent?

Ich bitt' Sie! Was ist an sexueller Lust der Frau eine Schweinerei??? Dürfen nur Männer Lust empfinden oder sind Sie einer von den verkappten Spießern, die die Lust überhaupt allen am liebsten verbieten würden?

Und des Argument mit den Jugendlichen greift net wirklich, denn die werden sich wohl kaum einen Artikel in der Presse zum Thema "Klimakterium" durchlesen. Die Jugendlichen schauen sich heutzutage schon ganz andere Seiten im allen frei zugänglichen Netz an und das ganz ohne Zensur und dgl. Da gibt es dann teilweise wirklich Schweinereien zu sehen - und ich rede nicht vom gewöhnlichen Koitus, sondern von gewaltverherrlichenden Streifen mit Darstellern, die zwar über 18 sind, teilweise aber Kleidung tragen, die ein jüngeres Alter zu suggerieren versuchen. So etwas finde ich eine Schweinerei!

Hokus Pokus

Sämtliche "sanften" Produkte (Soja etc.) sind kaum wirksamer als Placebo. Die Akupunktur ist etwas mehr als nur Placebo, wobei es aber gleichgültig ist wo man einsticht, denn Meridiane, das Qi und spezielle Akupunkturpunkte sind reine (esoterische) Fantasieprodukte. Die Wirkung erfolgt über Freisetzung von Hormonen beim (schmerzhaften) Setzen der Nadel an beliebigen Stellen.

Antworten Gast: Lady Godiva
19.07.2012 13:26
0 2

Re: Hokus Pokus

Esoterik ist im technokratischen weltbild alles dass wir mit unseren eingeschränkten mitteln nicht sofort in zahlen setzen können oder anders erklären können.
Sämtliche klassische Medikamente basieren im übrigen auf pflanzlischen Grundlagen, der Glaube dass Mensch sich noch immer von der Natur abkapseln kann ist einer der Hauptgründe unserer modernen zivilisationserkrankungen....
Aber es steht ja jedem offen mit was er sich vollpumpt

1 0

Bei Wechselbeschwerden kann auch Akupunktur helfen.

Bei Wechselbeschwerden hilft fast alles und doch wieder nichts!
Immer dann, wenn es dünn wird, wenn es also keine wirklich zufriedenstellenden Therapien gibt, wenn die Beschwerden sich zwischen Krankheit und Unwohlsein bewegen, wenn es keine sofort und dauerhaft wirksamen Therapien und oder Medikament gibt, dann kommt die Stunde der Medizingaukler mit ihrem vielfältiogen Angebot aus der alternativen, komplemntären und ganzheitlichen Medizin. Selbstverständlich wirkt Akupunktur. Spätestens dann, wenn die Wechselzeit vorüber ist, hat jeder Klimbim, der halbwegs abwechslungsreich ist gewirkt und die ärztlichen Einkommen verbessert. Und das oft auch steuerfrei!

Gast: endlich wieder
16.07.2012 21:03
1 1

wechselhaftes

Das Neueste: die individuelle Behandlung, das Eingehen auf die persönliche Situation der Frau. Die Sensation: den Frauen zuhören auf auf ihre Bedürfnisse eingehen. Wir schreiben das Jahr 2012. Bin gespannt, was nächstes Jahr kommen wird.

Schlagzeilen Gesundheit