Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding, wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts, aber dann auf einmal spürt man nichts als sie.“ Diese Worte, die Hugo von Hofmannsthal die Marschallin in Richard Strauss' Oper „Der Rosenkavalier“ aussprechen lässt, drücken jene beunruhigenden, belastenden Gefühle aus, die Frauen mit dem Älterwerden empfinden. Wechseljahre! Bin ich nicht mehr so begehrenswert, gar ein geschlechtsloses Wesen?
„Es ist ein natürlicher Umstellungsprozess – wie es übrigens auch die Pubertät ist –, der durch hormonelle Schwankungen ausgelöst wird und den jede Frau anders empfindet, manche leiden darunter überhaupt nicht, andere sehr“, betont Christian Singer, Leiter der Brustgesundheit an der Universitätsfrauenklinik Wien und Gründer des Breast-&-Health-Zentrums, das auf die Behandlung von Frauen mit Brusterkrankungen und Wechselbeschwerden spezialisiert ist.
Dafür ist der Preis zu hoch
Die häufigsten Symptome sind Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Leistungsabfall, Depressionen und Libidoverlust. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese Hormonschwankungen auszugleichen und die Beschwerden zu lindern. Allerdings sind viele Frauen hinsichtlich einer Hormontherapie verunsichert, nach dem neuesten Stand der Wissenschaft scheinen zumindest einige der Sorgen nicht mehr begründet zu sein.
„Neue Studienergebnisse haben zu einem grundlegend geänderten Verständnis der Risken, besonders einer reinen Östrogentherapie, geführt“, weiß Singer. Eine reine Östrogentherapie erhöht das Brustkrebsrisiko nämlich nicht. Allerdings steigt unter dieser Monotherapie die Gefahr für Gebärmutterkrebs. „Daher“, so Singer, „ist die Gabe von Östrogen allein nur bei Frauen angezeigt, deren Gebärmutter bereits entfernt wurde.“
Im anderen Fall wird eine Kombinationstherapie von Östrogen mit einem Gestagen (Gelbkörperhormon) empfohlen. Damit ist zwar das Risiko eines Gebärmutterkrebses minimiert, jenes für Brustkrebs aber wieder etwas erhöht. „Deswegen sollte jede Hormontherapie mit möglichst niedrigen Dosen und über eine möglichst kurze Zeit erfolgen.“ Singer empfiehlt, nach einiger Zeit zu versuchen, ohne Medikamente auszukommen, die Therapie sollte aber längstens drei bis fünf Jahre dauern. „Man sollte derlei Hormone wirklich nur bei großen Beschwerden nehmen. Und nicht für die Jugendlichkeit oder glatte Haut, denn dafür ist der Preis, den man unter Umständen mit Krebs zu bezahlen hat, zu hoch.“
Neue Leitlinien
Die Messung des Hormonspiegels habe wenig Aussagekraft, ob Wechselbeschwerden behandelt werden müssen, es werde damit lediglich bestätigt, dass die Frau im Wechsel ist. „Wir behandeln individuell, nach der Schwere der Symptome und berücksichtigen vor allem die Situation der Frau“, erläutert Singer die neuen Leitlinien. Auch das Thema Empfängnisverhütung müsse besprochen werden, schließlich sei auch während der Wechseljahre eine Schwangerschaft möglich. Die Spirale böte sich da als gute Lösung an.
„Erstaunliche Erfolge können mit Akupunktur erzielt werden, vor allem gegen Hitzeanfälle und Schweißausbrüche, wobei vielleicht auch ein Placebo-Effekt mitspielt“, erwähnt der Gynäkologe. Frauen greifen überdies auch gern zu pflanzlichen Arzneimitteln anstelle von synthetischen Medikamenten. Sojaprodukte, Rotklee und Traubensilberkerze haben hormonähnliche Wirkung. Aber Vorsicht, natürlich ist auch nicht immer sicher.
Tipps zur Linderung
Zu den Problemen in den Wechseljahren zählt auch das Abnehmen der Libido und die Angst, nicht mehr begehrenswert zu sein. Mit einem östrogen-gestagenähnlichen Hormon, Tibolon, kann die sexuelle Lust der Frau belebt werden. Ausschlaggebend aber sind sowohl die Beziehung zum Partner als auch die eigene Einstellung – und die spielt sich im Kopf ab.
Tipps zur Linderung von Wechselbeschwerden geben ein Informationsblatt von Breast& Health, Zentrum für Brustgesundheit und Medizin im Wechsel, ein „Ratgeber für Frauen mitten im Leben“ von Abbott und das Buch „Wechseljahre“ von Elisabeth Tschachler (Verein für Konsumenteninformation).
WEITERE INFORMATIONEN UNTER
Typische Wechselbeschwerden: Hitzewallungen, Depressionen, Schweißausbrüche, Leistungsabfall, Schlafstörungen, Libidoverlust.
Eine Hormontherapie kann helfen, die Gabe von Östrogenen erhöht das Brustkrebsrisiko nicht, wohl aber jenes für Gebärmutterkrebs.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)
















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