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Down-Syndrom-Test aus Deutschland: AKH zeigt Interesse

31.07.2012 | 18:14 |  von Ulrike Weiser (Die Presse)

Ein Blut-Gentest bei der Schwangeren, mit dem ab der zwölften Woche festgestellt werden kann, ob das Down-Syndrom vorliegt, soll bald auch in Österreich auf den Markt kommen. Wer ihn zahlen wird, ist offen.

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Bisher müssen sich Schwangere, bei denen der Verdacht besteht, dass bei ihrem Kind Trisomie 21 (Down-Syndrom) vorliegt, einer Punktion unterziehen, wenn sie Gewissheit wollen. Bezahlt wird das Wissen dabei mit einem Risiko: Beim invasiven Eingriff (Nadel durch die Bauchdecke) kommt es bei etwa einem Prozent der Fälle zu einer Fehlgeburt. Ein Test der deutschen Firma LifeCodexx soll diese Gefahr nun ausschalten: Mit einer Blutprobe der Schwangeren kann ab der zwölften
Schwangerschaftswoche festgestellt werden, ob das Down-Syndrom vorliegt. Ähnliche Tests gibt es bereits in den USA, auch am Wiener AKH wird geforscht („Die Presse“ berichtete). Doch der deutsche „PraenaTest“ wird hierzulande wohl als Erster das Rennen machen. Nach einem finalen rechtlichen Gutachten soll er „baldmöglichst“ in Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein und Österreich auf den Markt kommen.

Wobei die Einführung hierzulande quasi automatisch passiert, wie Marcus Müllner, Leiter der AGES Medizinmarktaufsicht erklärt: Denn es genügt, wenn ein unabhängiges Labor in einem EU-Mitgliedsstaat den Test zertifiziert, damit er – wie im Fall von LifeCodexx – prinzipiell in der gesamten EU zugelassen ist. Wobei man auf EU-Ebene gerade dabei sei, diese Vorgangsweise zu reformieren, ergänzt Müllner. Denn derzeit könnten Firmen quasi von Labor zu Labor ziehen, bis das Ergebnis passt.

Ganz unerheblich sind die heimischen Gesetze aber trotzdem nicht, wie Gerhard Aigner, Leiter der Rechtssektion im Gesundheitsministerium erklärt. So darf der Test nach dem Gentechnikgesetz nur zum Einsatz kommen, wenn eine Indikation vorliegt (z. B. ein Verdacht auf Grund des Ultraschalls) und wenn die Patientin aufgeklärt wurde und zustimmt. Wird in Österreich nur Blut abgenommen und nach Deutschland geschickt, braucht es darüber hinaus keine neue Regelung. Soll der Test selbst aber in Österreich durchgeführt werden, muss es vorher eventuell ein Antragsverfahren geben, das bis zu einem Jahr dauern kann. Das werde derzeit geprüft.

In der Praxis besteht jedenfalls Interesse: Peter Husslein, Leiter der Frauenheilkunde am AKH, sieht in dem Test eine Ergänzung zum „First Trimester Screening“ (Ultraschall plus weitere Untersuchungen), mit dem man das Risiko für ein Down-Syndrom bereits gut einschätzen kann. Der Bluttest könne helfen unnötige Punktionen zu vermeiden. Konkret würde man so vorgehen: Zeigt der Bluttest, dass kein Risiko für das Down-Syndrom besteht, dann sei der Test hinreichend sicher, um der Patientin einen weiteren Eingriff ersparen. Ergibt der Test eine Down-Syndrom-Diagnose würde man jedenfalls mittels Punktion nachprüfen. Husslein sagt aber im Widerspruch zum Gesundheitsministerium auch klar: „Der Test ist nur brauchbar, wenn man ihn als Screening, das heißt ohne besondere Indikation (Anm.: höheres Alter der Mutter, Ultraschall-Verdacht)  verwenden darf.“ Denn deutliche Indikationen gebe es nur in Ausnahmefällen. Das Gesundheitsressort müsse klären, ob das durch das Gentechnikgesetz gedeckt sei. Eine andere Gretchenfrage lautet: Wer zahlt den Test, der um die 1300 Euro kosten wird? Das müsse vermutlich das Budget der Spitäler abdecken, sagt Aigner.

Proteste von Behindertenverbänden

Abgesehen von rechtlichen und finanziellen Fragen sorgt der Bluttest auch für eine ethische Debatte: Behindertenverbände in Deutschland und der Schweiz protestieren gegen die „Rasterfahndung“ nach dem Down-Syndrom. Auch Franz-Joseph Huainigg, ÖVP-Sprecher für Menschen mit Behinderung, ist skeptisch: Durch die Vereinfachung des Eingriffs sinke die Schwelle für die Untersuchung und den Eltern fehle nun noch mehr Zeit, die sie bräuchten, „um sich das Leben von Eltern mit Kindern mit Down-Syndrom anzusehen.“ Gespalten ist Monika Hallbauer vom Verein Down-Syndrom Österreich. Sie fürchtet, dass „Menschen mit Down-Syndrom verstärkt aus der Gesellschaft verschwinden“, aber: „Ich persönlich kann nicht sagen, dass ich gegen den Test bin. Das Grundproblem hat ja schon vorher bestanden, nämlich dass es offenbar den Konsens gibt, dass das Leben mit einem Kind mit Down-Syndrom vor allem eine Belastung ist.“

Markus Hengstschläger, Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik der Meduni Wien und stv. Leiter der Bioethikkommission, versteht die Ängste der Betroffenen, aber: „Man muss bedenken, dass der Test auch Leben rettet. Man kann einen Eingriff mit einem Risiko für Fehlgeburten nicht deshalb bestehen lassen, nur damit es nicht weniger Kinder mit Down-Syndrom gibt.“ Tatsächlich sei die invasive Untersuchung bereits so häufig, dass sich vermutlich an der Zahl der Schwangerschaftsabbrüche nichts ändern werde. Die Debatte um den Bluttest an Schwangeren geht für den Genetiker jedoch über den Anlassfall hinaus: „Langfristig werden nicht-invasive Tests auch für andere genetische Indikationen zum Einsatz kommen und dabei ein gleichwertiges Ergebnis wie invasive bringen.“ Daher sei es wichtig herauszustreichen, dass auch hier die Grenzen des Gentechnikgesetzes gelten: „Nur weil es keinen invasiven Eingriff mehr braucht, heißt das nicht, dass man das Blut auf alles Mögliche screenen darf. Es braucht immer eine Indikation und umfassende genetische Beratung.“

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10 Kommentare

verständlich

Kinder mit handicaps groß zu ziehen ist für Familien eine Riesenbelastung. dass man als eltern darüber entscheiden will, ob man das nötige kleingeld (macht alles leichter) und die nötigen nerven haben wird, diese belastung auszuhalten, halte ich für ein legitimes recht.

3 6

Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

weiß nicht mehr wovon er spricht.

Wer bei Debatte nicht erkennt, dass unsere Gesellschaft drauf und dran ist, Menschen zu eliminieren, die anders sind, muss schon sehr abgestumpft sein. Das war schon einmal da; auch damals fand man wenig Verwerfliches daran.

Antworten Gast: schreker
10.08.2012 11:20
0 1

Re: Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

Und woher nehmen Sie ganz unverschämt das Recht, einer werdenden Mutter zu befehlen, daß sie ein behindertes Kind großziehen muß? Oder wären Sie bereit, einige davon zu adoptieren? Na also, besser die Klappe halten.

5 1

Re: Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

Genau. Man sollte vorsätzlich Behinderungen heranzüchten. Dann kann man sich so gut und tolerant fühlen.

Antworten Gast: kh123
05.08.2012 18:59
5 0

Re: Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

Ich gebe Ihnen in einem Punkt recht: die meisten, die das Wort Ethik in den Mund nehmen, wissen nicht wovon sie sprechen. Aber: verwechseln Sie hier nicht etwas? Es geht hier um eine Debatte, bei der es darum geht, ob man Müttern erlauben soll, ein verfügbares diagnostisches Verfahren durchzuführen (auch auf eigene Kosten), um Befürchtungen, ob ein ganz bestimmter genetischer Defekt vorliegen könnte, zu zerstreuen. Es gibt deutlich unseriösere Tests auf dem Markt (gerade auch in der "Ganzheits"medizin, aber da fragt kaum jemand nach Ethik). Aus all solchen Tests werden oft fragwürdige Schlüsse gezogen. Nun ist dieser Test, falls er ein positives Ergebnis liefert, wissenschftlich valide. Und ja, die Folge kann sein, dass die Mutter dann vorzieht, die Schwangerschaft abzubrechen. Das ist gesetzlich in einem gewissen Rahmen erlaubt (Fristenlösung) - und zwar auch ohne konkrete vorliegende DNA Daten. Daher ist das Verbieten eines solchen Tests kontraproduktiv. Und außerdem könnte die Entscheidung auch anders lauten: sich bewußt für die Geburt zu entscheiden, sich vorbereiten zu können, was da auf einen zukommt, sich Hilfe zu organisieren. Unethisch wäre es, Frauen eíne solche vorhandene Möglichkeit nicht zu erlauben, falls sie nicht in eine doch nur grob festlegtbare Risikogruppe gehören.

Der Test ist sinnvoll, wenn man willens ist, im Fall eines Down-Syndroms abzutreiben.

Hengstschläger arbeitet u.a. bei der Päpstlichen Akademie für das Leben, also hat er dagegen zu sein.

Gast: Antrophethos
02.08.2012 20:30
3 0

Ethik und Moral- und dann?

Finde es nicht verwerflich, wenn man sich testen lässt, wenn man es will. Denn spätestens bei den Folgen zieht sich der Staat zurück und lässt einen auf den Kosten (und der Belastung- die leider oft auch enorm ist) allein. Das ist keine Wertung des einzelnen Lebens, ich kenne selbst liebenswerte und leistungsstarke Down- Menschen. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass nach der Geburt Probleme (gesellschaftliche, aber oft auch Gesundheitliche) leider vorprogrammiert sind.
Wer den Mut hat, ein Down-Kind zur Welt zu bringen, kann es ja trotzdem tun, unabhängig davon ob es einen solchen Test gibt. Nur dass man eventuell länger Zeit hat, sich darauf vorzubereiten und sich vielleicht doch für das Kind zu entscheiden.
Mein succus: Nicht der Test soll weg, sondern die Beratung für Betroffene Eltern soll her.

Gast: Habicher Gerhard
02.08.2012 17:13
4 8

Grenzenlos

Was kommt als nächstes? Die blinden Kinder?

Antworten Gast: HVt
03.08.2012 18:17
3 6

Falsches Geschlecht, falsche Haarfarbe ...

usw. Eltern fällt viel ein, wenn sie ein Kind (nicht) wollen.

6 4

Warum will man das verbieten?

Oder muss die Gesellschaft widermal aus politischer Korrektheit geschwächt werden.

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