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Neuer Down-Syndrom-Test: Zank um Massen-Screening

01.08.2012 | 18:16 |   (Die Presse)

Darf der Bluttest nur bei Schwangeren mit Risiko oder allgemein zum Einsatz kommen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Das Gesundheitsministerium prüft.

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Wien/Uw. Sollen die neuen Bluttests bei Schwangeren, mit denen man feststellt, ob das Ungeborene das Down-Syndrom hat, bei jeder Patientin durchgeführt werden, die das will? Oder nur dann, wenn eine Indikation, sprich ein Risiko wie höheres Alter, vorliegt?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Peter Husslein, Leiter der AKH-Frauenheilkunde, ist dezidiert für ein (indikationsloses) Massen-Screening. Begründung: Auch für bisherige Tests wie das „First Trimester Screening“ (Ultraschall plus weitere Tests), die auch das Down-Syndrom-Risiko untersuchen, brauche es keine Indikation. Auf eine Indikation als Bedingung hingegen pochen Genetiker Markus Hengstschläger und Gerhard Aigner, Leiter der Rechtssektion im Gesundheitsministerium. Wobei Aigner zugibt: „Das Gentechnikgesetz gibt keine eindeutige Antwort.“ Derzeit prüfe man die Rechtslage. Tatsächlich, so Husslein, werde der deutsche Test, der in Österreich bald erhältlich sein wird, in den Spitälern ohnehin kaum verwendet werden. Das anfängliche Interesse wird einerseits von den Kosten (etwa 1300 Euro) gedämpft, die im Vergleich zum Nutzen – bloße Präzisierung der jetzigen Verfahren – zu hoch seien: „Die Patienten müssten es sich wohl selbst zahlen.“ Andererseits seien die Vertragsbedingungen wie die lange Bindungsfrist kritisch. Immerhin würden bald neue, bessere, billigere Tests (auch das AKH forscht) kommen.

Husslein ortet Handlungsbedarf: Weil jeder Gynäkologe den Test nach Deutschland schicken könne, drohe Missbrauch: „Mit der Angst der Leute lässt sich Geld machen.“ Zudem müsse das Ministerium schon jetzt über neue Bluttests etwa für schwere, monogenetische Erkrankungen nachdenken: „Das ist heikel, aber ich sehe keinen Grund, Massen-Screenings kategorisch zu verbieten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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10 Kommentare

verständlich

Kinder mit handicaps groß zu ziehen ist für Familien eine Riesenbelastung. dass man als eltern darüber entscheiden will, ob man das nötige kleingeld (macht alles leichter) und die nötigen nerven haben wird, diese belastung auszuhalten, halte ich für ein legitimes recht.

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Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

weiß nicht mehr wovon er spricht.

Wer bei Debatte nicht erkennt, dass unsere Gesellschaft drauf und dran ist, Menschen zu eliminieren, die anders sind, muss schon sehr abgestumpft sein. Das war schon einmal da; auch damals fand man wenig Verwerfliches daran.

Antworten Gast: schreker
10.08.2012 11:20
0 1

Re: Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

Und woher nehmen Sie ganz unverschämt das Recht, einer werdenden Mutter zu befehlen, daß sie ein behindertes Kind großziehen muß? Oder wären Sie bereit, einige davon zu adoptieren? Na also, besser die Klappe halten.

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Re: Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

Genau. Man sollte vorsätzlich Behinderungen heranzüchten. Dann kann man sich so gut und tolerant fühlen.

Antworten Gast: kh123
05.08.2012 18:59
5 0

Re: Wer heute das Wort Ethik in den Mund nimmt,

Ich gebe Ihnen in einem Punkt recht: die meisten, die das Wort Ethik in den Mund nehmen, wissen nicht wovon sie sprechen. Aber: verwechseln Sie hier nicht etwas? Es geht hier um eine Debatte, bei der es darum geht, ob man Müttern erlauben soll, ein verfügbares diagnostisches Verfahren durchzuführen (auch auf eigene Kosten), um Befürchtungen, ob ein ganz bestimmter genetischer Defekt vorliegen könnte, zu zerstreuen. Es gibt deutlich unseriösere Tests auf dem Markt (gerade auch in der "Ganzheits"medizin, aber da fragt kaum jemand nach Ethik). Aus all solchen Tests werden oft fragwürdige Schlüsse gezogen. Nun ist dieser Test, falls er ein positives Ergebnis liefert, wissenschftlich valide. Und ja, die Folge kann sein, dass die Mutter dann vorzieht, die Schwangerschaft abzubrechen. Das ist gesetzlich in einem gewissen Rahmen erlaubt (Fristenlösung) - und zwar auch ohne konkrete vorliegende DNA Daten. Daher ist das Verbieten eines solchen Tests kontraproduktiv. Und außerdem könnte die Entscheidung auch anders lauten: sich bewußt für die Geburt zu entscheiden, sich vorbereiten zu können, was da auf einen zukommt, sich Hilfe zu organisieren. Unethisch wäre es, Frauen eíne solche vorhandene Möglichkeit nicht zu erlauben, falls sie nicht in eine doch nur grob festlegtbare Risikogruppe gehören.

Der Test ist sinnvoll, wenn man willens ist, im Fall eines Down-Syndroms abzutreiben.

Hengstschläger arbeitet u.a. bei der Päpstlichen Akademie für das Leben, also hat er dagegen zu sein.

Gast: Antrophethos
02.08.2012 20:30
3 0

Ethik und Moral- und dann?

Finde es nicht verwerflich, wenn man sich testen lässt, wenn man es will. Denn spätestens bei den Folgen zieht sich der Staat zurück und lässt einen auf den Kosten (und der Belastung- die leider oft auch enorm ist) allein. Das ist keine Wertung des einzelnen Lebens, ich kenne selbst liebenswerte und leistungsstarke Down- Menschen. Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass nach der Geburt Probleme (gesellschaftliche, aber oft auch Gesundheitliche) leider vorprogrammiert sind.
Wer den Mut hat, ein Down-Kind zur Welt zu bringen, kann es ja trotzdem tun, unabhängig davon ob es einen solchen Test gibt. Nur dass man eventuell länger Zeit hat, sich darauf vorzubereiten und sich vielleicht doch für das Kind zu entscheiden.
Mein succus: Nicht der Test soll weg, sondern die Beratung für Betroffene Eltern soll her.

Gast: Habicher Gerhard
02.08.2012 17:13
4 8

Grenzenlos

Was kommt als nächstes? Die blinden Kinder?

Antworten Gast: HVt
03.08.2012 18:17
3 6

Falsches Geschlecht, falsche Haarfarbe ...

usw. Eltern fällt viel ein, wenn sie ein Kind (nicht) wollen.

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Warum will man das verbieten?

Oder muss die Gesellschaft widermal aus politischer Korrektheit geschwächt werden.

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