Derzeit läuft das Jahrestreffen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie, 30.000 Teilnehmer aus 150 Staaten haben sich zu diesem Anlass nach München begeben. Bis 29. August werden sie die Ergebnisse von 4200 wissenschaftlicher Arbeiten hören und diskutieren.
Die Zeit läuft
Weltweit sterben pro Jahr rund 17 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bluthochdruck verursacht nach WHO-Schätzungen jedes Jahr weltweit 7,5 Millionen Todesfälle, Rauchen sechs Millionen. 2,8 Millionen Menschen sterben an den Folgen von Übergewicht und Fettleibigkeit, erhöhtes Cholesterin ist für 2,6 Millionen Tote verantwortlich - und Diabetes für 1,3 Millionen. Schätzungen der WHO zufolge verursachen Herz-Kreislauf-Krankheiten der EU-Wirtschaft Gesamtkosten von jährlich 192 Milliarden Euro.
Anti-Rauch-Gesetze
Was bisher geschah: Zu den Themenhighlights zählen u.a. Studien zu Anti-Rauch-Gesetze. "Neue Studienergebnisse belegen den hohen gesundheitlichen Nutzen von Nichtraucherschutz-Gesetzen", so der Präsident der Österreichischen Kardiologengesellschaft, Burkert Pieske (Medizinuniversität Graz). Nachdem in der deutschen Stadt Bremen die Nichtrauchergesetze eingeführt worden sind, reduzierte sich die Häufigkeit von STEMI (ST-Hebungsinfarkt), der gefährlichsten Herzinfarkt-Form, in den Jahren 2008 bis 2010 um insgesamt 16 Prozent.
Passivraucher profitieren demnach von diesen Gesetzen ganz besonders: Bei ihnen verringerte sich der Anteil von STEMI um 26 Prozent, bei Rauchern um vier Prozent. Die Studie (Bremer STEMI-Register, 3.545 STEMIs) wurde von Johannes Schmucker auf dem weltweit größten Kardiologenkongress vorgestellt, bei dem in München mehr als 30.000 aktive Teilnehmer aus mehr als 150 Ländern zusammenkommen.
Herzstillstand bei Sportlern
Menschen, die während oder kurz nach sportlichen Aktivitäten einen Herzstillstand erleiden, haben eine dreimal so hohe Überlebenschance wie Personen, die außerhalb eines sportlichen Zusammenhangs Herzstillstand-Opfer werden. Das zeigt die ARREST-Studie, die in einer Datenbank alle Reanimations-Einsätze in der Region Amsterdam und Umgebung mit rund 2,4 Millionen Einwohnern erfasst.
"Körperliche Betätigung ist zweifellos ein besonders guter Beitrag zur Herzgesundheit", so Arend Mosterd von der Universitätsklinik Utrecht. "Training kann aber in manchen Fällen auch zum Auslöser für einen tödlichen Herzstillstand werden. Diese Fälle, zum Beispiel bei Fußball-Spielern, führen dann zu Bedenken über den gesundheitlichen Nutzen von Sport", fügte er hinzu.
Individuelle Therapie hilft Stent-Patienten
Eine individuell abgestimmte, die Funktion der Blutplättchen und somit die Blutgerinnung hemmende Behandlung nach einer Stent-Implantation verbessert die Prognose von Patienten, die eines der dabei eingesetzten Medikamente (Clopidogrel) nicht ausreichend ansprechen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Wiener Kardiologen, die beim europäischen Kongress der Herzspezialisten in München präsentiert wurde.
Das Hauptergebnis: Wird bei Nichtansprechen von Patienten die Clopidogrel-Dosis bis zu vier Mal am Tag verabreicht bzw. werden Patienten auf einen anderen Blutplättchenhemmer (Prasugrel) umgestellt, so reduziert sich das Risiko von Verschlüssen in den Gefäßstützen (Stent-Thrombosen) um das 7,9-fache. In der Gruppe der individualisierten Therapie erlitten nur 0,2 Prozent der Patienten eine Stent-Thrombose, in der Gruppe der nicht individualisierten Therapie 1,9 Prozent. Darüber hinaus konnte das Risiko eines akuten Koronarsyndroms (Instabile Angina pectoris, Herzinfarkt) mit individualisierter Anti-Plättchen Therapie gesenkt werden: Null Prozent gegenüber 2,5 Prozent, berichtete Joalanta Siller-Matula (MedUni/AKH Wien).
(Ag./Red.)
















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