Für die Symptombehandlung von Allergien werden in Österreich seitens der Krankenkassen und Betroffenen pro Jahr knapp 400 Millionen Euro ausgegeben. Mehr als 114 Millionen davon entfallen auf die Gruppe der allergischen Sechs- bis 25-Jährigen. Das ergab eine empirische Studie der des Economica Instituts für Wirtschaftsforschung und des biopharmazeutischen Unternehmens Stallergenes, die am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien präsentiert wurde.
In den fast 400 Millionen Euro sind nach Angaben von Economica-Leiter Christian Helmenstein die Kosten für Diagnostik, Medikation, Krankenhausaufenthalte und Desensibilisierung enthalten. Nicht berücksichtigt sind alternativ- und komplementärmedizinische Methoden, zusätzliche Kosten für Lebensführung - etwa spezielle Bettwäsche - und Heilbehelfe sowie der Zeitaufwand für Behandlungen.
Produktivitätsverlust von drei Millionen Euro
In der Altersgruppe der Sechs- bis 25-Jährigen gehen Experten von 360.000 Menschen aus, die eine Prävalenz für eine oder mehrere Allergien aufweisen. Unter den 16- bis 25-Jährigen sind es 210.000, darunter 56.000 Berufstätige. Deren Allergien verursachen nach den Berechnungen einen jährlichen Produktivitätsverlust von drei Millionen Euro - eine Zahl, die sich im Erwachsenenalter auf 56 Millionen Euro erhöht, wobei die Studienautoren davon ausgegangen sind, dass sich knapp ein Fünftel der Betroffenen behandeln lässt.
Gewöhnungstherapie
Demgegenüber stehen Kosten und Einsparungspotenzial durch eine sublinguale Hyposensibilisierung, also eine "Gewöhnungstherapie", bei der in Form von Tropfen verabreichte Wirkstoffe die überschießende Immunreaktion auf ein Allergen zurückdrängen: Im Bereich der Krankenstände ergäbe sich laut der Studie ein Einsparungspotenzial von 14 bis 21 Millionen Euro, die jährlich durch Krankenstände verursacht werden. Dies unter der Annahme, dass sich 20 bis 30 Prozent der im Rahmen der Studie für eine Primärerhebung erfassten Sechs- bis 25-Jährigen auf diese Weise behandeln lassen würden. Für das gesamte Erwerbsleben wurde für diese Gruppe ein Einsparungspotenzial von 570 bis 855 Millionen Euro errechnet.
Unterdiagnostiziert und untertherapiert
Trotz der großen Verbreitung von Allergien gibt es viele Betroffene, denen der Grund für laufende Nasen, andauernder Husten und juckende Augen nicht bekannt ist. Fritz Horak, Leiter des Allergiezentrums Wien West, wies darauf hin, dass Allergien und Asthma weiterhin unterdiagnostiziert und untertherapiert sind. Eine frühe Feststellung der Allergie verhindert unter anderem eine falsche und daher unwirksame Behandlung der Symptome, eine frühe Immuntherapie - die einzige Therapie, welche die Ursache angreift - verhindert das Neuauftreten von Allergien und zögert das Auftreten von Asthma hinaus. Die Zahl der Kinder, die von Asthma betroffen ist, nimmt im Zehnjahres-Vergleich um 30 Prozent zu, bei Heuschnupfen macht das Plus in diesem Zeitraum 20 Prozent aus. Verhindern lassen sich Allergien durch sogenannte primäre Präventionsmaßnahmen wie z. B. Maßnahmen bei der Ernährung nicht, wie Horak erklärte.
(APA)
















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