Der Herbst ist ein idealer Termin für eine Möglichkeit der Hautkrebsprävention: „Jetzt sollte man beim Dermatologen einen Check auf verdächtige Hautveränderungen machen. Denn Hautkrebs, früh erkannt und richtig behandelt, ist zu 100 Prozent heilbar. Auch die gefährlichste und aggressivste Variante von Hautkrebs, das maligne Melanom“, betont Hubert Pehamberger, Vorstand der Wiener Universitätsklinik für Dermatologie.
Beim großen Krebskongress der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (Esmo) in Wien (28. September bis 2. Oktober, Austria Center), bei dem mehr als 16.000 internationale Teilnehmer erwartet werden, wird auch das Melanom ein Thema sein. „Hier, wie auch bei anderen Karzinomarten, kommt immer mehr die personalisierte Therapie zum Einsatz“, erwähnt Pehamberger. Das heißt: Nicht mehr ein Medikament für alle, denn nicht jedes Medikament wirkt bei jedem Patienten. Krebspräparate werden viel gezielter eingesetzt. Im Falle von Hautkrebs ist das unter anderem der Wirkstoff Vemurafenib. Pehamberger: „Bei rund der Hälfte aller Melanome ist eine Veränderung des sogenannten B-Raf-Onkogens im Spiel. Vemurafenib erkennt diese Mutation und blockiert die Wirkung des veränderten Gens gezielt.“ Einen ganz anderen Wirkmechanismus hat der monoklonale Antikörper Ipilimumab, der das Immunsystem im Kampf gegen das Melanom stärkt.
Weltweit stehen derzeit Hunderte neuer Krebsmedikamente in klinischer Erprobung – viele davon in Richtung personalisierter Krebsmedizin. „Die Krankheit des einzelnen Patienten hat ganz spezifische Merkmale. Diese Merkmale wollen wir identifizieren und unsere Therapie exakt auf diese Charakteristika zuschneiden“, erklärt der Wiener Onkologe Christoph Zielinski, Vorstand der Universitätsklinik für Innere Medizin I, in der Fachzeitschrift „Ärzte-Woche“.
Neben der personalisierten Therapie setzt man in der Onkologie vermehrt auch auf die „zielgerichtete Behandlung“: Moderne Krebsmedikamente greifen bösartige Zellen ganz genau an jenen Stellen an, die für Überleben und Wachstum von Krebszellen entscheidend sind.
Österreich: 300.000 Krebskranke
Trotz aller Fortschritte in der Therapie – in den vergangenen Jahren hat sich etwa die Fünf-Jahres-Überlebensrate um mehr als 50 Prozent erhöht –, die Diagnose Krebs ist noch immer mit Furcht, mit Depression, Verzweiflung und Todesängsten verbunden. In Österreich erhalten diese Diagnose rund 19.000 Männer und 17.000 Frauen jährlich, insgesamt gibt es 300.000 Menschen, die von einer Krebserkrankung betroffen sind, Jahr für Jahr sterben hierzulande noch immer 9000 Frauen und 11.000 Männer an diesem Leiden.
Doch es gibt berechtigte Hoffnung, dass neue zielgerichtete und personalisierte Therapien diese Zahlen weiterhin senken. „Das Gebiet der Onkologie wird in den kommenden fünf Jahren eine geradezu explosive Entwicklung machen“, ist sich Esmo-Präsidentin Martine Piccart sicher.
Sonnenschutz auch im Winter
Sicher ist ferner, dass jeder seinen persönlichen Teil zur Krebsvorsorge beitragen kann. Für den eingangs erwähnten Hautkrebs bedeutet dies vernünftigen Umgang mit der Sonne und Sonnenschutz, und dies nicht nur im Sommer. „Auch bei winterlichen Fernreisen, herbstlichen Wanderungen oder beim Skifahren sollte man unbedingt daran denken“, rät Pehamberger.
Eine australische Studie mit 1600 Teilnehmern konnte zeigen: Durch sorgfältigen Gebrauch von Sonnenschutzmitteln kann das Melanomrisiko immerhin halbiert werden. Dennoch steigt die Zahl der Melanomkranken in Österreich – und weltweit – seit Jahren stetig an, derzeit gibt es jährlich rund 1300 Neuerkrankungen in heimischen Breiten.
Bücher mit Krebsthemen
Auch wenn dem Buch „Heilung im Licht. Wie ich durch eine Nahtoderfahrung den Krebs besiegte und neu geboren wurde“ die wissenschaftliche Basis fehlt, ist diese Lebensgeschichte von Anita Moorjani lesenswert. Die als Tochter indischer Eltern in Singapur geborene Frau lag bereits im Sterben – „Die Nacht wird sie nicht überleben“, so eine Spitalsärztin –, erwachte jedoch aus dem Koma und wurde wieder völlig gesund. Kommentar eines verwirrten Arztes: „Ich verstehe das nicht. Ich habe hier Scans, die zeigen, dass das Lymphsystem der Patientin noch vor zwei Wochen vollkommen verkrebst war, aber jetzt kann ich keinen Lymphknoten in ihrem Körper mehr finden, der groß genug wäre, um auf Krebs hinzuweisen.“ (256 Seiten, Arkana Verlag, 17,50 €).
Auch der weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte und kritische Medizinjournalist Kurt Langbein hat seine Erfahrungen mit Prostatakrebs niedergeschrieben. In „Radieschen von oben. Über Leben mit Krebs“ berichtet er sehr offen von seinen seelischen und körperlichen Qualen und gibt parallel dazu eine Übersicht über den aktuellen Stand der Wissenschaft (Ecowin Verlag, 215 Seiten, 21,90 €).
Im Buch „Matcha. Das gesunde Grüntee-Wunder“ wird dieses Lifestyle-Getränk gar als Hoffnung gegen Krebserkrankungen erwähnt. Laut Autor Walter Glück hat Matcha in Forschungen eine hemmende Wirkung auf Pankreas-Krebszellen gezeigt. Außerdem, so der Autor, hätte eine Untersuchung an asiatischen Frauen ergeben, dass ihr Brustkrebsrisiko durch regelmäßigen Grüntee-Konsum um 40 Prozent verringert werden konnte. Auch wenn hinsichtlich Krebsschutzes gesunde Skepsis angebracht ist, ein gesundes Getränk ist Matcha allemal. Und wer es nicht trinken will: Im Buch (Kneipp Verlag, 95 Seiten, 12,95 €) gibt es auch einige Rezepte, etwa „grünes Matcha-Hühnercurry“.
Kochkurs für Krebspatienten
Tipps für die richtige Ernährung bei Darmkrebs gibt die Onkologin und Ernährungsexpertin Irene Kührer vom AKH Wien am 27. September in Wien 3 (17 Uhr, Das Kochwerk – die Kochschule). Nach dem Vortrag gibt es auch einen Kochkurs. Anmeldung: info@darmkrebs.at, www.darmkrebs.at und www.derdickdarm.org.
Früherkennung von Brustkrebs
Im Brustkrebsmonat Oktober können sich Interessierte am 11.Oktober in der Praxisgemeinschaft Woman & Health in Wien 1 kostenlos von Gynäkologen und Brustspezialisten beraten lassen (17.30–18.30 Uhr), ab 19h gibt es Vorträge, etwa zu „Früherkennung von Brustkrebs“. Um Anmeldung wird gebeten, ✆ 01/533 36 54.
Sexualität und Krebs
Das Thema „Sexualität und Krebs“ wird beim nächsten Informationsnachmittag im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried behandelt (26.September, ab 15Uhr).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.09.2012)
















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