Bei einem kranken Kind haben wir es nicht nur mit einem Patienten zu tun, sondern auch mit den Eltern. Das trifft vor allem bei chronischen Hautkrankheiten wie der Neurodermitis oder der Psoriasis zu. Die Aufklärung und Beratung der Eltern ist für den Erfolg einer Therapie unbedingt erforderlich“, betont Beatrix Volc-Platzer, Professorin und Primaria an der Dermatologischen Abteilung des Sozialmedizinischen Zentrums Ost der Stadt Wien, Donauspital.
Neurodermitis, auch als atopisches Ekzem bezeichnet, ist durch eine Funktionsstörung der Hautbarriere, bedingt durch das Fehlen von feuchtigkeitsbindenden Zellen, gekennzeichnet. Sie wird durch eine Fehlregulation des Immunsystems ausgelöst, tritt in Schüben auf und führt zu Rötungen, schweren Entzündungen und starkem Juckreiz. Als Folge davon kratzen die Kinder und das führt zu neuerlichen Schädigungen der Haut bis zu Infektionen.
Den Leidensdruck mindern
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, gibt es jetzt Ausbildungskurse, die Neurodermitis-Schulung. Eltern von Neurodermitis-Kindern erhalten fachliche Informationen, wie sie den Leidensdruck der Kinder erleichtern und Krankheitsschübe verzögern können. In drei bis vier Sitzungen zu zwei bis drei Stunden beraten Dermatologen, Kinderärzte, Psychologen und Diätassistenten, wie die Haut am besten gepflegt wird, wie Schübe früh erkannt werden und was schon vorbeugend unternommen werden kann. Erste Schulungskurse wurden bereits in den Landeskrankenhäusern Linz und Wels durchgeführt, weitere sind im LKH Klagenfurt und im Donauspital in Wien geplant. Auskünfte über niedergelassene Dermatologen, die diese Leistung anbieten, erhält man in der dermatologischen Abteilung des Donauspitals, ✆ 01/28802/4100.
„Als präventive Therapie können jetzt anstelle von Cortisonsalben immunmodulierende Salben wie Protopic oder Elidel, die entzündungshemmend wirken, verwendet werden. Es empfiehlt sich auch, ein Ernährungstagebuch zu führen, besonders zu meiden sind Erdnüsse und alle Nahrungsmittel, die Erdnussöl enthalten, wie etwa Nutella. Auch manche Getreidesorten und Milchprodukte sollten nicht gegessen werden“, zählt die Dermatologin auf. Eine besondere Rolle im erwähnten Schulungsprogramm kommt Psychologen zu. Unter deren Anleitung werden spezielle Strategien entwickelt, wie Kinder den Juckreiz überwinden können, etwa mit dem Kneten von kleinen, speziellen Bällen.
„Wenn es juckt, dann nicht kratzen, besser über die Stelle streicheln oder die Stelle anblasen“, heißt es in einem neuen Ratgeber von Astellas Pharma. „Alex, kratz dich nicht“ ist speziell für Kinder mit Neurodermitis geschrieben, das Märchen mit vielen Tipps erklärt kindgerecht Symptome und wie sich die Auslöser reduzieren oder ganz vermeiden lassen. Gegen Juckreiz wird unter anderem weiters empfohlen: „Deine Kleidung soll nicht kratzen. Am besten ganz glatte Textilien. Nur keine Kunstfasern oder Wolle auf der Haut tragen. Das reibt auf der Haut und sie juckt dann wieder.“ Die Broschüre und ebenso ein Kurzfilm mit einer unterhaltenden und gleichsam lehrreichen Fantasiegeschichte können auf der Homepage von Astellas angesehen werden (www.astellas.at).
Stress und Schuppenflechte
Eine Hautkrankheit, unter der Kinder zwar wesentlich seltener, aber ebenfalls besonders schwer leiden, ist die Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt. Veranlagung und immunologische Fehlregulierung sind die pathologischen Ursachen dafür. Die Krankheit tritt in Schüben auf, es bilden sich stark schuppende Herde und schwere Hautentzündungen, die stark jucken. Auslöser können mechanische Reize, Sonnenbrand, Tätowierungen, Infektionen, besonders häufig Angina, aber auch Stress sein, etwa der Schulbeginn.
Institut für Kinderdermatologie
„In der Therapie gibt es große Fortschritte. Neben den Pflegemaßnahmen wie Ölbädern, Solebädern und Pflegesalben stehen neue Medikamente zur Verfügung, unter anderem Biologika. Dazu zählt der TNF-alpha-Blocker Etanercept, der jetzt für Kinder ab dem 6. Lebensjahr zugelassen ist. Er hemmt das bei der Psoriasis entzündungsauslösende Zytokin und steht in Kinderdosis zur Verfügung. „Gerade hinsichtlich der Sicherheit von Medikamenten ist die enge Zusammenarbeit mit Kinderärzten unbedingt notwendig“, betont die Dermatologin.
Deshalb wurde im Donauspital ein Karl Landsteiner Institut für Kinderdermatologie gegründet, in dem Dermatologen mit Kinderinternisten und Kinderchirurgen zusammenarbeiten. „Wir wollen die anatomischen und funktionellen Besonderheiten der Kinderhaut erkennen und daraus kindergerechte Therapien entwickeln“, fasst Volc-Platzer das Arbeitsziel zusammen.
Wenn Kinder unter einer chronischen Hautkrankheit leiden, leiden meist auch die Eltern. Für sie gibt es neuerdings Neurodermitis-Schulungen, wo sie fachliche Informationen und wertvolle Tipps erhalten.
Am neu gegründeten Karl Landsteiner Institut für Kinderdermatologie in Wien werden die Besonderheiten der Kinderhaut erforscht und kindergerechte Therapien entwickelt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)
















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