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Hautveränderung: Karzinom genannt und doch kein Krebs?

08.10.2012 | 17:10 |  Von Gerta Niebauer (APA)

Die Sonnenschädigung Aktinische Keratose - rötlich braune Erhebungen, die vor allem im Gesicht zu finden sind - wird nun als Plattenepithelkarzinom bezeichnet. 90 Prozent gehen nicht in einen gefährlichen Krebs über.

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Bis vor einiger Zeit nannte man eine häufige Sonnenschädigung der Haut Aktinische Keratose, rötlich braune Erhebungen, die vor allem im Gesicht, auf Glatzen und Handrücken zu finden sind. Neuerdings spricht man vom „Plattenepithelkarzinom in situ“ (in situ = am Ursprungsort). Diese Bezeichnung klingt bedrohlicher als die Hautveränderungen tatsächlich sind, denn 90 Prozent der aktinischen Keratosen gehen nicht in einen gefährlichen Hautkrebs über. Auch die Einteilung in drei Typen (mild, moderat, ernst) wurde neu definiert.

„Die Bezeichnung Karzinom mag berechtigt sein, da gewisse molekulare Veränderung vorliegen, wie sie typisch für maligne Entartungen sind“, sagt Klemens Rappersberger, Vorstand der Hautabteilung in der Wiener Rudolfstiftung. Man könnte das Plattenepithelkarzinom als Volksleiden der älteren Generation bezeichnen: Etwa 30 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen über 70 Jahre leiden daran, in Australien sind es bereits 504Prozent der Bevölkerung im fortgeschrittenen Alter.

Wenn diese Form der Hautveränderung in den allermeisten Fällen auch nicht lebensbedrohlich ist, „eine Behandlung ist unbedingt notwendig“, betont Rappersberger. Immerhin werden etwa zehn Prozent der Plattenepithelkarzinome invasiv, das heißt, sie wachsen in gefäßführendes Gewebe vor. Bei immunsuppresiven Patienten sind es sogar 30 Prozent, insbesondere bei der chronischen lymphatischen Leukämie. Bei Organtransplantierten ist das Plattenepithelkarzinom etwa 65-mal häufiger als bei Menschen mit intaktem Immunsystem.

„Eine regelmäßige Kontrolle, etwa drei- bis viermal im Jahr, ist notwendig“, fordert Rappersberger, der zunehmend mehr Fälle sieht. „Es gibt eine Fülle von Therapiemöglichkeiten, aber randomisierte und placebokontrollierte Studien sind selten und immer noch unbefriedigend.“ Die Therapie muss individuell angepasst werden, je nach Lokalisation, Ausdehnung und Ausprägung – von der Entfernung des betroffenen Hautareals mit scharfem Löffel oder Kryotherapie bis zur lokalen Chemotherapie, bei unklaren Fällen sollte eine Biopsie entnommen werden.

Nach der Abheilung ist eine topische Therapie angebracht, etwa mit Diclofenac/Hyaluronsäure-Gel, das sich besonders für frühe „In-situ-Tumoren“ eignet und als Nebenwirkung Rötungen und Entzündungen zur Folge haben kann. Zu den wirksamen Cremetherapien zählt auch Imiquimod, eine neue Klasse der Immune Response Modifier. Auch bei dieser Behandlung entstehen Hautreaktionen, die dem Patienten erklärt werden sollten. Ebenso muss der Patient damit rechnen, dass immer wieder neue Schädigungen auftreten können. Es handelt sich also um eine Langzeitbehandlung, die auch eine Vertrauensbasis zwischen Patient und Arzt voraussetzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2012)

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